Age positive
Wie Japan dem demografischen Wandel begegnet
Japan steht vor einer außerordentlichen Herausforderung, die vielen Industriestaaten droht: Wie gestaltet man schrumpfende Gemeinden lebenswert, in denen fast ein Drittel der Menschen älter als 65 Jahre ist? Mit einem jährlichen Bevölkerungsrückgang von rund 0,9 Prozent und einem Anteil von ungefähr 40 Prozent der Kommunen, die akut vom Aussterben bedroht sind, wird Japan derzeit zum Versuchsfeld für innovative Stadtplanungsansätze, bei der Lebensqualität Vorrang vor endlosem Wachstum hat. In diesem Gruppenbeitrag schreiben fünf Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis über verschiedene Projekte und Ansätze, wie man der Problematik begegnen kann, in der Japan zum unfreiwilligen Vorreiter geworden ist.
Gemeinden im Umgang mit Alterung und Schrumpfung
von Marco Capitanio
Städtische Schrumpfung umfasst drei eng verwobene Aspekte: sinkende Einwohnerzahlen, das Ausdünnen besiedelter Räume und wirtschaftliche Schrumpfung. In Japan wirken niedrige Geburtenraten und begrenzte Zuwanderung zusammen, wodurch der Anteil älterer Menschen stetig zunimmt. Die Zahlen wiegen schwer: Von rund 128 Millionen Einwohnern, dem Höchststand um 2010, sollen es bis 2070 nur noch etwa 80 Millionen sein. Desgleichen stehen landesweit 8,5 Millionen Häuser leer – jede siebte Immobilie –, obwohl die Fläche von Wohngebieten infolge der Neubautätigkeit auf der „grünen Wiese“ zwischen 2005 und 2015 um fast zehn Prozent gewachsen ist.
Auch in Deutschland stehen Bevölkerungsrückgang und Überalterung unmittelbar bevor – eine Aufgabe, der sich Architekten, Ingenieurinnen und Stadtplaner stellen müssen. Anlass genug, über den Umgang Japans mit der Problematik zu sprechen. Im Folgenden sollen einige lokale Projekte vorgestellt werden, mit denen japanische Gemeinden dem demografischen Wandel und der Schrumpfung begegnen.1M. Capitanio: ISCN Global Mixer – Livability in the Age of Shrinkage: Showcasing Urban Design and Planning Strategies from Japan 2024, online: https://www.smart-city-dialog.de/en/latest/events/iscn-global-mixer-livability-age-shrinkage-showcasing-urban-design-and-planning. ↩︎
Vom Kulturtourismus bis zur Leerstandsbörse
Die Ansätze fallen je nach Stadt- und Landtypologie sehr unterschiedlich aus. In abgelegenen Orten wie Wajima in der Präfektur Ishikawa setzen viele Gemeinden auf ihre kulturellen Güter – zum Beispiel die jahrhundertealte Lackkunst und den morgendlichen Markt (Asaichi) – und fördern Ökotourismus, indem sie leerstehende Gebäude gezielt umgestalten. Seit 2015 wurden zentral gelegene, ungenutzte Räume zu Restaurants, Coworking-Büros und Gästehäusern umgebaut. Leider hat das Noto-Erdbeben von 2024 große Schäden angerichtet; seither bemüht sich Wajima intensiv darum, seinen ursprünglichen Charme wiederherzustellen.
Im Bergdorf Nakanomata in der Präfektur Niigata drohte mit dem Wegzug der jüngeren Generation nicht nur ein Bevölkerungs‑, sondern zugleich ein Wissensverlust – insbesondere im Reisanbau und in der Landschaftspflege. Reisfelder sind auf ein effektives Bewässerungsmanagement angewiesen, das wiederum eine ständige Instandhaltung erfordert, etwa die Reinigung verstopfter Kanäle oder die Reparatur von Trockenmauern. Ohne manuelle Arbeit und Fachwissen kommt die lokale Reisproduktion zum Erliegen. Eine Regionalmanagement-Organisation unter der Leitung einer engagierten Einzelperson hat in den letzten Jahren systematisch Reisfelder und Forstflächen wieder in Stand gesetzt und bietet älteren Bewohnern umfangreiche Alltagsunterstützung, wenn diese allein nicht mehr zurechtkommen: Sie liefert nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs, sondern besucht sie auch regelmäßig persönlich und hilft ihnen bei alltäglichen Aufgaben.2 Dieses ganzheitliche Modell, gefördert durch das Programm „Local Vitalization Cooperator“ und eng mit der Kommunalverwaltung abgestimmt, verdeutlicht, welche Wirkung entschlossenes Handeln entfalten kann – wenngleich fraglich bleibt, wie sich ein solcher Ansatz flächendeckend skalieren ließe.T. Sekihara, R. McCarthy: Kuni. A Japanese Vision and Practice for Urban-Rural Reconnection, North Atlantic Books 2022. ↩︎

In Regionalzentren wie der Stadt Toyama wurden wiederum in den 2000er- und 2010er-Jahren mehrere Masterpläne zur Nachverdichtung stufenweise umgesetzt. Insbesondere das Light Rail Transit-System (sinngemäß Leichtbahnfahrzeug-System), bei dem Japan Vorreiter ist, stärkte die Innenentwicklung: Es führte zu einer Verdopplung der Fahrgastzahlen und stabilisierte damit den Wert innerstädtischer Grundstücke. Parallel dazu nutzt Toyama digitale Innovationen – von IoT-Sensoren (Internet of Things) zur Überwachung von Umweltbedingungen und Verkehrsströmen bis hin zu Apps, die Anreize schaffen, lokale Unternehmen zu unterstützen.
Auch in Tokigawa, einem Vorort in der Präfektur Saitama, kommen gezielt digitale Werkzeuge zum Einsatz: So gibt es eine digitale Leerstandsbörse, eingerichtet durch die Stadt, sowie ein durch private Initiativen angebotenes fünfmonatiges Programm, das Grundlagen unternehmerischen Handelns speziell für das Leben und Arbeiten in ländlichen und stadtnahen Regionen vermittelt. Hinter vielen solcher Projekte, die urbane Kompetenzen mit Möglichkeiten im ländlichen Raum zusammenbringen, stehen Menschen aus Tokio, die dem urbanen Leben den Rücken kehren wollen.
In der Innenstadt von Tokio zeigt sich die Schrumpfung vor allem durch leerstehende Immobilien. Im Stadtbezirk Setagaya, der knapp 940.000 Einwohner zählt, sind rund 50.000 Wohnungen ungenutzt. Mögliche Nachbesitzer sind häufig nicht bereit, die Last veralteter Bausubstanz auf sich zu nehmen: Das typische japanische zweistöckige Einfamilienhaus ist nur für eine Lebensdauer von wenigen Jahrzehnten ausgelegt. Umfangreiche Renovierungen sind zwar möglich, aber die Verstärkung einer 40 Jahre alten Konstruktion, um sie an die aktuellen seismischen und energetischen Anforderungen anzupassen, ist oft mit erheblichen Kosten verbunden. Darüber hinaus bedeutet das heiß-feuchte Klima Japans, dass ein Holzbau, der mehrere Jahre lang leer stand, möglicherweise nicht mehr für eine Umnutzung geeignet ist. Die Stadt reagierte mit einer Beratungsstelle, die Eigentümer mit Fachleuten für Renovierung und Abriss vernetzt.
Solche lokalen Maßnahmen sind wichtig, reichen aber nicht aus, um die weitreichenden Folgen der Überalterung und Schrumpfung in den Griff zu bekommen. Es braucht grundlegende politische Reformen. Bisher gelten Steuererleichterungen nicht nur für Neubauten, sondern zudem für verfallene und leerstehende Immobilien – Anreize, die die Situation noch verschärfen. Es deutet sich aber ein Umdenken an: So hat Kyoto 2023 eine Steuer auf verlassene Immobilien beschlossen und ging damit einen Schritt in Richtung eines ganzheitlichen Lebenszyklusdenkens. Auf nationaler Ebene ließe sich dieses Prinzip weiterdenken: Eine Abgabe auf Neubauten könnte einen Fonds speisen, aus dem später die Rückbau- oder Abrisskosten gedeckt werden – ähnlich wie Rückstellungen, die beim Bau von Kraftwerken oder großen Infrastrukturen für die künftige Stilllegung vorgesehen sind.
Ein gelungenes Beispiel für solch langfristiges Denken ist Yukarigaoka in der Präfektur Chiba: Seit 45 Jahren ist hier ein privater Entwickler nicht nur für den Bau, sondern auch für das langfristige Management einer Vorstadtsiedlung mit rund 20.000 Bewohnern zuständig. Er ist nicht auf kurzfristige Rendite aus, sondern begleitet alle Phasen im Lebenszyklus der Immobilie. Käuferinnen und Käufer wissen: Häuser können jederzeit zum Marktpreis zurückverkauft werden, werden anschließend vom Unternehmen renoviert und erneut angeboten.3M. Capitanio, S. Sintusingha: From paddy fields to sustainable town in four decades: tight integration of urban planning and place management in Yukarigaoka, Japan, Journal of Architecture and Urbanism, 45 (2021), 2, S. 183 – 194. ↩︎
Gestalten für die Super-Aged Society
von Ami Ogawa
Für das, was Japan derzeit erlebt, gibt es den Begriff der „Super-Aged Society“ – einer Gesellschaft, in der 20 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt ist. 2040 wird die Zahl älterer Menschen aktuellen Schätzungen zufolge ihren Höchststand erreichen. Diese demografische Verschiebung stellt auch das Wohnumfeld vor enorme Herausforderungen. Zwar verfügt Japan über eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit, doch zwischen der durchschnittlichen und der gesunden Lebenserwartung – also wie viele der Lebensjahre ein Mensch voraussichtlich bei guter Gesundheit verbringt – klafft eine Lücke von rund zehn Jahren4. In diesem Jahrzehnt sind viele Menschen auf Pflege angewiesen. Angesichts überlasteter Gesundheitssysteme wünschen sich über die Hälfte der älteren Japanerinnen und Japaner, im vertrauten häuslichen Umfeld alt zu werden5 – ein Wunsch, der komplexe Maßnahmen erfordert.WHO, https://data.who.int/countries/ (20.07.2025). ↩︎Cabinet Office, Government of Japan, Annual Report on the Ageing Society FY 2019. ↩︎
Im Folgenden werden zwei Strategien vorgeschlagen, die sich auf das Zusammenspiel von Mensch und Raum konzentrieren: die Verlängerung der gesunden Lebensspanne und das Ermöglichen eines eigenständigen Lebens im häuslichen Umfeld.
Präventives Design: Verlängerung der gesunden Lebensspanne
Um die gesunde Lebenszeit zu verlängern, muss der Fokus stärker auf Prävention gelegt werden. Ein erheblicher Teil der Ursachen für Pflegebedürftigkeit ist auf den Rückgang motorischer Fähigkeiten zurückzuführen. Wird dieser frühzeitig erkannt und behandelt, lassen sich Erkrankungen oft vermeiden – das trägt zu einem längeren, gesünderen Leben bei.
Die herkömmlichen Methoden zur Messung der Mobilität – etwa in Krankenhäusern oder kommunalen Einrichtungen – stoßen jedoch an Grenzen: Sie erfolgen selten, hängen von der Eigenmotivation der Betroffenen ab und erfassen die Bewegungen meist in ungewohnten Situationen, was zu ungenauen Ergebnissen führt. Um dem zu begegnen, entwickle ich zusammen mit meinem Forschungsteam an der Keio-Universität derzeit ein Konzept für ein sogenanntes „Health Monitoring House“ – ein Wohnraum, der tägliche Gesundheitschecks im Alltag integriert.
Ein Beispiel dafür ist „IR-Locomotion“, ein Verfahren zur Schätzung der Position von Gelenken in den unteren Extremitäten mithilfe einer Tiefenkamera, die die Entfernung vom Gerät zu einem Objekt oder der Entfernung zwischen zwei Objekten messen kann.6 Bei den erfassten Daten handelt es sich in der Regel lediglich um eine Silhouette ohne Farbinformationen, sodass die Technologie eine weitgehend datenschutzfreundliche Bewegungsmessung im eigenen Zuhause ermöglicht. Auf ihrer Basis wurde ein Früherkennungssystem für Kniegelenksarthrose (KOA) entwickelt – eine Erkrankung, die im Alter weit verbreitet ist.7 Bei der Analyse der Kniebewegung beim Treppensteigen zeigte sich nämlich, dass Menschen mit ersten, schmerzhaften KOA-Symptomen dazu neigen, die Knie stärker zu beugen. Durch tägliche Bewegungsbeobachtung beim Treppensteigen könnte so eine frühe Diagnose und Intervention erfolgen – ein möglicher Baustein für das Health Monitoring House. Im Idealfall würde dieses System in jeder Wohneinheit installiert und die Gesundheit der Bewohnenden automatisch überwacht werden.A. Ogawa, et al.: Markerless Knee Joint Position Measurement Using Depth Data during Stair Walking, Sensors 17 (2017), 11, S. 2698. ↩︎A. Ogawa, et al.: Identification of Early Knee Osteoarthritis Based on Knee Joint Trajectory during Stair Climbing, IJERPH 22 (2022), 19, S. 15023. ↩︎
Darüber hinaus wurden spezifische architektonische Gestaltungsrichtlinien für solche Häuser untersucht. Denn wer funktionell eingeschränkt war, beugt das Knie beim Treppensteigen auch auf steileren Stufen weniger tief – ein Hinweis auf eingeschränkte Beweglichkeit.8 Die Art und Weise wie Treppen gestaltet sind, kann also Einfluss darauf haben, wie zuverlässig und gut die Früherkennung funktioniert.A. Ogawa, et al.: Staircase Design for Health Monitoring in Elderly People, J. Build. Eng. 37 (2021), S. 102152. ↩︎

Selbstständig leben im eigenen Zuhause9
Da über die Hälfte der älteren Menschen den Wunsch äußert, im eigenen Zuhause alt zu werden, ist es entscheidend, dass sie dort glücklich und selbstbestimmt leben können – selbst bei bereits bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen. Die Architektur ist dabei zentral und kann – je nach Aufbau und Einrichtung – die Bewegung und Mobilität von Menschen unterstützen.
Während großzügige, offene Räume gesunden Menschen vielleicht eher ein Gefühl von Freiheit geben, können sie für Personen mit eingeschränkter Mobilität schnell zum unsichtbaren Hindernis werden. Klassische Lösungen wie Haltegriffe sind zwar funktional, doch sie signalisieren einen Pflegebedarf, was sich negativ auf das Selbstwertgefühl der Betroffenen auswirken kann. Zudem besteht die Gefahr, dass sie bei übermäßiger Nutzung sogar die Bewegungsfähigkeit verringern, anstatt sie zu fördern.
Deshalb lohnt sich der Blick auf ein oft übersehenes Potenzial: Möbel und Bauelemente als unauffällige Bewegungshilfen. Ein Schreibtisch etwa, der für eine gesunde Person im Weg steht, kann für jemanden mit nachlassender Kraft zu einer wertvollen Stütze werden. Auf dieser Idee aufbauend wird untersucht, wie sich Möbel und Wohnräume – in Hinblick darauf, wie sie die Fortbewegung unterstützen – datenbasiert bewerten lassen. Ziel ist die Erstellung von Modellen, die zeigen, wie der Mensch physisch, also durch Abstützen oder Festhalten, mit seiner Umgebung, etwa Möbelstücken, Wänden oder Einbauten, interagiert.
Konkret berechnen lassen sich die mechanischen Wechselwirkungen und wie stark die Möbel dabei belastet werden können, abhängig davon, wie weit eine Person sich bewegen oder greifen kann. Dadurch wird sichtbar, welche Elemente wie stark zur Fortbewegung beitragen, und es entsteht eine Art „Belastungskarte“ des Raums. Werden diese Modelle als Eigenschaften der jeweiligen Raumelemente integriert, lässt sich quantitativ analysieren, wie sich unterschiedliche Designentscheidungen – etwa Anordnung oder Maße von Möbeln – auf die Bewegungsunterstützung auswirken.
In Kombination mit dem Wissen von Fachpersonen aus Pflege und Therapie kann diese Methode dabei helfen, Möbel gezielt so anzuordnen, dass sie sichere, durchgehende Bewegungsachsen im Wohnraum schaffen – und dabei sogar zur körperlichen Reaktivierung beitragen. Unsere Forschung zeigt, dass Häuser und Wohnungen durch intelligente Gestaltung und technologische Integration gezielt die Gesundheit fördern und ein selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen können.
Gemeinschaftsorte für ältere Menschen neu denken
von Sebastian Polak-Rottmann
Während die Gesamtbevölkerung Japans erst seit den frühen 2010er-Jahren schrumpft, sind ländliche Regionen bereits seit Ende der 1960er-Jahre von einem stetigen Bevölkerungsrückgang betroffen. Gleichzeitig altert die verbliebene Landbevölkerung: In einigen Gemeinden machen Menschen ab 65 Jahren bereits 40 Prozent oder mehr der Einwohnerschaft aus. Derart drastische demografische Veränderungen bringen zahlreiche Herausforderungen mit sich: sinkende Gemeindefinanzen, leerstehende Häuser oder der Rückgang gemeinschaftlicher Aktivitäten.
Viele Regionen erproben innovative soziale Ansätze, um die Folgen abzufedern.10 Ein Beispiel dafür ist das Konzept kayoi no ba (通いの場 – „Ort für regelmäßige Besuche“), das lokale Gemeinwohlinitiativen dahingehend neu ausrichtet, dass sie in erster Linie Begegnungsorte für ältere Menschen schaffen. Ziel ist es, deren körperliche und geistige Fitness zu fördern. Das Programm ist Teil eines Ansatzes der „gemeinschaftsbasierten integrierten Pflege“, der auf die zunehmende Zahl pflegebedürftiger Menschen reagiert, indem er präventive Maßnahmen direkt in lokalen Nachbarschaften verankert.11 Zwei solcher kayoi no ba sollen an dieser Stelle vorgestellt werden – basierend auf laufenden Feldforschungen im ländlichen Japan. Dabei soll insbesondere die räumliche Dimension beleuchtet werden.Gagné: Mapping The Local Economy Of Care, in: Rethinking Locality in Japan, hg. v. S. Ganseforth and H. Jentzsch. London 2021, S. 102–116. ↩︎Y. Hatano, et al.: The Vanguard of Community-based Integrated Care in Japan. The Effect of a Rural Town on National Policy, in: International Journal of Integrated Care, 17 (2017), 2, S. 1–9. ↩︎

Alte Schulen
Die erste Initiative, ein lokales Tagesbetreuungsprogramm unter dem Namen „Wald-Tagespflege“, stammt aus der ländlichen Kleinstadt Chizu in der Präfektur Tottori – der am dünnsten besiedelten der 43 Präfekturen Japans. Organisiert wird sie von einer lokalen, bürgerschaftlich getragenen Gruppe, die ihren Ursprung in einer Landentwicklungsbewegung der 1980er-Jahre hat.12N. Okada: Rethinking Japan’s depopulation problem. Reflecting on over 30 years of research with Chizu Town, Tottori Prefecture and the potential of SMART Governance, in: Contemporary Japan, 34 (2022), 2, S. 210–227. ↩︎
Regelmäßig finden Treffen in einer ehemaligen Schule statt, die leer stand, aber nach wie vor mit großer Sorgfalt gepflegt wurde. Schulgebäude gelten in vielen japanischen Dörfern als zentrale Orte des Gemeinschaftslebens, sodass ihre Nachnutzung besonders wünschenswert ist.1313 Heute ist die Schule wieder ein lebendiger Ort – wenngleich mit anderen Aktivitäten als früher: Die alte Bibliothek dient als temporäres Restaurant, in dem die Teilnehmenden gemeinsam essen – ein wichtiger Aspekt für ihr seelisches Wohlbefinden. Zwei ehemalige Klassenzimmer fungieren als Cafés und zum Kartenspielen, während die Turnhalle für Sportaktivitäten genutzt wird. Die Freiwilligen, die das Programm organisieren, sind sichtbar stolz auf ihre Arbeit – und konnten mit der Zeit sogar die Aufmerksamkeit der lokalen Verwaltung gewinnen, die das Projekt nun ebenfalls unterstützt.Wilhelm: Schools in remote areas of Japan: Challenges for youth, parents and community, in: Sustainability in Contemporary Rural Japan: Challenges and Opportunities, hg. v. S. Assmann, London 2015, S. 19–34. ↩︎

Als ich 2023 die „Wald-Tagespflege“ in Chizu besuchte, nahmen rund 17 Personen teil. Sie betonten vor allem den sozialen Aspekt der Veranstaltung: einen Ort zu haben, an dem man Menschen trifft, denen man im Alltag sonst nicht begegnet, an dem man sich unterhalten kann, sich zugehörig fühlt. In Japan wird dafür oft der Begriff „ibasho“ verwendet – ein Ort, an dem man sein darf, wie man ist.
Dass hier Verwaltung, freiwillige Helferinnen und Helfer sowie die Bewohnerschaft gemeinsam einen Ort des sozialen Austauschs schaffen, verkörpert genau das, was mit der Strategie der „gemeinschaftsbasierten integrierten Pflege“ erreicht werden soll: dass sich die gesamte Gemeinde umeinander kümmert. Die leerstehende Schule – mit ihrem ursprünglich vielseitigen Nutzungskonzept – scheint dafür besonders geeignet zu sein.

Wiederaufleben ehemaliger Gemeindezentren
Auch auf der Insel Kyūshū, unweit des Vulkans Aso, wurde ein Ort mit einem ähnlichen Ziel reaktiviert. Die Verwaltung der Stadt Takamori in der Präfektur Kumamoto regte an, dass Dorfgemeinschaften ihre Gemeindezentren (kōminkan) bei Bedarf renovieren lassen. Eine Voraussetzung für die Förderung war jedoch, dass sie sich dazu verpflichten, die Gebäude regelmäßig als kayoi no ba zu nutzen. Zentrales Element ist dabei das gemeinsame Boccia-Spiel, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten. Zusätzlich werden durch lokale Schulen entwickelte digitale Spiele angeboten und regionales Liedgut gesungen. Mehrere kleine Gemeinden der Region – oft mit nur einem Dutzend Haushalten – nahmen dieses Angebot an. Statt allein auf Bevölkerungswachstum zu setzen, wurden Orte geschaffen, an denen die – zwar schrumpfende, aber nach wie vor aktive – Bevölkerung soziale Kontakte pflegen kann, gerade in Zeiten, in denen traditionelle Nachbarschaften zunehmend verschwinden.
Die neue Ausrichtung des dörflichen Zusammenlebens unterscheidet sich deutlich von den vergangenen Jahrzehnten. Viele ältere Menschen berichten, dass es früher selbstverständlich war, als Ältere Teil des Dorflebens zu sein – einfach, weil mehrere Generationen unter einem Dach lebten. Einen besonderen Ort für ältere Menschen brauchte es damals nicht. Bemerkenswert ist, dass gerade jene Orte, die schon früher zentrale Säulen des dörflichen Zusammenhalts waren – Schulen und kōminkan – nun erneut mit Leben gefüllt werden. Nur diesmal sind es nicht mehr Kinder, die dort hingehen – sondern dieselben Menschen, 70 Jahre später, mit ganz neuen Bedürfnissen.
Wie die vorgestellten Beispiele zeigen, sind derartige Initiativen vom Engagement der Einwohnerschaft abhängig: Die Wald-Tagespflege geht als klassischer Bottom-up-Prozess gänzlich auf eine starke lokale Bürgerbewegung zurück. Das kayoi no ba-Programm in der Aso-Region wurde hingegen Top-down eingeführt. Doch auch hier wäre es ohne die Menschen vor Ort nicht gelungen, das Projekt zu einem festen Bestandteil des Gemeinschaftslebens zu machen.
Vom verlassenen Gebäude zum Gemeinschaftszentrum

von Jorge Almazán
Die Umnutzung verlassener Gebäude in lebendige soziale Treffpunkte lässt sich noch in weiteren Kleinstädten und ländlichen Regionen Japans beobachten. Im Folgenden sollen zwei Projekte vorgestellt werden. Klein im Maßstab und Budget, aber groß in der Wirkung, zeigen sie, wie durchdachte, funktionale Räume soziale Bindungen stärken, kulturellen Austausch fördern und den Menschen ermöglichen, sich mit ihrer Umgebung zu vernetzen.
Sake-Lagerhaus: Vom Verfall zum lokalen Treffpunkt
Beim ersten Projekt handelt es sich um die Transformation eines traditionellen japanischen Lagerhauses, einem kura, in ein Gebäude für die Gemeinschaft. Es befindet sich in Ichikawamisatochō, einer Kleinstadt in der Präfektur Yamanashi, und war einst Teil einer nun niedergelegten Sake-Brauerei. Das Hauptgebäude grenzt an eine Einkaufsstraße, das Lagerhaus liegt in einer rückwärtigen Gasse. Es ist das letzte verbliebene Fragment einer längeren Lagerhauszeile, die größtenteils wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Was übrig blieb, war stark beschädigt und hinterließ eine strukturlos wirkende urbane Leerstelle ohne Aufenthaltsqualität.

Das erhaltene Lagerhaus und der umgebende Raum sollten als öffentlich zugängliche Fläche für die Gemeinde neu gedacht werden. Nach mehreren Monaten gemeinsamer Workshops mit einer lokalen Bürgerinitiative stand das Konzept eines vielseitig nutzbaren Gemeinschaftsraums: für Ausstellungen, Treffen, Konferenzen und Aufführungen.
Neben klassischen Instandsetzungsmaßnahmen der Wände und des Dachs, bei denen möglichst viele originale Dachziegel wiederverwendet wurden, wurde beim Umbau Wert auf traditionelle japanische Materialien und Elemente gelegt – jedoch mit zeitgemäßen Formen und Funktionen. Beispielsweise wurden hölzerne Paneele am unteren Wandbereich angebracht, wie man es häufig bei historischen japanischen Lagerhäusern findet. Neue Lichtsysteme wurden installiert: Schienen für Spotlights sowie Beleuchtungselemente zur nächtlichen Inszenierung der Dachkonstruktion. Auch das Außengelände wurde umgestaltet: Ein öffentlicher Weg verbindet nun die Einkaufsstraße mit der Gasse hinter dem Gebäude. Besuchende können durch einen kleinen Garten spazieren – auf Trittsteinen aus Beton, die an traditionelle japanische Gärten erinnern.
Besonderes Augenmerk lag auf einer Freifläche westlich des Lagerhauses, der nun als kleiner Platz konzipiert wurde – mit einer Bühne, die sowohl von innen als auch von außen bespielt werden kann. Um eine harmonische Verbindung zu schaffen, wurde sie aus demselben Holz und in derselben Höhe gefertigt wie die Wandverkleidung.

Das Projekt trägt zur Schaffung eines neuen öffentlichen Raums in einer Innenstadt bei, die von zunehmendem Verfall geprägt war – an einem Ort, an dem das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gekommen war. Durch die gestalterische Neuinterpretation traditioneller Bauelemente entsteht eine Verbindung zwischen historischem Bestand und zeitgenössischer Architektur.
Ōta Art Garden: Verlassenes Lagerhaus wird zu Kunstort
In der Industriestadt Ōta (Präfektur Gunma) standen über Jahre hinweg mehrere Häuser und Reislager leer. Wie vielerorts in der japanischen Provinz hätte ihr Schicksal Abriss und der Bau austauschbarer Fertighäuser sein können, wie sie das Gesicht ländlicher Gegenden zunehmend vereinheitlichen. Doch der Besitzer, ein Kreativdirektor in der Werbebranche, wollte dem Gelände neues Leben einhauchen. Gemeinsam entwickelten wir eine Vision, bei der Kunst und Kreativität im Mittelpunkt stehen sollten. Zwei Häuser und drei Lagerhäuser wurden renoviert und zu Orten für Ausstellungen und künstlerisches Arbeiten umgestaltet.

Das Gelände liegt direkt gegenüber dem Bahnhof Niragawa. Im Gegensatz zu vielen anderen ländlichen Städten schrumpft die Bevölkerung hier nicht – die Industrie zieht im Gegenteil sogar neue Bewohner an. Dennoch schreitet die Suburbanisierung voran: Die Stadt wird zunehmend zu einer autoabhängigen Schlafstadt. Das Bahnhofsviertel, früher attraktiv und zentral, verfällt – während neue Wohngebiete an den Stadträndern entstehen, mit direktem Zugang zu Schnellstraßen und Malls, die die Einkaufsstraße (shōtengai) verwaisen ließen. Wo einst Leben war, dominieren heute Parkplätze – ein asphaltiertes Niemandsland.
Das Gebäude direkt gegenüber dem Bahnhof wurde zur Ausstellungsgalerie umgebaut, das zentral gelegene Haus dient heute als Wohnraum für Künstlerinnen und Künstler sowie Studierende. Die ehemaligen Lagerhäuser auf dem Gelände wurden in Werkstätten verwandelt – Orte, an denen Produktion, Austausch und Alltag aufeinandertreffen.

Um einen neuen, lebendigen Ort inmitten von Ōtas zunehmend verfallender Innenstadt zu schaffen, wurden ungenutzte Gebäude abgerissen und so Platz für Grünflächen gemacht. Das Ziel war ein Kunstgarten, der nicht nur künstlerische Interventionen ermöglicht, sondern auch neue Begegnungsräume eröffnet. Parkplätze wurden aus dem sichtbaren Vorderbereich hinter die Gebäude verlegt. Auch baulich wurde der Ort geöffnet: Rollläden und Betonmauern, die das Grundstück zuvor abschotteten, wichen einer langen Sitzbank mit Überdachung zur Bahnhofseite hin. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Element, das Vorübergehende einlädt, sich zu setzen, ins Gespräch zu kommen – und vielleicht ganz nebenbei den Kunstgarten zu entdecken.
Wo früher Asphaltflächen dominierten, sorgen heute Pflanzen, Schatten und durchdachte Gestaltung für ein angenehmeres Mikroklima, das der Sommerhitze in Ōta spürbar entgegenwirkt. Nachhaltigkeit spielte bei der Umsetzung eine zentrale Rolle: Holzbauteile, Fenster, Türen und Latten wurden wiederverwendet, alte Paletten aus den Lagerhäusern fanden als Zäune und Terrassen neue Aufgaben, Dachziegel, Beton- und Natursteine kamen als Bodenbelag erneut zum Einsatz.
In einer Zeit, in der viele ländliche Freiräume Japans zu klimatisierten Transitorten zwischen Parkplatz und Einkaufszentrum verkommen, setzt der Ōta Art Garden einen anderen Impuls: Er entwirft ein Zukunftsbild, in dem Grünräume wieder Orte des sozialen Lebens werden, das Bestehende behutsam weitergedacht wird – und Kunst zum Auslöser für urbane Erneuerung.

Ein semiprivater Gemeinschaftsort in einem Wohngebiet
von Sano Satoshi
Kankyu-tei war ursprünglich ein 80,4 Quadratmeter großes, zweigeschossiges Holzhaus, gebaut 1964 für den Dichter Oyama Masataka, entworfen vom japanischen Architekten Ikuta Tsutomu (1912 – 1980). Es hat seither eine Wandlung durchlaufen. Nach zwei früheren räumlichen Erweiterungen in den Jahren 1976 und 1980 initiierte der heutige Eigentümer – Oyamas Sohn – 2010 ein neues Umbau- und Erweiterungsprojekt. Er bat ein Architektenteam, darunter den Verfasser, um die Planung unter anderem eines freistehenden Anbaus, der sowohl alltägliche Wohnraumerweiterung als auch halböffentlicher Treffpunkt für die Nachbarschaft sein sollte – ein Ort für Literatursalons, Nachbarschaftscafés und Gruppentreffen.

Der Entschluss zur Sanierung von Kankyu-tei hatte viel mit einem Lebensübergang zu tun: Der Eigentümer trat in den Ruhestand und suchte nach einer neuen sozialen Rolle. Gleichzeitig erfuhr er, wie viele Menschen in dieser Phase, dass er für die Zukunft neue Netzwerke aufbauen muss. Die Umgestaltung sollte daher nicht nur das Gebäude erneuern, sondern auch das nachbarschaftliche Miteinander beleben – für den Eigentümer, seine Frau und seine fast 90-jährige Mutter, die bis dahin allein im Haus gelebt hatte. Dabei wurde deutlich, wie eng Kultur, Gemeinschaft und Lebensqualität zusammenhängen.
Von Beginn an folgte das Design drei Grundprinzipien: Es sollte als Salon funktionieren, erdbebensicher sein und Ikutas architektonisches Erbe respektieren. Um Eingriffe in den Altbau gering zu halten, wurde eine freistehende Erweiterung gewählt. Der Anbau musste innerhalb der zulässigen Grundfläche von knapp 17 Quadratmetern ein Wohnzimmer, WC und Stauraum aufnehmen. Das Konzept setzte auf zwei Arten von Offenheit: visuelle Transparenz und physische Durchlässigkeit. Zur Straße hin sorgen Glaswände für den Blick nach draußen, und die Schiebetüren lassen sich vollständig öffnen, sodass Innen- und Außenraum ineinanderfließen. Brandschutzauflagen im Brandpräventionsgebiet machten dies knifflig: Eine massive Betonwand zur Nachbargrenze schuf den nötigen Schutz, während die übrigen Fassaden mit Holzrahmen und Glas gestaltet werden konnten. Holzträger wurden in Stahlkonsolen verankert, die in der Betonwand eingelassen sind – so blieb die Konstruktion schlank und offen. Nur drei dezente Stahlstützen tragen zusätzliche Lasten, ohne den Raumfluss zu stören.
Kleine Architektur als Gemeinschaftsort
Nach der Fertigstellung 2012 entfaltete der Anbau schnell seine soziale Wirkung. Der Raum wurde zu einem halböffentlichen Treffpunkt – ein privates Haus, das wie ein kleines Nachbarschaftszentrum funktionierte. Kankyu-tei zeigt, wie Architektur eine Brücke zwischen Privatheit und Öffentlichkeit schlagen kann – und wie solch kleine Orte gerade in dichten Städten Gemeinschaft fördern und Lebensqualität steigern können.


Dr. Marco Capitanio wurde in Italien geboren und studierte Architektur und Städtebau in der Schweiz, Deutschland, China und Japan. Er promovierte an der Keio-Universität. Seit 2015 lebt er in Japan und arbeitet seit mehreren Jahren in führenden Architektur- und Bauunternehmen in Tokio an Projekten unterschiedlicher Maßstäbe.
Prof. Dr. Ami Ogawa ist Senior Assistant Professor am Department of System Design Engineering der Fakultät für Natur- und Ingenieurwissenschaften an der Keio-Universität in Japan. Dort promovierte sie zuvor auch im Fach Ingenieurwissenschaften. Ihre Fachgebiete sind Architekturtechnik, Wohnungsbau und Pflege- / Wohlfahrtsplanung.
Dr. Sebastian Polak-Rottmann ist Sozialwissenschaftler und Senior Research Fellow am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ Tokio). 2022 promovierte er an der Universität Wien (Japanologie) zu Wohlbefinden und politischer Teilhabe in der Region Aso im Süden Japans. Am DIJ führt er qualitative Feldforschung in drei ländlichen Regionen Japans durch, mit Schwerpunkt auf lokaler Sorgearbeit und Orten der Resilienz.
Prof. Dr. Jorge Almazán ist Architekt in Tokio und Professor an der Keio-Universität. Er studierte Architektur in Madrid und promovierte am Tokyo Institute of Technology. Seine Praxis widmet sich ökologisch verantwortungsvollem und sozial inklusivem Design – vom Städtebau bis zum Innenraum. 2021 erschien seine Publikation Emergent Tokyo: Designing the Spontaneous City.
Prof. Sano Satoshi ist japanischer Architekt und Mitbegründer des Architekturbüros Eureka mit Sitz in Tokio. Er ist Senior Assistant Professor an der Keio-Universität. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen das Dragon Court Village (2013), das Eagle Woods House (2017) und das Blue Box Office (2023).
Aus dem Englischen übersetzt von Elina Potratz und Theresa Jeroch.
- M. Capitanio: ISCN Global Mixer – Livability in the Age of Shrinkage: Showcasing Urban Design and Planning Strategies from Japan 2024, online: https://www.smart-city-dialog.de/en/latest/events/iscn-global-mixer-livability-age-shrinkage-showcasing-urban-design-and-planning. ↩︎
- T. Sekihara, R. McCarthy: Kuni. A Japanese Vision and Practice for Urban-Rural Reconnection, North Atlantic Books 2022. ↩︎
- M. Capitanio, S. Sintusingha: From paddy fields to sustainable town in four decades: tight integration of urban planning and place management in Yukarigaoka, Japan, Journal of Architecture and Urbanism, 45 (2021), 2, S. 183 – 194. ↩︎
- WHO, https://data.who.int/countries/ (20.07.2025). ↩︎
- Cabinet Office, Government of Japan, Annual Report on the Ageing Society FY 2019. ↩︎
- A. Ogawa, et al.: Markerless Knee Joint Position Measurement Using Depth Data during Stair Walking, Sensors 17 (2017), 11, S. 2698. ↩︎
- A. Ogawa, et al.: Identification of Early Knee Osteoarthritis Based on Knee Joint Trajectory during Stair Climbing, IJERPH 22 (2022), 19, S. 15023. ↩︎
- A. Ogawa, et al.: Staircase Design for Health Monitoring in Elderly People, J. Build. Eng. 37 (2021), S. 102152. ↩︎
- T. Nozaki, A. Ogawa: Application of Contact Information to Rehabilitation, Jpn. J. Rehabil. Med. 60 (2023), 11, S. 966–973. ↩︎
- Gagné: Mapping The Local Economy Of Care, in: Rethinking Locality in Japan, hg. v. S. Ganseforth and H. Jentzsch. London 2021, S. 102–116. ↩︎
- Y. Hatano, et al.: The Vanguard of Community-based Integrated Care in Japan. The Effect of a Rural Town on National Policy, in: International Journal of Integrated Care, 17 (2017), 2, S. 1–9. ↩︎
- N. Okada: Rethinking Japan’s depopulation problem. Reflecting on over 30 years of research with Chizu Town, Tottori Prefecture and the potential of SMART Governance, in: Contemporary Japan, 34 (2022), 2, S. 210–227. ↩︎
- Wilhelm: Schools in remote areas of Japan: Challenges for youth, parents and community, in: Sustainability in Contemporary Rural Japan: Challenges and Opportunities, hg. v. S. Assmann, London 2015, S. 19–34. ↩︎











