Amal­ga­miertes Ensemble

Stutt­garter Hospi­tal­kirche von LRO saniert

Nachdem Lederer Ragnars­dóttir Oei Archi­tekten (LRO) bereits den Neubau des Stutt­garter Hospi­tal­hofs reali­sieren konnten, wurde der Entwurf des Büros zur Sanierung der angren­zenden Hospi­tal­kirche 2009 ebenfalls mit dem ersten Preis ausge­zeichnet. Im Wett­be­werb ausge­schrie­benes Ziel war es – neben der tech­ni­schen Ertüch­ti­gung der in die Jahre gekom­menen Kirche –, den Bau flexibler nutzbar zu machen und das Gesamt­ensemble als „städ­te­bau­lich heraus­ra­genden Ort (zu) quali­fi­zieren“. Nach dem Kirchentag 2015 wurde mit dem Bau begonnen, der eine Archi­tektur schaffen sollte, die aktuellen wie künftigen Funk­tionen von Kirche ange­messen ist.

Seit Februar ist die Sanierung abge­schlossen und das Gebäu­de­ge­füge zwischen Theodor-Heuss- und Schloß­straße in der Stutt­garter Innen­stadt ist wieder als Ganzes erfahrbar. Die Ursprünge der Kirche gehen auf einen Klos­terbau von 1473 zurück, der im Zuge der Refor­ma­tion ab 1536 zu einem Hospital umge­widmet wurde – was den Häusern ihren bis heute gültigen Namen einbrachte. Wie nahezu alle umlie­genden Gebäude wurde auch die Kirche 1944 fast voll­ständig zerstört. Der Chor wurde wieder aufgebaut, die Südwand des Lang­hauses blieb als Denk- und Mahnmal stehen. Auf den Grund­mauern des Klosters entstand in der Folge ein evan­ge­li­sches Verwal­tungs- und Begeg­nungs­zen­trum, wo 1979 das Bildungs­zen­trum Hospi­talhof ins Leben gerufen wurde, für das der 2014 fertig­ge­stellte Neubau errichtet wurde.

Die Gestal­tung der Kirche aus den 1950er Jahren wurde von Arno Lederer, Jórunn Ragnars­dóttir, Marc Oei und ihrem Team in weiten Teilen zurück­ge­nommen, dafür aber das ursprüng­lich spät­go­ti­sche Bild des Ensembles wieder in den Vorder­grund gerückt. Durch die Entfer­nung der bisher eng stehenden, starren Kirchen­bänke ist es gelungen, dem Kirchen­raum Flexi­bi­lität zwischen Gottes­diensten, Kultur, Bildung und expe­ri­men­teller Spiri­tua­lität zu geben. Neben den klas­si­schen Predigt-Gottes­diensten wird der Raum von der Würt­tem­ber­gi­schen Landes­synode, dem Kirchen­kreis, diako­ni­schen und sozialen Einrich­tungen ebenso genutzt wie als Gottes­dienstort der evan­ge­li­schen Jugend in Stuttgart und der benach­barten Johannes-Brenz-Grund­schule. Statt der Bänke sind einfache, schön gezeich­nete Stühle in den wieder herge­rich­teten Gottes­dienstraum gestellt, die den Anfor­de­rungen an Offenheit und litur­gi­sche Flexi­bi­lität deutlich besser gerecht werden als die alten Bänke.

Bereits beim Entwurf des Hospi­tal­hofs hatten die Archi­tekten auf den Grundriss des ehema­ligen Lang­hauses der Kirche reagiert und schlanke Bäume an die ehema­ligen Standorte der Kirchen­pfeiler gepflanzt. Der Gedanke war, zwischen dem Innen-und Außenraum eine Sicht­be­zie­hung herzu­stellen, um die Verbin­dung von Langhaus und Chor an dieser Stelle in Erin­ne­rung zu rufen. Durch einen vorla­gerten Eingangs­bau­körper an der West­fas­sade ist nun ein neuer zentraler Eingangs­be­reich entstanden, der, so die Hoffnung der Archi­tekten, „Trans­pa­renz und Öffnung des Kirch­raums zum Innenhof des Hospi­tal­hofs“ schafft. In Teilen geht das sicher bereits jetzt auf, es wird sich im Laufe der Zeit aber vor allem in der bespielten Praxis zeigen. Der Innenraum ist durch einen deutlich höheren Licht­ein­fall in jedem Fall deutlich aufge­wertet.

David Kasparek

Sanierung der Hospi­tal­kirche Stuttgart
Archi­tekten: Lederer Ragnars­dóttir Oei Archi­tekten, Stuttgart
Projekt­leiter: Johannes Steiner
Bauherr: Evan­ge­li­sche Gesamt­kir­chen­ge­meinde, Stuttgart
Wett­be­werb: 2009
Planungs­be­ginn: 08/2011
Baubeginn: 11/2015
Fertig­stel­lung: 02/2017
BGF: 700 m2
NF: 355 m2
BRI: 6.460 m3
Standort: Büch­sen­straße 33, 70174 Stuttgart
Fotos: Roland Halbe