American Star

Wieder­eröff­nung des C/O Berlin

Im Mittel­punkt der Pres­se­kon­fe­renz im C/O Berlin, dem Ausstel­lungs­haus für Foto­grafie, das nach zwei Jahren Zwangs­pause am 30. Oktober wieder­eröffnet wird, stehen nicht etwa nur die Exponate. Der Star – mindes­tens für die nächsten 21 Jahre – ist der Ort selbst: das Amerika Haus an der Harden­berg­straße, nah am Berliner Zoo und im Herzen des „alten“ West­berlin.

Es wird geschafft bis zum Schluss: Die letzten Meter Rollrasen werden verlegt, Fenster geputzt, die Steine fest­ge­rüt­telt, der Mörtel ist noch feucht. Kurz vor Beginn der Medi­en­zu­sam­men­kunft erst werden die Bauzäune vor dem Eingang zur Seite geräumt und auch drinnen sind noch Spuren des Ausstel­lungs­auf­baus zu sehen – Zettel mit Beschrif­tungen kleben an der Wand, Leiter stehen noch an der Wand, Pläne liegen aus. Es ist eine geschäftig-angeregte Stimmung und dabei keine Spur von schlecht gelauntem Endspurtstress. Im Gegenteil, die Begrüßung des Foto­grafen und Grün­dungs­mit­glieds Stephan Erfurt ist geradezu eupho­risch: „Wir haben uns verliebt in dieses Haus“, verkündet er. Und ist ganz gerührt ob der über­großen Anteil­nahme der Öffent­lich­keit an dieser Wieder­eröff­nung. Dazu tragen natürlich auch die mensch­li­chen Stars bei: Der betagte Ameri­kaner Will McBride, dem das Haus eine der vier neuen Ausstel­lungen widmet, ist angereist, ebenso wie die renom­mierten Magnum-Foto­grafen Elliott Erwitt und Thomas Hoepker.

Eröffnung C/O Berlin, Foto: Juliane Richter

Das Amerika Haus wurde 1956/57 im Rahmen der Inter­na­tio­nalen Bauaus­stel­lung nach einem Entwurf von SOM Archi­tects durch Bruno Grimmeck reali­siert. Im Bau sollte sich damals die demo­kra­ti­sche Verfasst­heit des namens­ge­benden Landes und der noch jungen Bundes­re­pu­blik wider­spie­geln – Offenheit und Trans­pa­renz galten als Metapher für die neue Gesell­schafts­ord­nung. Das Gebäude war kultu­relle Begeg­nungs­stätte und ideo­lo­gi­sches Propa­gan­da­in­stru­ment und spiegelte in den Jahr­zehnten die Bezie­hungen der beiden Länder in ihrer ganzen Wider­sprüch­lich­keit. Es wurde 2006, zwei Jahre vor der Eröffnung des neuen Botschafts­ge­bäudes der Verei­nigten Staaten am Bran­den­burger Tor, dem Land Berlin übergeben, das dem C/O nun 21 Jahre Nutzungs­recht einräumte und somit zumindest vorerst ein Ende des Noma­den­tums für das Ausstel­lungs­team einläutet. Zuvor war das C/O, das die örtliche Unge­bun­den­heit bereits im Namen trägt, in einer Gießerei in der Lini­en­straße und im alten Post­fuhramt in Mitte ansässig.

Das denk­mal­ge­schützte Amerika Haus in Char­lot­ten­burg nun war in den Jahren der Nutzung stark verändert worden und musste von mvpro­jekte (Köln) mit Wolfgang Zeh in Zusam­men­ar­beit mit Petra und Paul Kahlfeldt Archi­tekten regel­recht wach geküsst werden: Das Gestrüpp, das den Eingang fast versteckte, ist entfernt worden und eine einla­dende Offenheit ist zurück­ge­kehrt. Im Foyer ist der edle Sollnho­fener Bruch­stein, der unter Teppich verborgen war, wieder sichtbar, ebenso wie die Beton-Rippen­de­cken und der terra­kot­ta­far­bene Klinker, die zum Teil durch Rigips­wände verdeckt waren. Das Haus hat seine Sicht­achsen und seine filigrane Leich­tig­keit zurück­er­halten, sowie ein neues Café und einen Buchladen dazu bekommen. Hierzu mussten die Archi­tek­tinnen und Archi­tekten den Spagat zwischen der Trans­pa­renz des Hauses und den Erfor­der­nissen eines Ausstel­lungs­hauses nach Geschlos­sen­heit meistern – und dabei den Brand­schutz, die Klima- und Siche­rungs­technik auf den neusten Stand bringen, um auch anspruchs­volle Leihgeber zu über­zeugen. Die Ausstel­lungs­räume wirken zwar flacher und verwin­kelter, insbe­son­dere, wenn man das vorherige Domizil des C/O vor Augen hat. Mit 2300 Quadrat­me­tern Ausstel­lungs­fläche ist es aber rund 20 Prozent größer als im vorigen Post­fuhramt. Der Genius Loci wird durch eine Schau zu Ehren Will McBrides unter­stützt, die Fotos aus den fünfziger Jahren in West­berlin zeigt. In den Trümmern sehen wir immer wieder ausge­lassen feiernde Jugend­liche, die sich von der Schwere des Krieges befreien wollen. Es ist der Geist des Neube­ginns, der hier weht und sich mit der Aufbruch­stim­mung im Amerika Haus kongenial vermischt.
Juliane Richter

C/O Berlin: Grand Opening
30. Oktober 2014, ab 16 Uhr

Ausstel­lungen:
Magnum. Contact Sheets. The Photo­graphers‘ Choice
Will McBride. Ich war verliebt in diese Stadt
Picture Yourself. Im Foto­au­to­maten mit Magnum
Arbeit am Mythos. Talents 30. Luise Schröder / Hannah Peterson
bis 16. Januar 2015
Öffnungs­zeiten: täglich 11.00–20.00 Uhr
Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 5 Euro

Amerika Haus
Harden­bergstr. 22–24
10623 Berlin

Fotos: David von Becker, Juliane Richter

Eröffnung C/O Berlin, Foto: Juliane Richter