Andreas Brandt (1937–2014)

persön­li­ches

Andreas Brandt ist am 17. September im Alter von 77 Jahren in Berlin verstorben. In den letzten Jahren war es ruhig um ihn geworden, er widmete sich fast ausschließ­lich seinen geliebten, wunder­schönen, Zeich­nungen. Andreas Brandt war auf eine sehr stille Art ein ziel­stre­biger Herum­treiber, den seine Leiden­schaften – das Zeichnen, Asien und die dortigen Wohn- und Lebens­formen, überhaupt fremde Kulturen und deren Bauten – in sehr ferne Orte auf der ganzen  Welt getragen haben. Unver­gess­lich und gern erinnert sind die vielen Geschichten, Bilder, Einsichten, Anmer­kungen, die er von dort mitge­bracht hat, erzählt mit fein­sin­nigem leisen Humor, bei einem Gläschen Tee oder Wein.

Andreas Brandt wurde 1937 in Bremen geboren, studierte von 1958 bis 1960 Hochbau an der Inge­nieur­schule Bremen und von 1961 bis 1964 Archi­tektur an der Kunst­aka­demie Düssel­dorf. Nach seiner Mitglied­schaft in der SAL-Planungs­gruppe (Münster/​Berlin) 1967 eröffnete er 1968 ein eigenes Büro in Berlin, das er ab 1978 in Part­ner­schaft mit Rudolf Böttcher (†2013) )unter dem Namen Brandt und Böttcher betrieb. Zu den wichtigen Bauten zählen unter anderen die Stadt­halle Unna (1973–1978), die Wohn­be­bauung am Luisen­platz, Berlin (1983–1987 im Rahmen der IBA 1984 erbaut), der Versuchs­bahnhof der Berliner Magnet­schwe­be­bahn (1988, in Part­ner­schaft mit Yadegar Asisi), der ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelms­höhe (1990–1991, 1993 mit dem Award Brunel ausge­zeichnet), eine Grund­schule in Berlin-Neukölln (1993), das Stadt­teil­zen­trum Hellers­dorf (1994) und ein Loft­ausbau auf der Giudecca in Venedig.

1971 in den BDA Berlin berufen, enga­gierte sich Andreas Brandt zwischen 1976 und 1982 sowie 1985–1986 in den BDA-Berlin-Vorständen von Fritz Bornemann und Günther Span­gen­berg. Hier galt sein Interesse vor allem der Stadt­ent­wick­lung, das entspre­chende BDA-Referat leitete er über mehrere Jahre. Auch im Redak­ti­ons­beirat der BDA-Zeit­schrift der architekt war er ab 1985 für einige Jahre Mitglied.

Andreas Brandt war mehr als 40 Jahre lang als Architekt und Hoch­schul­lehrer im In- und Ausland tätig. Schon ab 1967 beklei­dete er verschie­dene Gast­pro­fes­suren und Lehr­auf­träge, unter anderen an der Univer­sity of Cali­fornia in Berkeley/​USA, der Kunst­aka­demie Düssel­dorf, der Gesamt­hoch­schule Kassel, der Hoch­schule der Künste Berlin (heute UdK) und der Yale University/​USA. Von 1991 bis 2002 lehrte er als ordent­li­cher Professor für Entwerfen und Gebäu­de­kunde an der TU Darmstadt.
Nach seiner Emeri­tie­rung über­sie­delte er für mehrere Jahre nach Venedig und unternahm zahl­reiche Studi­en­reisen in die Hima­la­ya­re­gion und in die Mongolei. In den letzten Jahren lebte Andreas Brandt wieder in Berlin, wo er sich vor allem ethno­lo­gi­schen und ethno­gra­fi­schen Gebäu­de­stu­dien zur Hima­la­ya­re­gion widmete und auch als Fach­preis­richter tätig war. Sein in den letzten Jahren entstan­denes umfang­rei­ches zeich­ne­ri­sches Werk wurde 2011 im Strecker-Museum Osnabrück und in der Archi­tek­tur­ga­lerie München gezeigt und in dem viel beach­teten Buch Haus und Land­schaft in Asien (siehe: der architekt 3/11, S.12–13) gewürdigt.

Alice Sárosi/​Red.

Die Abbil­dungen entnehmen wir dem wunder­baren Buch Haus und Land­schaft in Asien: Andreas Brandt: Haus und Land­schaft in Asien, 200 S., 89 farb. Zeich­nungen und zahl­reiche Foto­gra­fien, Leinen mit Schutz­um­schlag, 128,– Euro, Alpheus Verlag, Berlin 2011, ISBN 978–3‑9811214–5‑2