Archi­tektur als soziales Netzwerk

homestory: Norbert Post

Foto: Archiv Post • Welters

In allen Lebens­phasen wird unsere Lebens­qua­lität von Begeg­nungen und Bezie­hungen zu anderen Menschen geprägt, von gegen­sei­tiger Wahr­neh­mung sowie selbst­be­stimmter Nähe und Distanz. Die gebaute Umwelt hat darauf erheb­li­chen Einfluss. Das Internet stellt nun unserer Gesell­schaft neue Möglich­keiten der Bezie­hungs­pflege durch virtuelle Netzwerke wie Facebook, google+ und XING zur Verfügung. Ersetzt die virtuelle Bezie­hungs­welt das urbane Zusam­men­leben?

Nein, es fehlt die Verwirk­li­chung. Quali­tät­volle Wohn­bauten und ‑quartiere sind die Bühne für mensch­liche Begeg­nungen. Der gut geplante Wohn- und Städtebau ermög­licht und fördert reale soziale Netzwerke. Wohn­pro­jekte werden zur sozialen Allmende, in denen die Bewohner nicht nur eine Behausung finden sondern einen Begeg­nungs­raum.

Vergleichbar mit der Program­mie­rung digitaler Netzwerke analy­sieren wir als Archi­tekten mit den Bewohnern das Benut­zer­profil und defi­nieren daraus im Dialog die gewünschten Benut­zer­schnitt­stellen zwischen Indi­vi­dua­lität und Gemein­schaft, Begegnung und Rückzug, privatem und öffent­li­chem Raum.

Zunehmend erkennen insbe­son­dere Bauge­mein­schaften und Bauge­nos­sen­schaften das Potential und den Wert realer sozialer Netzwerke durch Archi­tektur. Als Mitglied in einem Wohn­pro­jekt und Architekt teile und fördere ich selbst diese Auffas­sung.

 Dipl.-Ing. Norbert Post, Architekt BDA, studierte Archi­tektur an der RWTH Aachen. Seit 1987 ist er als frei­schaf­fender Architekt und Stadt­planer tätig, seit 1990 in Büro­part­ner­schaft mit Hartmut Welters als Post • Welters Archi­tekten. Norbert Post wohnt und arbeitet in Dortmund und Köln.