Diskre­panzen und Berüh­rungs­punkte

Konferenz an der TU Berlin

Die Konferenz „Think. Design. Build. Archi­tec­tural Matters“ am 2. und 3. Juni, vom  Institut für Archi­tektur der TU Berlin ausge­richtet, schien in ihrer Ankün­di­gung wie ein Rund­um­schlag der deutschen und inter­na­tio­nalen Archi­tek­tur­szene. 15 Refe­renten, darunter Nader Tehrani, Kurt Forster, Spyros Papa­pe­tros und Elli Mosayebi, sowie sechs Mode­ra­toren, 16 Dokto­randen aus diversen Ländern und eine Keynote Lecture von Toyo Ito – und das alles in nur zwei Tagen.

Der erste Tag begann mit dem Panel „think“ und fünf sehr unter­schied­li­chen Themen. Spyros Papa­pe­tros refe­rierte über Gottfried Sempers Unter­su­chungen der Form von Wurf­ge­schossen und der politisch einher­ge­henden Dimension der Gestal­tung. Tina di Carlo stellte die Ausstel­lung „Decon­s­truc­ti­vist Archi­tec­ture“ im MoMA vor und zeigte, in wie vielen Medien eine Idee Einkehr finden kann. Den Abschluss vollzog Kurt Forster mit einer Anklage an die Sprache als kreatives Gefängnis und warum Hans Scharouns Berliner Phil­har­monie nicht in Worten zu beschreiben ist. In der anschlie­ßenden Diskus­sion, mit einer halben Stunde deutlich zu kurz, wurde dann debat­tiert, was Sprache für die Archi­tektur tun kann.

Prof. Jörg Gleiter eröffnet die Konferenz, Foto:
Prof. Jörg Gleiter eröffnet die Konferenz, Foto: IfA TU Berlin
Erste Diskussionsrunde mit Rainer Hehl, Kurt W. Forster, Tina di Carlo, Jörg Gleiter, Tom Avermaete und Spyros Papapetros und Susanne Hauser, Foto: TU Berlin
Erste Diskus­si­ons­runde mit Rainer Hehl, Kurt W. Forster, Tina di Carlo, Jörg Gleiter, Tom Avermaete, Spyros Papa­pe­tros und Susanne Hauser, Foto: IfA TU Berlin

Das zweite Panel „design“ beleuch­tete das Thema Kommu­ni­ka­tion von Archi­tektur, sowohl in der Gesell­schaft als auch im Kontakt mit dem Auftrag­geber. Wie geht man im Entwurf mit dem „schönen Schein“ moderner Darstel­lungen um? Der von Jacob van Rijs einge­brachte „Happy“-Filter, eine Art von Archi­tek­tur­dar­stel­lung, die jedes Projekt im besten, wenn auch nicht immer korrekten Licht zeigt, tauchte hier nicht nur einmal auf. Das Panel endete in einer hitzigen Diskus­sion über eine Frage aus dem Publikum: Mit wie viel Margi­na­li­sie­rung der Profes­sion, besonders auch der Gestal­tung des öffent­li­chen Raums, muss der Architekt umgehen und ab wann mehr fordern, anstatt mit schönen Bildern folgen und mogeln? Vor allem Pier Paolo Tambu­relli vom Mailänder Archi­tek­tur­büro baukuh forderte ein stärkeres Auftreten im Kampf um den öffent­li­chen Raum. Archi­tektur sei immerhin die letzte Profes­sion, die sich nicht nur in das Private zurück­ziehen könne.

Forum der Architekturfakultät, Foto: Robert Bauer
Forum der Archi­tek­tur­fa­kultät, Foto: Robert Bauer
Ralf Pasel und Ilka Ruby moderieren das zweite Panel, Foto: Robert Bauer
Ralf Pasel und Ilka Ruby mode­rieren das zweite Panel, Foto: Robert Bauer

Der Vormittag des zweiten Tags war für die Dokto­randen der Profes­sion und die, die es einmal werden wollen, bestimmt. In kleineren Gruppen hatten sie die Möglich­keit, ihre Arbeit zwei bis drei geladenen Fach­per­sonen vorzu­stellen und ihren Ansatz zu vertei­digen. Am Nach­mittag folgte die letzte Vortrags­runde im Panel „build“, die gleich­zeitig auch die umfas­sendste und kohä­ren­teste war. Viel­leicht lag es an Rednern wie Finn Geipel oder Esa  Ruskeepää, oder auch daran, dass „bauen“ immer noch das ange­strebte Ziel der meisten Archi­tekten ist. Beginnend bei den theo­re­ti­schen Ansätzen und Entwurfs­stra­te­gien lag der Fokus auf dem Gebauten und somit dem Ergebnis all der Arbeit. Die Über­set­zung in das Gebäude war es, was alle Redner vereinte. Elli Mosayebi stellte das Projekt „Wohn­bauten Steinwies-/Iris­strasse“ in Zürich Hottingen vor und sprach über den realen und gedachten Kontext. Donatella Fioretti fand in ihren Projekten Mittel­punkt­bi­blio­thek Berlin Köpenick und der Betriebs­zen­trale des Gott­hard­ba­sis­tun­nels ihre „konzep­tu­elle Konsis­tenz“. Louisa Hutton dagegen sieht in den Begeg­nungen mit dem Raum unsere Veran­ke­rung in der realen Welt.

Abschluss der Konferenz war am Frei­tag­abend die Keynote Lecture von Toyo Ito. Seine Vorstel­lung des National Taichung Theaters und des Gifu Media Cosmos setzte noch ein berech­tigtes Frage­zei­chen hinter die Themen der Konferenz. Trotz großer Inter­na­tio­na­lität verblieb der Blick doch auf dem euro­pä­isch-ameri­ka­ni­schen Kultur­kon­text. Wie unter­schied­lich das Verständnis von Archi­tektur sein kann, zeigt am deut­lichsten der Vergleich mit einem völlig anderen, in dem Fall japa­ni­schen Kultur­raum. Gebäude und  Heran­ge­hens­weise an den Entwurf zeigen dort eine andere Methode, mit dem öffent­li­chen Raum umzugehen – und welche Rolle die Natur dabei spielen sollte.

Robert Bauer

Keynote Lecture von Toyo Ito, Foto: Robert Bauer
Keynote Lecture von Toyo Ito, Foto: Robert Bauer

Think. Design. Build. Archi­tec­tural Matters
Inter­na­tio­nale Konferenz
Instituts für Archi­tektur der TU Berlin
2. bis 3. Juni 2016
think​de​sign​build​.archi​tektur​.tu​-berlin​.de

 

Prof. Jörg Gleiter eröffnet die Konferenz, Foto:
Prof. Jörg Gleiter eröffnet die Konferenz, Foto: IfA TU Berlin
Erste Diskussionsrunde mit Rainer Hehl, Kurt W. Forster, Tina di Carlo, Jörg Gleiter, Tom Avermaete und Spyros Papapetros und Susanne Hauser, Foto: TU Berlin
Erste Diskus­si­ons­runde mit Rainer Hehl, Kurt W. Forster, Tina di Carlo, Jörg Gleiter, Tom Avermaete, Spyros Papa­pe­tros und Susanne Hauser, Foto: IfA TU Berlin
Forum der Architekturfakultät, Foto: Robert Bauer
Forum der Archi­tek­tur­fa­kultät, Foto: Robert Bauer
Ralf Pasel und Ilka Ruby moderieren das zweite Panel, Foto: Robert Bauer
Ralf Pasel und Ilka Ruby mode­rieren das zweite Panel, Foto: Robert Bauer
Keynote Lecture von Toyo Ito, Foto: Robert Bauer
Keynote Lecture von Toyo Ito, Foto: Robert Bauer