Ein neues Kleid

Houston, we have a problem

Ther­mo­haus Guben

Gemeinsam mit dem BDA und dem Deutschen Archi­tektur Zentrum DAZ hat die Zeit­schrift der architekt den Call for Projects „Houston, we have a problem“ gestartet und um Einrei­chung substan­zi­eller Beiträge gebeten, die uns dabei helfen können, die Effekte des Klima­wan­dels zu gestalten. Dabei sind rund 150 gebaute und gedachte Projekte zusam­men­ge­kommen. Im Wochen­takt stellen wir an dieser Stelle ausge­wählte Beiträge vor.

Das kleine Wohnhaus aus den 1930er Jahren steht am Rande der Land­schaft von Guben, einer bran­den­bur­gi­schen Klein­stadt, direkt an der polni­schen Grenze gelegen. Eine Erwei­te­rung sollte der beschei­dene Ziegelbau erhalten und auch ener­ge­tisch war eine Sanierung fällig. Im Normal­fall würde wohl durch einen mehr oder weniger unför­migen Anbau ergänzt werden und die Fassade zur Wärme­iso­lie­rung mit Dämm­platten verkleidet. Das Berliner Büro Praeger Richter Archi­tekten hat eine origi­nel­lere Lösung entwi­ckelt: Eine zweite Hülle aus Poly­car­bo­nat­platten wurde dem Haus über­ge­stülpt, die sowohl raum­bil­dend ist als auch eine ther­mi­sche Ertüch­ti­gung darstellt.

Durch die neue Klima­hülle konnte der Bau in seiner Origi­nal­sub­stanz, bis auf die Dach­de­ckung, erhalten bleiben und auch die klas­si­sche Gebäu­de­ku­batur mit Sattel­dach wurde bewahrt. Im Inneren entstand im Erdge­schoss und im Ober­ge­schoss ein Winter­garten, der giebel­seitig komplett verglast ist und somit keine Licht­bremse für den massiven Bau dahinter darstellt. Der Winter­garten ist insbe­son­dere für den Sommer und die Über­gangs­jah­res­zeiten gedacht, im Winter kann er als Gewächs­haus genutzt werden.

Während für den Dachstuhl die bereits vorhan­dene Konstruk­ti­ons­struktur als Unter­kon­struk­tion für die Poly­car­bo­nat­platten dienten, wurde an die Hauswände des Bestands eine Holz­stän­der­kon­struk­tion gestellt, die einen notwen­digen Abstand von 22 Zenti­me­tern herstellt. Durch diesen Abstand bildet sich eine isolie­rende Luft­schicht, die je nach Jahres­zeit auf unter­schied­liche Weise manuell kontrol­liert werden kann: Im Winter wird die im Dachfirst gesam­melte warme Luft durch ein Lüftungs­gerät nach unten trans­por­tiert, im Sommer über Dach­flä­chen­fenster im First abge­leitet. An sehr kalten Winter­tagen wird bei Bedarf über einen Kamin geheizt. Die Bestands­wände fungieren zu diesem Luft­kol­lektor als logisch addierte Spei­cher­masse.

Das Prinzip Klima­hülle, das unter anderem vom fran­zö­si­schen Büro Lacaton Vassal vielfach in bedeutend größerem Maßstab umgesetzt wurde, ist laut Praeger Richter Archi­tekten gerade für die Sanierung von Altbau-Einfa­mi­li­en­häu­sern, die es auf dem Land zuhauf gibt, eine gute Alter­na­tive zu gängigen Umbau­maß­nahmen. Dabei wird der Bestand geschützt und durch den minimalen baulichen Eingriff auch das Budget geschont. Zudem schafft die bauliche Form einen sicht­baren Ausdruck für die nach­hal­tige Bauweise, die als buch­stäb­lich leuch­tendes Vorbild in die Region ausstrahlen kann.
Elina Potratz

Ther­mo­haus Guben, 2017–2018
Archi­tekten: Praeger Richter Archi­tekten, Berlin
Team: Max Mütsch, Jorge Andujar
Auftrag­geber: privat
Trag­werks­pla­nung: Inge­nieurbau Kluge, Guben
Status: reali­siert

Weitere Projekte aus dem Call for Projects „Houston, we have a problem“ finden Sie hier.