Flur, kein Flur, Über-Flur

Vom prekären Raum zu einer Raum­praxis der Offenheit

In ihrem Beitrag reflek­tieren Reem Almannai, Yanik Wagner und Florian Fischer die räumliche, soziale und baurecht­liche Viel­schich­tig­keit des Flurs in zeit­ge­nös­si­schen Wohn­formen. Ausgehend von der gesetz­lich defi­nierten Kategorie des „notwen­digen Flures“ unter­su­chen sie, wie dieser als flexibler, teilweise gemein­schaft­lich nutzbarer Raum inter­pre­tiert werden kann. Anhand histo­ri­scher Beispiele, bereits gelebter Wohn­prak­tiken und des eigens entwi­ckelten Modells des „Schalt­ge­trie­be­woh­nens“ wird erkundet, welche Poten­ziale und Heraus­for­de­rungen sich daraus für ein suffi­zi­en­teres Wohnen ergeben.

Der „notwen­dige Flur“ ist eine inter­es­sante Formu­lie­rung, die im deutschen Baurecht fest verankert ist. Die Formu­lie­rung sugge­riert eine gewisse Alter­na­tiv­lo­sig­keit. Es geht um Leib und Leben. Den notwen­digen Flur also für eine Einlei­tung zu nutzen, ist vermut­lich nicht lustig. Der notwen­dige Flur ist frei von Brand­lasten zu halten, was nicht nur loses Mobiliar betrifft, sondern auch konstruk­tive Aspekte wesent­lich berührt. Ein notwen­diger Flur in Holz – unab­hängig ob Verklei­dung oder offenes Tragwerk – ist derzeit in Deutsch­land nicht denkbar1, außer eine Sprink­ler­an­lage wird als Kompen­sa­tion ins Feld geführt. Seine Notwen­dig­keit bemisst sich aber ausschließ­lich an Erfor­der­nissen des Brand­schutzes, genauer gesagt der Flucht­wege. Die Frage nach dem Flur als Raum, als klugem Verteiler, gar als sozialem Raum, oder auch als Hybrid aus Erschlie­ßung und gemein­schaft­li­cher Nutzung, stellt sich dabei nicht – ja, sie wird durch die Erfor­der­nisse des Brand­schutzes regel­recht torpe­diert. Provokant ließe sich fragen: Kann man den notwen­digen Flur auch weglassen? Vorweg­ge­nommen: Man kann. Wenn das mal kein schönes Sprach­spiel ist…Aber ggf. gibt es hier mehr Gestal­tungs­spiel­raum als oftmals ange­nommen: vgl. Dietrich, M.: Der notwen­dige Flur – das unbe­kannte Wesen. In: Feuer Trutz 5 (2022). ↩︎

Kein Flur

Innerhalb einer Wohnung ist der Flur, oder genauer gesagt: das Weglassen des Flurs – ähnlich wie aktuell im Schulbau – seit längerem Gegen­stand der Suche nach zeit­ge­mäßen, guten Grund­rissen. Die Förder­richt­li­nien für Wohnungsbau, etwa in Bayern2 und Nieder­sachsen3, empfehlen den wohnungs­in­ternen (nicht den notwen­digen) Flur dringend. Der Flur soll als schall­tech­ni­scher und psycho­lo­gi­scher4 Puffer­raum zwischen Wohn‑, Indi­vi­dual- und Trep­pen­raum fungieren. Man kann den Eindruck gewinnen, dass der Flur in diesem Kontext zu einer Art an­thropologischen Konstante, zu einer tief veran­kerten räum­li­chen Gewohn­heit, zu einer höheren Wahrheit des Wohnens stili­siert wird. Auf der anderen Seite jedoch wird er mitunter als archi­tek­to­nisch quali­tät­loser Raum, als Raum­ver­schwen­dung oder als Ausdruck eines hier­ar­chi­schen Archi­tektur- oder gar Gesell­schafts­ver­ständ­nisses geächtet. Der Disput entzündet sich in der Abwägung zwischen effi­zi­enter Raum­nut­zung und der Pufferung von Privat- und Intim­sphäre innerhalb eines Haushalts bezie­hungs­weise einer Wohn­ge­mein­schaft.Siehe hierzu unter 12.3 in: Wohn­raum­för­de­rungs­be­stim­mungen 2023 (WFB 2023), Pub. L. No. BayMBl. Nr. 206 (2023). https://​www​.gesetze​-bayern​.de/​C​o​n​t​e​n​t​/​D​o​c​u​m​e​n​t​/​B​a​y​V​V​_​2​3​3​0​_​B​_​1​3​7​3​4​/​t​rue, abgerufen am 16.09.2025. ↩︎Siehe hierzu WFB-RdErl,NI Nieder­sachsen – Wohn­raum­för­der­be­stim­mungen-Rund­erlass: https://​voris​.wolters​kluwer​-online​.de/​b​r​o​w​s​e​/​d​o​c​u​m​e​n​t​/​2​0​6​7​6​f​6​e​-​b​8​3​9​-​3​2​e​4​-​b​f​4​5​-​0​6​7​0​f​e​a​9​e​309, abgerufen am 16.09.2025. ↩︎In der DIN 4109 Schall­schutz im Hochbau wird etwa bei den Anfor­de­rungen an Wohnungs­ein­gangs­türen – Rw ≥ 27dB oder 37dB – unter­schieden, ob die Wohnung einen Flur aufweist oder nicht. ↩︎

(K)eine Kultur­ge­schichte

Zunächst einmal gilt es, den Flur – ähnlich wie in den letzten zwanzig Jahren das Sattel­dach – von ideo­lo­gi­schen Zuschrei­bungen zu lösen, ihn also nicht länger als Symbol für bestimmte archi­tek­to­ni­sche oder gesell­schaft­liche Haltungen zu verstehen. Dabei soll es jedoch nicht um eine grund­le­gende Kultur­ge­schichte des Flurs oder des Korridors gehen, die von anderen bereits weitaus kompe­tenter erzählt wurde.5 Der Flur soll hier vielmehr, ausgehend von seiner direkten Leis­tungs­fä­hig­keit im Sinne einer einfachen wie flexiblen Raum­er­schlie­ßung, neu betrachtet werden. Mit der Verknüp­fung spezi­fi­scher Flur­dis­po­si­tionen und (speku­la­tiver) Verhal­tens­weisen und Wohner­war­tungen sollen wichtige Aspekte des Flurs kontex­tua­li­siert und präzise beschrieben werden.Für eine ausführ­liche Kultur­ge­schichte des Flurs siehe z. B.: Trüby, S. (Hrsg.): Geschichte des Korridors. Paderborn 2018. ↩︎

Wohnen als Schalt­ge­triebe

Damit dies nicht im „luft­leeren“ Raum geschieht, erfolgen die durchaus als speku­lativ zu verste­henden und damit noch nicht zwingend empirisch belegten Gedanken vor dem Hinter­grund einer ganz konkreten Anwendung des Flurs innerhalb der neuar­tigen Wohnform des Nukle­us­woh­nens. Diese Wohnform geht von der Auflösung der konven­tio­nellen Wohnungs­grenze aus und löst insbe­son­dere die Indi­vi­du­al­räume aus dem engen räum­li­chen und absolut privaten Verbund der Wohnung heraus. Die Wohnung wird dabei gewis­ser­maßen zwei­ge­teilt – in einen Nukleus, der als eine Art klas­si­sche Zwei­zim­mer­woh­nung die Funk­tionen Wohnen, Küche, Bad und ein Zimmer enthält und in eine große Anzahl von – frei zu den Nukleis zuschalt­baren – Indi­vi­du­al­räumen. In zahl­rei­chen Entwurfs­stu­dien erhärtet sich die Hypothese, dass diese Flexi­bi­lität baulich und räumlich am leich­testen mit einem kollek­tiven Erschlie­ßungs­raum herstellbar sein könnte, dessen nahe­lie­gendste Ausfor­mu­lie­rung ein Flur, insbe­son­dere ein Mittel­flur sein könnte.6 Im von den Autorinnen und Autoren selbst entwi­ckelten spezi­fi­schen Schema „Schalt­ge­trie­be­wohnen“ als eine konkrete grund­riss­ty­po­lo­gi­sche Form des Nukle­us­woh­nens spielt ein fast klassisch zu nennender Flur eine ganz wesent­liche Rolle. Gleich­zeitig dient dieses Schema auch als Versuchs­an­ord­nung, der Hermetik des Flurs ebenso wie einer nur binären Lesart von intim (= privat) und öffent­lich (= gemein­schaft­lich) mit subtilen räum­li­chen Über­la­ge­rungen zu begegnen.Für eine ausführ­liche Erläu­te­rung der Studien zum Nukle­us­wohnen und seiner möglichen Imple­men­tie­rung in Bestands­bauten siehe: Almannai, R. / Fischer, F. / Wagner, Y. (2025): Nucleus Living—The Basics, Expe­ri­ences, Outlook. RWTH Aachen, Chair of Housing and Design Basics 2025. https://​www​.wohnbau​.site/​n​u​c​l​e​u​s​-​l​i​v​ing, oder auch: Almannai, R. / Fischer, F. / Wagner, Y (2025): Adapting Existing Buildings for Flexible Living – Exploring Nucleus Living through Exemplary Resi­den­tial Projects. RWTH Aachen, Chair of Housing and Design Basics. https://​www​.wohnbau​.site/​a​d​a​p​t​i​n​g​-​e​x​i​s​t​i​n​g​-​b​u​i​l​d​i​n​g​s​-​f​o​r​-​f​l​e​x​i​b​l​e​-​l​i​v​ing ↩︎

Alles schon einmal da gewesen

Auftei­lung der unselbst­stän­digen Wohnungen im Wohn­kom­plex Meyers Hof. Abb.: Geist, J. F. / Kürvers, K: Das Berliner Mietshaus 1862 – 1945, München 1984, S. 535

Die Einfach­heit der räum­li­chen Dispo­si­tion verankert das Schalt­ge­trie­be­wohnen schnell im Kontext von auch heute noch von Fluren geprägten Gebäuden wie Wohn­heimen, Hotels, Boar­ding­häu­sern. Hier dient der Flur aller­dings der reinen Erschlie­ßung fein­kör­niger Einzel­ap­par­te­ments oder einzelner Räume und weniger dazu, die einzelne Wohnung in Fragmente aufzu­lösen. Ein histo­ri­sches Beispiel, das in gewisser Weise als eine direkte Vorläu­ferin des Nukle­us­woh­nens gelesen werden kann, stellt die Wohn­an­lage Meyers Hof in Berlin dar.7Für ein ausführ­li­ches Portrait dieser Wohn­an­lage siehe: Geist, J. F. / Kürvers, K: Das Berliner Mietshaus 1862 – 1945. München 1984, S. 530 – 552. ↩︎

Dort zeigt sich, dass durch das Vorhan­den­sein eines Flurs auch eine komplett andere Form des Wohnens ermög­licht werden kann. Der Gebäu­de­kom­plex bestand unter anderem aus soge­nannten „unselbst­stän­digen Wohnungen“, die durch einen gemein­samen Mittel­flur erschlossen und in eine Küchen- und eine Stuben­seite geteilt waren. Die Wohnungen waren also nicht herme­tisch vonein­ander getrennt, sondern wurden durch gemein­schaft­liche Bereiche – Flur und Trep­pen­haus – über­la­gert. Sichtbar wurde dies auch durch viele verschie­dene Klingeln, Schilder und Brief­kästen an der vermeint­li­chen Wohnungs­ein­gangstür, die aber in Wirk­lich­keit eine Flur­ein­gangstür war. Obwohl in diesem Beispiel der Flur in seiner Ausfor­mu­lie­rung noch nicht auf seine außer­ge­wöhn­liche Funktion reagierte und die Wohn­ver­hält­nisse innerhalb des Wohn­kom­plexes nach heutigen Vorstel­lungen von Hygiene und Privat­sphäre frag­würdig waren, zeigt sich hier ein inno­va­tives Potenzial, das in der folgenden Beschrei­bung zweier Bewoh­ne­rinnen und Bewohner als eine spezi­fi­sche Praktik des Wohnens plastisch spürbar wird:

Da wohnten Frau Spalding (ihr Mann hat bei West­phalia auf dem 5. Hof gear­beitet), Frau Bose, Tempels und Mans – alle auf einem Flur. Hinten waren Tempels, die haben die beste Wohnung gehabt, und dann links, wen man rauskommt, da waren Boses, die haben bloß ein Zimmer gehabt. Da mußte man von der Küche aus immer über den Flur gehen, dann kam Frau Spalding, die mußte auch über den Flur gehen, um ihr Schlaf­zimmer zu sehen, und dann kommen Manns, das waren wir. Aber wir haben es noch mise­ra­bler gehabt, wir mußten ganz raus, und dann mußten wir über den Trep­pen­flur in unser Schlaf­zimmer. (…) Fami­li­en­feste wurden von allen, die auf dem Flur wohnten, gemeinsam gefeiert, dann waren die Türen offen. Wir wußten doch, wie unsere Buden aussahen, wir brauchten uns doch nicht vorein­ander zu schämen. Keiner war besser. Der Flur mußte von den Parteien reihum sauber­ge­macht werden, das gab oft Stän­ke­reien, wehe, das war mal nicht passiert. (…) In der Stube wurde manchmal Musik gemacht. Der Vater spielte Akkordeon (mit 60 Bässen), auf dem Gram­mo­phon wurden die ‚Donko­saken‘, ‚Wiener Walzer‘, ‚Waldes­lust‘ gespielt, und die zwei Schwes­tern haben viel gesungen. Die Nachbarn haben gern zugehört. Die Fenster standen dann auf, und Frau Spalding klopfte immer an die Wand, wenn sie aufhörten und rief: ‚Weiter‘.8Zitiert nach: Ebd., S. 536. ↩︎

Eine Korri­dortür im 1. Quer­ge­bäude Nr. 133 im Wohn­kom­plex Meyers Hof, Abb.: Geist, J. F. / Kürvers, K. (1984): Das Berliner Mietshaus 1862 – 1945, S. 534

Einord­nung

Die verän­derte Lesart des Flurs in der Anlage Meyers Hof und heute im Nukle­us­wohnen kann verkürzt gesagt als eine Synthese von Attri­buten von „Flur“ und „kein Flur“ gelesen werden. Im Italien des 16. Jahr­hun­derts bedingten etwa die für die Villen der Zeit9 beispiel­haften matrix­ar­tigen Grund­risse, die sich durch ihre Raum-zu-Raum-Erschlie­ßung auszeich­neten, ein gewisses Maß an Gemein­schaft und zufäl­ligen Kontakten der Bewoh­nenden dieser Häuser. Im Gegensatz dazu zeigen die im England des 19. Jahr­hun­derts gebauten Herr­schafts­häuser10 eine gänzlich andere Erschlie­ßungs­ty­po­logie: Typi­scher­weise erschließt hier ein einseitig gelegener Flur die angren­zenden Räume, welche unter­ein­ander in den meisten Fällen nicht direkt verbunden sind. Eine ziel­ge­naue Kommu­ni­ka­tion unter den Bewoh­nenden und eine Redu­zie­rung der notwen­digen Kontakte unter ihnen wurde so ermög­licht.Beispiel: Palazzo Antonini, Andrea Palladio, Udine 1556. ↩︎Beispiel: Red House, Philip Webb, London 1859. ↩︎

Diese dem Flur zuge­schrie­bene Funktion des Pufferns von Privat- und Intim­sphäre innerhalb eines Haushalts oder einer Wohn­ge­mein­schaft hat sich bis heute erhalten. Als eine Art erster Hybrid darf hingegen die Dopplung der Raum­er­schlie­ßung von Flur und Enfiladen gelesen werden, die in der fran­zö­si­schen Hofar­chi­tektur um 170011 und auch in den bürger­li­chen Häusern im England des 17. Jahr­hun­derts Anwendung fand12, wobei der Flur primär als Dienst­bo­ten­kor­ridor fungierte.13Beispiel: Hôtel de Rothelin, Pierre Cail­le­teau, Paris 1700. ↩︎Beispiel: Coleshill House, Sir Roger Pratt, Berkshire 1650 – 1667. ↩︎Vgl. Trüby, S. (Hrsg.): Geschichte des Korridors. Paderborn 2018, S. 88. ↩︎

Der Flur – auch in der Kombi­na­tion mit Enfiladen – kann histo­risch gesehen also als Ausdruck eines tenden­ziell hier­ar­chi­schen Archi­tektur- und Gesell­schafts­ver­ständ­nisses gelesen werden. Er ermög­lichte eine Trennung der unter­schied­li­chen Stände innerhalb eines Haushalts, führte aber auch zu einer unver­kennbar modernen Defi­ni­tion von Privat­sphäre.14 Mit der Einfüh­rung des Flurs im modernen bürger­li­chen Wohnungs­grund­riss übernimmt die Effizienz der Erschlie­ßung jeglichen vorma­ligen Anspruch auf Reprä­sen­ta­tion eines Vorraumes oder einer Eingangs­halle.15 Daher ist es auch nicht verwun­der­lich, dass das Vermeiden des Flurs in zeit­ge­nös­si­schen Wohnungs­bauten am stärksten ersicht­lich wird, wo ein hoher Ausbau­stan­dard, eine geringe Bele­gungs­dichte und eine homogene Nutzer­schaft der Wohnungen vorliegen. In diesen Fällen ist also nicht von einem verän­derten Bedürfnis nach den beschrie­benen Funk­tionen des Flurs auszu­gehen, sondern von einem anderen Anspruch an Privat- und Intim­sphäre und womöglich auch an Status und Reprä­sen­ta­tion.Vgl. Evans, R.: Menschen, Türen, Korridore. In: Arch+ Zeit­schrift für Archi­tektur und Städtebau, Wohnen zur Dispo­si­tion 134 / 135 (1966), S. 85 – 97. ↩︎Vgl. Christine Hannemann: Wohnen. In: Hütten­hain, Britta / Teodo­ro­vici, Dan (Hrsg.): Lehr­bau­steine Städtebau. Stuttgart 2018, S. 108 – 109. ↩︎

Zahl­reiche andere, aber „anonyme“ Beispiele oder persön­liche Wohn­er­fah­rungen greifen immer wieder auf den Kniff der Auflösung der Wohnungs­grenzen – über den Flur oder über das Trep­pen­haus hinweg – zurück. Die Zumietung oder Nutzung von Räumen, die eben nicht im direkten räum­li­chen Verbund mit der eigent­li­chen Wohnung liegen, stellt eine sehr prag­ma­ti­sche Lösung dar. Doch diese Modelle basieren zuge­ge­bener Maßen meist weder auf Reprä­sen­ta­tion noch auf Hier­ar­chie, noch auf dem Ideal von Gemein­schaft und damit auch nicht auf idea­li­sierten Vorstel­lungen einer aufge­lösten Wohnungs­grenze, sondern auf reiner Not – so wie auch heute noch in vielen Unter­künften für Geflüch­tete.

Gewohn­heits­transfer

Über­la­ge­rung von Flur, Vorzonen, Wohn- und Schlaf­räumen im Schalt­ge­trie­be­wohnen, Konzept, Entwurf und Visua­li­sie­rung: Almannai, Fischer, Wagner, 2023

In einer Art asym­me­tri­schem Transfer (siehe dazu hier) greift das Schalt­ge­trie­be­wohnen diese einst prekären Refe­renzen des Flurs wieder auf – jedoch in einem verän­derten Kontext: dem des selbst­be­stimmten, bedarfs­ge­rechten und suffi­zi­enten Wohnens. Unter den Bedin­gungen eines baulich, tech­no­lo­gisch, hygie­nisch und räumlich sehr guten Standards soll dabei ein quali­ta­tiver und ideeller Gewinn für das Wohnen abge­schöpft werden.

Wohn­formen, die wie das Nukle­us­wohnen die Grenzen der Wohnung in Frage stellen oder neu verhan­deln, indem sie kollek­tive Über­schnei­dungs- oder Über­la­ge­rungs­räume wie den Flur oder gar Wohnflur einführen, verlangen im Grunde keine völlig neuen Gewohn­heiten von den Wohnenden. Sie greifen auf vormo­derne Erfah­rungen und wie beschrieben auf durchaus mit prekären gesell­schaft­li­chen Verhält­nissen in Verbin­dung stehende Typo­lo­gien zurück – mit all den beschrie­benen Gefahren, aber auch Poten­zialen. Aller­dings schließen sie genauso an zeit­ge­nös­si­sche Gewohn­heiten und Verhal­tens­weisen an, die in anderen Kontexten ganz normal sind – etwa im öffent­li­chen oder semi­öf­fent­li­chen Raum einer Biblio­thek, eines Ladens, eines Cafés oder Restau­rants, eines Hotels, in Warte­be­rei­chen an Bahnhöfen oder Flughäfen, im Zug oder im Flugzeug. Es stellt sich dabei aber natürlich die nicht triviale Frage, ob damit der private „Schutz­raum“ der eigenen Wohnung derart in Frage gestellt wird, dass am Ende von „unge­sunden“ Wohn­ver­hält­nissen gespro­chen werden muss.16 Das Konzept des Schalt­ge­triebes begegnet dieser Proble­matik mit einer Form der typo­lo­gi­schen Offenheit, die dem auf den ersten Blick sehr rigide erschei­nenden Raster einge­schrieben ist. Daraus entsteht eine Art Indif­fe­renz der Wohnform selbst, die den Flur in unter­schied­lichsten Inter­pre­ta­tionen erscheinen lässt – vom notwen­digen Flur über den Wohnflur bis hin zum über­la­gerten Flur. Wird die Flur­breite dabei typo­lo­gisch so reguliert, dass sie einen nahezu eigen­stän­digen Aufent­halts­raum bildet, kann sich dieser schließ­lich zu einer porte­go­ar­tigen Wohnhalle trans­for­mieren, also ganz ähnlich dem klas­si­schen Portego, der als großer Hauptflur vene­zia­ni­scher Paläste die Räume verbindet und zugleich als reprä­sen­ta­tiver Empfangs­raum dient.17Die Unter­su­chungen von T. Vollmer und G. Koppen sehen „das Bedürfnis nach Privat­heit (…) gegenüber dem nach sozialer Inter­ak­tion mit anderen Miet­par­teien beinah maximal.“ Vgl. Koppen G. / Vollmer T.: Der Mensch als Maßstab. Archi­tektur und psycho­so­ziale Gesund­heit im bezahl­baren Wohnungsbau. Lengerich 2023, S. 28 – 33. ↩︎Das Konzept eines Portegos als gemein­schaft­li­cher Raum wurde bereits im Wett­be­werb für San Riemo von den Archi­tekten Oliver Lütjens und Thomas Padman­abhan im dort soge­nannten Fili­al­wohnen vorge­schlagen. ↩︎

Super­po­si­tion des Flurs

Grund­riss­schema Schalt­ge­trie­be­wohnen in der Variante Flur­breite 1,5 m, Almannai, Fischer, Wagner, 2023

Nebst der typo­lo­gi­schen Offenheit befindet sich der Flur im Konzept des Schalt­ge­trie­be­woh­nens in einem mehr­deu­tigen Zustand der Super­po­si­tion18, also in einem Zustand, in dem er zugleich Teil der Wohnung und Teil der gemein­schaft­li­chen Erschlie­ßung ist – und zwar solange, bis er durch eine Inter­ak­tion bezie­hungs­weise seine Benutzung einen der beiden Zustände annimmt. Der Flur kreuzt die quer zu ihm gelegten Dielen- oder Nischen­räume, die gleich­zeitig puffernde Vorzonen vor den Indi­vi­du­al­räumen und geschützte Eingänge in die Bäder ermög­li­chen. Es entsteht damit fast ein Webmuster aus Längs- und Quer­er­schlie­ßung des Grund­risses. Ein Blick durch die geöff­neten gegen­über­lie­genden Türen der Räume bringt den hier­ar­chisch eigent­lich wich­ti­geren Längsflur fast zum Verschwinden.19„In der Quan­ten­me­chanik ist Super­po­si­tion die Fähigkeit eines Quan­ten­sys­tems, einen gemischten Zustand anzu­nehmen, in dem mehrere andere Zustände (…) kombi­niert sind. Das wird umgangs-sprach­lich oft so darge­stellt, dass eine Obser­vable des Systems gleich­zeitig mit mehreren Werten vorliegen kann, von denen sich erst bei einer Messung ein einziger als real heraus­stellt. Als Beispiel wird häufig Schrö­din­gers Katze angeführt, die bis zu einer Messung gleich­zeitig teilweise tot und le-bendig ist.“ aus: Super­po­si­tion (Physik). (2025, April 14). Wikipedia. https://​de​.wikipedia​.org/​w​i​k​i​/​S​u​p​e​r​p​o​s​i​t​i​o​n​_​(​P​h​y​sik) ↩︎Ein Beispiel einer solchen Über­la­ge­rung von Gemein­schaft und Privat­heit findet sich in der Typologie des Borneo Longhouse. Siehe dazu: Helliwell, C.: Good Walls Make Bad Neigh­bours: The Dayak Longhouse as a Community of Voices. Oceania, 62 (3 / 1992), S. 179 – 193. ↩︎

Um die Mehr­fach­lesart des Flurs für die Bewoh­nenden spürbar und prak­ti­kabel umzu­setzen, ist eine diffe­ren­zierte räumliche Ausge­stal­tung zu entwi­ckeln. Es stellen sich aber auch ganz prak­ti­sche Fragen in Bezug auf diese außer­ge­wöhn­liche neue Rolle des Flurs: Über welchen Licht­schalter wird welcher Teil der Flur­be­leuch­tung gesteuert? Wie reagieren die Türen und das entspre­chende Schließ­kon­zept? Wo ist welcher Grad des Schall­schutzes erfor­der­lich? Wie hoch ist der Grad der Einseh­bar­keit, etwa in die Wohn­kü­chen? Wie lässt sich dieser auch indi­vi­duell steuern? Wird der Flur zu einer Art innerem Lauben­gang? Oder entwi­ckelt der Flur vielmehr Verwandt­schaften zu Fluren in offenen Büro­kon­zepten? Wo liegen die Eingänge der Bäder – zimmer- oder flur­seitig – oder beides? Sind die Bäder eher den Tag- oder Nachträumen zuge­ordnet? Können Bäder auch über den Flur geteilt werden (siehe dazu hier)? Können die Küchen wahlweise auch großzügig zum gemein­schaft­li­chen Flur hin geöffnet und von diesem aus genutzt werden? Kann jede Küche aufgrund ihrer Lage am gemein­schaft­li­chen Flur zumindest eine Art tempo­rärer Gemein­schafts­raum sein?

Neue Verhal­tens­weisen

Die Behaup­tung, dass eine derartige Komple­xität der räum­li­chen Lesbar­keit eines Flurs – bis hin zur program­ma­ti­schen Neu­tralität – einen Weg zu suffi­zi­en­terem Wohnen darstellt, mag bezogen auf Flächen­ef­fi­zienz und Bele­gungs­fle­xi­bi­lität viel­leicht einleuchten und rech­ne­risch belegbar sein. Welche Praktiken des Zusam­men­le­bens, des Aushan­delns von Raum­be­darf und welche Verhal­tens­weisen oder eben (neuen) Gewohn­heiten dies jedoch von den Wohnenden erfordert, lässt sich ohne einschlä­gige Expe­ri­mente kaum bewerten.20 Zwar lassen sich einzelne Aspekte, wie oben beschrieben, in anderen Kontexten oder zu anderen Zeiten als gelebte Praxis nach­weisen, ihre Über­tra­gung als gesamtes Bündel auf gegen­wär­tige Wohn­formen entzieht sich jedoch einer theo­re­ti­schen Simu­la­tion.21Ein entspre­chendes Forschungs­pro­jekt des Lehr­stuhls für Wohnbau und Grund­lagen des Entwer­fens der RWTH Aachen zur Erstel­lung eines Wohn­de­mons­tra­tors und zur Unter­su­chung entspre­chender Frage­stel­lungen ist momentan in Arbeit und soll im Sommer 2026 in die reale Testphase gehen. Als Grund­struktur dient dabei ein momentan leer­ste­hender Plat­tenbau vom Typ WBS70 in Leipzig Grünau. ↩︎Beispiele wie die Unter­su­chung von Teil­aspekten hinsicht­lich der Nutzung von Fluren und den damit verbun­denen Verhal­tens­weisen und Gewohn­heiten aussehen könnte, finden sich zur Zeit in spezi­fi­schen Forschungs­fel­dern. Siehe z. B.: Heise, D. : Flur im Fokus: Nutzungs­ana­lyse der Verkehrs­fläche einer inten­siv­päd­ago­gi­schen Wohn­gruppe. In: Kolodziej, C. / Gensel, L. / Marquardt, G. (Hrsg.): ARCH4HEALTH – Psyche & Raum: Student Research Lab Sommer­se­mester, Tech­ni­sche Univer­sität Dresden 2023, S. 181 – 195. https://​doi​.org/​1​0​.​2​5​3​6​8​/​2​0​2​4​.35. Hinsicht­lich der neuen Rolle des Flures in den beschrie­benen Wohn­kon­zepten gewinnt seine wissen­schaft­liche Unter­su­chung auch im Feld des gemeinen Wohnens an Relevanz. ↩︎

Bereits die Frage, wo für jeden persön­lich der eigene Wohnraum beginnt, lässt sich nicht so einfach beant­worten: Mit dem Betreten des Wohnflurs oder mit dem Betreten der Räume, die ausschließ­lich der eigenen privaten Nutzung gewidmet sind? Wenn aber letzteres der Fall wäre, was bedeutet das für das eigene Verhalten, etwa ganz konkret: das Tragen von Haus­schuhen oder eines Pyjamas? Was bedeutet es für den Weg auf die Toilette oder das Bad, oder wenn man sich nachts ein Glas Wasser holen will? Oder wenn das Kleinkind zwei Räume weiter weint? Erfordert ein solches Wohnen dann eine Art Mittelweg zwischen privat und gemein­schaft­lich? Oder, um beim Beispiel der Kleidung zu bleiben, erfordert es eine Art Allzweck(haus)schuh und einen Hausanzug oder Morgen­mantel? Wenn aber die Wohnung bereits mit dem Betreten des gemein­samen Flurs beginnt, ist dann das Schließen oder Verschließen der Türen nur ein Zeichen tempo­rären Rückzugs, während die Offenheit der Türen und das olfak­to­ri­sche und akus­ti­sche Grund­rau­schen der Gemein­schaft den Normal­zu­stand bilden?22Gebaute und gelebte Refe­renz­bei­spiele hierzu wären z. B. das Hallen­wohnen im Zollhaus in Zürich oder das Nukle­us­wohnen und hier speziell die Typologie der Trep­pen­zimmer in San Riemo in München. ↩︎

Der Flur (b = 1,5 m / h = 2,62 m) als Leis­tungs­form einer flexiblen Wohnungs­grenze und gleich­zeitig als baurecht­lich nicht notwen­diger (Wohn-)Flur, Visua­li­sie­rung Schalt­ge­trie­be­wohnen: Almannai, Fischer, Wagner, 2023

Und schließ­lich – nicht zuletzt, um dem Vorwurf naiver Sozi­al­ro­mantik vorzu­beugen – stellt sich die Frage, was unter­schied­liche Geschwin­dig­keiten von Gemein­schaft, aber auch Vorstel­lungen von Hygiene und Lärm an einem gemein­samen Flur bedeuten. Erfordern die Flur­ge­mein­schaften am Ende doch eher homogene Inter­essen und Lebens­ge­wohn­heiten? Oder ist es genau anders­herum – bilden sich entlang des Flurs, über Haus­halts­grenzen hinweg, viel­fäl­tige Inter­es­sens­gruppen heraus? Viel­leicht wohnen alle puber­tie­renden Jugend­li­chen am Ende des Flurs oder direkt am Trep­pen­haus und teilen sich ein oder zwei „selbst­ver­wal­tete“ Bäder, während einige Küchen offen­stehen und andere dauerhaft verschlossen bleiben – als Ausdruck indi­vi­du­eller Entschei­dung, die niemanden zu stören braucht. Oder ist genau das schon wieder jene zu vermei­dende Sozi­al­ro­mantik?

Flur als kein Flur

Unab­hängig von der konkreten Nutzung und gelebten Inter­ak­tion erfordert das hier vorge­stellte Modell aus baurecht­li­cher Sicht entweder die Ausbil­dung großer Nutzungs­ein­heiten oder, länder­spe­zi­fisch, die Einord­nung als Besondere Wohnform. Andern­falls würden Fragen nach der Abge­schlos­sen­heit der Wohnung – und damit nach der Wohnungs­grenze – aufkommen, ebenso wie mögliche hohe und aufwendig zu erfül­lende Anfor­de­rungen an Brand­schutz und Flucht­wege. Die baurecht­liche Kategorie des „notwen­digen Flurs“ könnte zwar heran­ge­zogen werden, würde jedoch die hier vorge­stellte offene, mehrfache Lesart des Flurs verhin­dern. Der „Über-Flur“, der für das Modell notwendig erscheint, kann also nicht nur, er muss geradezu baurecht­lich kein „notwen­diger“ Flur sein.

Reem Almannai und Florian Fischer-Almannai führen gemeinsam das Büro Almannai Fischer Architekt*innen in München. Sie sind Grün­dungs­mit­glieder der Münchner Wohnungs­bau­ge­nos­sen­schaft Koope­ra­tive Großstadt eG. Sie befassen sich intensiv mit der Entwick­lung flexibler und suffi­zi­enter Wohn­formen und der Erfor­schung einer kollek­tiven Planungs­me­thode, genannt OP-OD. Florian Fischer unter­richtet seit 2022 an der RWTH Aachen.

M.A. Yanik Wagner ist Architekt und seit 2023 wissen­schaft­li­cher Mitar­beiter an der RWTH Aachen. Er forscht zu alter­na­tiven Wohn­formen und deren Imple­men­tie­rung in den Bestand. Sein Promo­ti­ons­vor­haben befasst sich mit dem akus­ti­schen Wohl­be­finden in kollek­tiven Wohn­formen. Er war Mitgründer des Archi­tek­tur­büros Studio OU in Zürich. Seit 2025 reali­siert er selbst­ständig Projekte in unter­schied­li­chen Konstel­la­tionen an der Schnitt­stelle von Archi­tektur, Inter­ven­tion, Parti­zi­pa­tion und Kunst.

  1. Aber ggf. gibt es hier mehr Gestal­tungs­spiel­raum als oftmals ange­nommen: vgl. Dietrich, M.: Der notwen­dige Flur – das unbe­kannte Wesen. In: Feuer Trutz 5 (2022). ↩︎
  2. Siehe hierzu unter 12.3 in: Wohn­raum­för­de­rungs­be­stim­mungen 2023 (WFB 2023), Pub. L. No. BayMBl. Nr. 206 (2023). https://​www​.gesetze​-bayern​.de/​C​o​n​t​e​n​t​/​D​o​c​u​m​e​n​t​/​B​a​y​V​V​_​2​3​3​0​_​B​_​1​3​7​3​4​/​t​rue, abgerufen am 16.09.2025. ↩︎
  3. Siehe hierzu WFB-RdErl,NI Nieder­sachsen – Wohn­raum­för­der­be­stim­mungen-Rund­erlass: https://​voris​.wolters​kluwer​-online​.de/​b​r​o​w​s​e​/​d​o​c​u​m​e​n​t​/​2​0​6​7​6​f​6​e​-​b​8​3​9​-​3​2​e​4​-​b​f​4​5​-​0​6​7​0​f​e​a​9​e​309, abgerufen am 16.09.2025. ↩︎
  4. In der DIN 4109 Schall­schutz im Hochbau wird etwa bei den Anfor­de­rungen an Wohnungs­ein­gangs­türen – Rw ≥ 27dB oder 37dB – unter­schieden, ob die Wohnung einen Flur aufweist oder nicht. ↩︎
  5. Für eine ausführ­liche Kultur­ge­schichte des Flurs siehe z. B.: Trüby, S. (Hrsg.): Geschichte des Korridors. Paderborn 2018. ↩︎
  6. Für eine ausführ­liche Erläu­te­rung der Studien zum Nukle­us­wohnen und seiner möglichen Imple­men­tie­rung in Bestands­bauten siehe: Almannai, R. / Fischer, F. / Wagner, Y. (2025): Nucleus Living—The Basics, Expe­ri­ences, Outlook. RWTH Aachen, Chair of Housing and Design Basics 2025. https://​www​.wohnbau​.site/​n​u​c​l​e​u​s​-​l​i​v​ing, oder auch: Almannai, R. / Fischer, F. / Wagner, Y (2025): Adapting Existing Buildings for Flexible Living – Exploring Nucleus Living through Exemplary Resi­den­tial Projects. RWTH Aachen, Chair of Housing and Design Basics. https://​www​.wohnbau​.site/​a​d​a​p​t​i​n​g​-​e​x​i​s​t​i​n​g​-​b​u​i​l​d​i​n​g​s​-​f​o​r​-​f​l​e​x​i​b​l​e​-​l​i​v​ing ↩︎
  7. Für ein ausführ­li­ches Portrait dieser Wohn­an­lage siehe: Geist, J. F. / Kürvers, K: Das Berliner Mietshaus 1862 – 1945. München 1984, S. 530 – 552. ↩︎
  8. Zitiert nach: Ebd., S. 536. ↩︎
  9. Beispiel: Palazzo Antonini, Andrea Palladio, Udine 1556. ↩︎
  10. Beispiel: Red House, Philip Webb, London 1859. ↩︎
  11. Beispiel: Hôtel de Rothelin, Pierre Cail­le­teau, Paris 1700. ↩︎
  12. Beispiel: Coleshill House, Sir Roger Pratt, Berkshire 1650 – 1667. ↩︎
  13. Vgl. Trüby, S. (Hrsg.): Geschichte des Korridors. Paderborn 2018, S. 88. ↩︎
  14. Vgl. Evans, R.: Menschen, Türen, Korridore. In: Arch+ Zeit­schrift für Archi­tektur und Städtebau, Wohnen zur Dispo­si­tion 134 / 135 (1966), S. 85 – 97. ↩︎
  15. Vgl. Christine Hannemann: Wohnen. In: Hütten­hain, Britta / Teodo­ro­vici, Dan (Hrsg.): Lehr­bau­steine Städtebau. Stuttgart 2018, S. 108 – 109. ↩︎
  16. Die Unter­su­chungen von T. Vollmer und G. Koppen sehen „das Bedürfnis nach Privat­heit (…) gegenüber dem nach sozialer Inter­ak­tion mit anderen Miet­par­teien beinah maximal.“ Vgl. Koppen G. / Vollmer T.: Der Mensch als Maßstab. Archi­tektur und psycho­so­ziale Gesund­heit im bezahl­baren Wohnungsbau. Lengerich 2023, S. 28 – 33. ↩︎
  17. Das Konzept eines Portegos als gemein­schaft­li­cher Raum wurde bereits im Wett­be­werb für San Riemo von den Archi­tekten Oliver Lütjens und Thomas Padman­abhan im dort soge­nannten Fili­al­wohnen vorge­schlagen. ↩︎
  18. „In der Quan­ten­me­chanik ist Super­po­si­tion die Fähigkeit eines Quan­ten­sys­tems, einen gemischten Zustand anzu­nehmen, in dem mehrere andere Zustände (…) kombi­niert sind. Das wird umgangs-sprach­lich oft so darge­stellt, dass eine Obser­vable des Systems gleich­zeitig mit mehreren Werten vorliegen kann, von denen sich erst bei einer Messung ein einziger als real heraus­stellt. Als Beispiel wird häufig Schrö­din­gers Katze angeführt, die bis zu einer Messung gleich­zeitig teilweise tot und le-bendig ist.“ aus: Super­po­si­tion (Physik). (2025, April 14). Wikipedia. https://​de​.wikipedia​.org/​w​i​k​i​/​S​u​p​e​r​p​o​s​i​t​i​o​n​_​(​P​h​y​sik) ↩︎
  19. Ein Beispiel einer solchen Über­la­ge­rung von Gemein­schaft und Privat­heit findet sich in der Typologie des Borneo Longhouse. Siehe dazu: Helliwell, C.: Good Walls Make Bad Neigh­bours: The Dayak Longhouse as a Community of Voices. Oceania, 62 (3 / 1992), S. 179 – 193. ↩︎
  20. Ein entspre­chendes Forschungs­pro­jekt des Lehr­stuhls für Wohnbau und Grund­lagen des Entwer­fens der RWTH Aachen zur Erstel­lung eines Wohn­de­mons­tra­tors und zur Unter­su­chung entspre­chender Frage­stel­lungen ist momentan in Arbeit und soll im Sommer 2026 in die reale Testphase gehen. Als Grund­struktur dient dabei ein momentan leer­ste­hender Plat­tenbau vom Typ WBS70 in Leipzig Grünau. ↩︎
  21. Beispiele wie die Unter­su­chung von Teil­aspekten hinsicht­lich der Nutzung von Fluren und den damit verbun­denen Verhal­tens­weisen und Gewohn­heiten aussehen könnte, finden sich zur Zeit in spezi­fi­schen Forschungs­fel­dern. Siehe z. B.: Heise, D. : Flur im Fokus: Nutzungs­ana­lyse der Verkehrs­fläche einer inten­siv­päd­ago­gi­schen Wohn­gruppe. In: Kolodziej, C. / Gensel, L. / Marquardt, G. (Hrsg.): ARCH4HEALTH – Psyche & Raum: Student Research Lab Sommer­se­mester, Tech­ni­sche Univer­sität Dresden 2023, S. 181 – 195. https://​doi​.org/​1​0​.​2​5​3​6​8​/​2​0​2​4​.35. Hinsicht­lich der neuen Rolle des Flures in den beschrie­benen Wohn­kon­zepten gewinnt seine wissen­schaft­liche Unter­su­chung auch im Feld des gemeinen Wohnens an Relevanz. ↩︎
  22. Gebaute und gelebte Refe­renz­bei­spiele hierzu wären z. B. das Hallen­wohnen im Zollhaus in Zürich oder das Nukle­us­wohnen und hier speziell die Typologie der Trep­pen­zimmer in San Riemo in München. ↩︎
Auftei­lung der unselbst­stän­digen Wohnungen im Wohn­kom­plex Meyers Hof. Abb.: Geist, J. F. / Kürvers, K: Das Berliner Mietshaus 1862 – 1945, München 1984, S. 535
Eine Korri­dortür im 1. Quer­ge­bäude Nr. 133 im Wohn­kom­plex Meyers Hof, Abb.: Geist, J. F. / Kürvers, K. (1984): Das Berliner Mietshaus 1862 – 1945, S. 534
Über­la­ge­rung von Flur, Vorzonen, Wohn- und Schlaf­räumen im Schalt­ge­trie­be­wohnen, Konzept, Entwurf und Visua­li­sie­rung: Almannai, Fischer, Wagner, 2023
Grund­riss­schema Schalt­ge­trie­be­wohnen in der Variante Flur­breite 1,5 m, Almannai, Fischer, Wagner, 2023
Der Flur (b = 1,5 m / h = 2,62 m) als Leis­tungs­form einer flexiblen Wohnungs­grenze und gleich­zeitig als baurecht­lich nicht notwen­diger (Wohn-)Flur, Visua­li­sie­rung Schalt­ge­trie­be­wohnen: Almannai, Fischer, Wagner, 2023