Glokale Archi­tektur

RCR Arqui­tectes gewinnen Pritzker-Preis 2017

Carme Pigem, Rafael Aranda und Ramon Vilalta (RCR Arqui­tectes) sind die Gewinner des dies­jäh­rigen Pritzker Archi­tektur Preises – so gab es Tom Pritzker, Vorsit­zender der Hyatt Foun­da­tion, gestern in Chicago bekannt. Damit geht der in der west­li­chen Welt wohl bekann­teste Archi­tek­tur­preis erstmals an gleich drei Archi­tekten.

Die Archi­tekten arbeiten seit 1988 als RCR Arqui­tectes im kata­la­ni­schen Olot zusammen und hatten jüngst mit dem Entwurf der Waalse Krook Media­theque (2010–2017) im belgi­schen Gent für einiges Aufsehen gesorgt. Zu den bekann­testen Projekten der – im Vergleich zum Popu­la­ri­täts­grad ihrer Vorgänger zum Zeitpunkt der Auszeich­nung – eher unbe­kannten Katalanen zählen das La Cuisine Art Center (Nègre­pe­lisse, Frank­reich 2009–2014), das Museum in Soulages (gemeinsam mit Gilles Trégouët, Rodez, Frank­reich 2008–2014), das „Theater im öffent­li­chen Raum“ „La Lira“ (gemeinsam mit Joan Puigcorbé (Ripoll, Girona, Spanien 2003–2011), das Restau­rant „Les Cols“ (Olot, Girona, Spanien 2001–2002) und der entspre­chende Erwei­te­rungs­pa­villon dafür (2007–2011), der Kinder­garten „El Petit Comte“ (gemeinsam mit Joan Puigcorbé, Besalú, Girona, Spanien 2005–2010), das Weingut Bell-Lloc (Palamós, Girona, Spanien 2003–2007), der Komplex „Sant Antoni“ mit Biblio­thek, Senio­ren­frei­zeit­stätte und Garten­an­lage (Barcelona, Spanien 2002–2007) und die Sport­an­lage „Tossol-Basil“ (Olot, Girona, Spanien 1991–2000).

Nach rund 25 Jahren prak­ti­scher Tätigkeit als Archi­tekten haben Pigem, Aranda und Vilalta zudem 2013 die private Stiftung RCR Bunka gegründet. Ziel der Akti­vi­täten ist es, mit einem möglichst breit aufge­stellten Netzwerk, zu dem die drei Katalanen ausdrück­lich jede und jeden einladen, Archi­tektur, Land­schafts­ge­stal­tung, Kunst und Kultur über alle gesell­schaft­li­chen Schichten hinweg zu fördern.

Die Juroren Richard Rogers, Benedetta Tagliabue, Kristin Feireiss, Ratan N. Tata und Stephen Breyer begrün­deten die Entschei­dung mit der Verqui­ckung lokaler Wurzeln und globaler Einflüsse, die gleich­wertig im archi­tek­to­ni­schen Werk von RCR Arqui­tectes aufscheine: „Wir leben in einer globa­li­sierten Welt, in der wir uns auf inter­na­tio­nale Einflüsse, Handel, Diskus­sionen,  Trans­ak­tionen und derglei­chen mehr verlassen müssen. Aber mehr und mehr Menschen fürchten genau das. Es besteht die Angst, wir würden unsere lokalen Werte, unsere lokale Kunst und unsere lokalen Gebräuche verlieren. Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramon Vilalta zeigen uns, dass es möglich ist, beides zu haben. Sie helfen uns, auf einem hoch­gradig schönen und poeti­schen Wege zu sehen, dass die Antwort auf all diese Fragen kein ‚entweder/​oder‘ ist, und dass wir  – wenigs­tens in der Archi­tektur – anstreben können, beides zu haben: unsere Wurzeln nach­drück­lich vor Ort verankert, während unsere Arme sich zum Rest der Welt strecken.“

Mit der Ehrung für die drei nach wie vor in ihrem Heimatort tätigen Gestalter setzt die Jury einen Weg fort, der sich bereits mit der Auszeich­nung für Alejandro Aravena andeutete: Sowohl der Veran­ke­rung der Archi­tektur als soziale Disziplin in der Gesell­schaft, wie auch dem Rück­be­sinnen auf lokale Wurzeln bei gleich­zei­tigem Wissen um globale Bedingt­heiten werden dabei ein stärkeres Gewicht einge­räumt, als ein weit­rei­chender Bekannt­heits­grad der Prot­ago­nisten. Die Preis­ver­lei­hung wird am 20. Mai in Tokio statt­finden.

David Kasparek

Fotos: Pritzker Archi­tec­ture Prize/​Javier Lorenzo Domínguez/​Eugeni Pons/​Ramon Prat/​Hisao Suzuki