Modulares, serielles Bauen als Rettung?

Leitthema der Messe BAU 2025

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Der Großteil der heutigen Baupro­duk­tion basiert auf Unikaten, entworfen für den jewei­ligen Ort, als Antwort auf die Anfor­de­rungen der Nutzer, in der für Klima und Region ange­passten Bauweise, gebaut von Hand wie vor 50 Jahren. „Der Bausektor hat sich aufgrund des geringen Hand­lungs­drucks der letzten Jahr­zehnte zu lange einer konse­quenten Produk­ti­vi­täts­stei­ge­rung entzogen. Das ist aktuell mitent­schei­dend für den massiven Markt­ein­bruch aufgrund zu hoher Baufi­nan­zie­rungs­kosten“, erklärt Thomas Kirmayr, Fraun­hofer-Allianz Bau.

Geringere Kosten dank modularem, seriellem Bauen?

Im Vergleich zur tradi­tio­nellen Bauweise, bei der jede Phase linear und direkt vor Ort ausge­führt wird, ist die Modul­bau­weise schnell und kosten­günstig. Durch Stan­dar­di­sie­rung und Opti­mie­rung der Baupro­zesse minimiert sie die Gefahren von Liefer­ket­ten­un­ter­bre­chungen ebenso wie die Risi­ko­fak­toren auf Baustellen. Anders als noch in den 1970er-Jahren zeichnet sie sich heute durch eine hohe  Anpas­sungs­fä­hig­keit an indi­vi­du­elle Gestal­tungs­wün­sche aus.

Sind Nach­hal­tig­keit und Modulbau ein Perfect Match?

Foto: Getty Images

Ein weiterer großer Vorteil: Die Modul­bau­weise kann Umwelt­be­las­tungen wie hohen Ressour­cen­ver­brauch und CO2-Ausstoß redu­zieren. Das gelingt durch gezielte Konstruk­ti­ons­prin­zi­pien, die später Trennung, Rückbau und Wieder­ver­wen­dung der Mate­ria­lien erleich­tern. Modulares, serielles Bauen ist für Achim Hannott,  Geschäfts­führer des Bundes­ver­bands Deutscher Fertigbau, eine zukunfts­fä­hige Lösung für den Spagat zwischen Wohnungs­mangel und Klima­schutz­zielen: „Was bei Wohn­häu­sern in Holz­fer­tig­bau­weise seit Jahr­zehnten bewährt ist, wird heute auch bei großen Wohn- und Objekt­bauten, bei Bestand­ser­wei­te­rungen und bei der Quar­tiers­ent­wick­lung immer stärker nach­ge­fragt. Modulares, serielles Bauen setzt auf Skalen­ef­fekte, die Bauvor­haben durch wieder­keh­rende Prozesse und Produkte schneller und kosten­güns­tiger machen.“ Die sinnvolle Vernet­zung von digitalen Anwen­dungen, Prozessen und Daten im Werk bei Vorfer­ti­gungs­pro­zessen und auf der Baustelle ist heute schon gelebte Praxis. Robo­tik­an­wen­dungen, die Mauern bauen, Wände verputzen oder präzise Bohr­lö­cher für Unter­kon­struk­tionen setzen, werden als Maßnahmen zur Erhöhung der Qualität einge­setzt und sind zugleich ein Anreiz für eine neue Gene­ra­tion Fach­kräfte.

 

Drei Fragen an Reinhard Pfeiffer, Geschäfts­führer Messe München

Vom 13. bis 17. Januar 2025 findet in München die BAU – Welt­leit­messe für Archi­tektur, Mate­ria­lien und Systeme statt. Ein Kurz­in­ter­view mit dem Geschäfts­führer der Messe München, Reinhard Pfeiffer, zum Leitthema „modulares, serielles Bauen“.

Der Begriff „modulares, serielles Bauen“ wird oft als Rettung des Wohnungs­baus genannt. Welche Bedeutung hat für Sie diese Bauweise?

Reinhard Pfeiffer, Geschäfts­führer des Messe München

Das modulare und serielle Bauen besitzt ein sehr großes Potenzial und kann einen großen Beitrag für güns­ti­geres Bauen und somit auch bezahl­baren Wohnraum leisten. Die Vorteile liegen in der Produk­tion der Module. Mithilfe von digitalen Werk­zeugen und Prozessen entstehen diese Bauteile in der Vorfer­ti­gung mit hoher Qualität und ermög­li­chen gleich­zeitig einen effi­zi­enten Mate­ri­al­ein­satz.

Welche Rolle nimmt Holz als Baustoff ein?

Holz darf man als den Baustoff der Zukunft bezeichnen. Es ist ein nach­wach­sender Rohstoff, der ohne großen Aufwand angebaut und vor allem regional genutzt und verar­beitet werden kann. In Bezug auf modulares und serielles Bauen ist das natürlich ein großer Pluspunkt. Außerdem erleich­tert Holz als Baustoff das Recycling.

Die Baubranche leidet zunehmend am Fach­kräf­te­mangel. Wie kann eine Messe wie die BAU hier unter­stützen und Menschen für die Arbeit in diesem Bereich gewinnen?

Sicher­lich trifft der Fach­kräf­te­mangel den Bau bzw. das Handwerk vermeint­lich stärker, da viele junge Menschen heut­zu­tage ein Studium vorziehen und keine Ausbil­dung in einem hand­werk­li­chen Beruf wählen. Deshalb rücken wir unter anderem mit dem Zentral­ver­band des Deutschen Bauge­werbes Hand­werks­be­rufe während der Welt­leit­messe BAU in den Fokus. Zum Beispiel zeigen Zimmerer, Maurer oder Flie­sen­leger live und hautnah ihr Können und geben einen Einblick in die Arbeits­welt des Handwerks.

Foto: Getty Images
Reinhard Pfeiffer, Geschäfts­führer des Messe München