Rumä­ni­sche Moderne

Canta­cu­zino-Ausstel­lung in Berlin

In Bukarest stadt­bild­prä­gend, hier­zu­lande beinahe unbekannt: Dem rumä­ni­schen Archi­tekten, Maler und Intel­lek­tu­ellen George Matei Canta­cu­zino (1899–1960) wurde erst in letzter Zeit Aufmerk­sam­keit zuteil. Dazu trug unter anderem eine Mono­gra­phie von Dan Teodo­ro­vici bei, die 2014 im Wasmuth-Verlag erschien. Auch das in den letzten Jahren konti­nu­ier­lich steigende Interesse an den Balkan-Staaten, ihrer Geschichte, Kultur und mithin Archi­tektur dürfte eine nicht unwe­sent­liche Rolle bei der (Neu-)Entdeckung dieses in Rumänien so wichtigen Archi­tekten gespielt haben. Nun zeigt das Archi­tek­tur­mu­seum der Tech­ni­schen Univer­sität Berlin sein Werk.

In Wien geboren und in der Schweiz, Frank­reich und Bukarest ausge­bildet, arbeitete er als Steinmetz und studierte anschlie­ßend in Paris, wo er sich für Palladio, Goethe und Valéry begeis­terte. Später ließ er sich von der Groupe des archi­tectes modernes um Auguste Perret anregen und entfal­tete eine „klas­si­sche Haltung“, die auch in der Tradition von Schinkel, Semper, Wagner und Loos stand. Seine Hoch­zeiten als Architekt waren die dreißiger Jahre, als er rund 70 Gebäude in Bukarest reali­sierte – der Stadt, die nach dem 1. Weltkrieg von der Klein­stadt zur Metropole wachsen sollte. Als erster Rumäne wurde er Korre­spon­dent der L’Ar­chi­tec­ture d’Au­jour­d’hui,Honorary Corre­spon­dence Member of the Royal Institute of British Archi­tects und Ehren­bürger von New York.

Der Kosmo­polit Canta­cu­zino gilt als die inte­gra­tive Figur der Moderne im Rumänien der 1930er Jahre. Dennoch erlebte er aufgrund seiner liberalen Haltung, die weder mit dem Faschismus noch mit dem Kommu­nismus zu verein­baren war, Gefan­gen­schaft, soziale Ausgren­zung und frühen Tod. Zudem wurden einige seiner Gebäude unter Nicolae Ceaușescu zerstört.

Mono­gra­phie und Ausstel­lung sind also auch als Reha­bi­li­tie­rung und späte Aner­ken­nung seines Werkes zu verstehen. Das Archi­tek­tur­mu­seum zeigt einen Quer­schnitt durch sein Ouvre. Die Ausstel­lung ist als wandernde konzi­piert und wurde zuvor in Stuttgart, München, Karlsruhe und London präsen­tiert.

Red.

George Matei Canta­cu­zino (1899–1960). Eine hybride Moderne
Bis 13. Mai 2015
Öffnungs­zeiten: Mo bis Do 12.00 – 16.00 Uhr

Archi­tek­tur­mu­seum TU Berlin
Straße des 17. Juni 150/152
10623 Berlin

Fotos: Dan Teodo­ro­vici, Archiv Canta­cu­zino, London, Archiv Octav Doicescu, Bukarest