Schim­mernd glasiert

Berliner Haus des Rundfunks saniert

Hans Poelzig, Haus des Rundfunks, Berlin 1927-1931, Fassadensanierung: Bräunlin + Kolb Architekten Ingenieure, 2010-2013, Foto: Bräunlin + Kolb

1931 wurde das von Hans Poelzig entwor­fene „Haus des Rundfunks“ als erstes Rund­funk­ge­bäude Europas in Berlin eröffnet. Der Bau – gegenüber der Messe und dem signi­fi­kanten Funkturm im Westen der Stadt gelegen – besticht vor allem durch seine rund 3.000 Quadrat­meter große Haupt­fas­sade entlang der Masu­ren­allee. Hoch­ge­brannter Klinker, gelb-braune Fens­ter­rahmen und subtil schim­mernd glasierte Kera­mik­platten prägen das Haus an dieser Stelle, so dass Julius Posener 1994 in einem Aufsatz schrieb: „Diese Fassade ist farblich das Schönste, was Poelzig in meinen Augen je gemacht hat.“

Im zweiten Weltkrieg wurden weite Teile des Bauwerks beschä­digt. Die Wieder­eröff­nung des Lichthofs, die Wieder­her­stel­lung der Eingangs­halle und die Reno­vie­rung der Haupt­fas­sade fanden schließ­lich erst 1987 statt. Trotz dieser Eingriffe schien die Verkehrs­si­cher­heit des Gebäudes dem Betreiber Rundfunk Berlin Bran­den­burg (rbb) jedoch bereits in den „Nuller Jahren“ nicht mehr gewähr­leistet: Abge­platzte Kera­mik­teile, Ausbrüche und Risse in den Fugen und im falschen Farbton nach­ge­brannte Keramik machten eine zweite Sanierung erfor­der­lich – nicht zuletzt befürch­tete man in der Bausub­stanz verbor­gene Hohl­stellen, die zu Wasser­schäden hätten führen können.

So beauf­tragte der rbb 2010 das Büro Bräunlin + Kolb mit der Unter­su­chung, Planung und Instand­set­zung der Fassade. In einem aufwen­digen Verfahren machte sich das Planer­team zunächst daran, die beiden rück­wär­tigen Klin­ker­fas­saden wieder herzu­stellen: Fugen, Fens­ter­ele­mente und Außen­be­leuch­tung wurden erneuert. Im Anschluss unter­suchte man jede einzelne Keramik der Haupt­fas­sade auf Hohl­stellen und Risse, kartierte die Schäden und analy­sierte die Farben der Kera­mik­ele­mente und die chemische Zusam­men­set­zung des Fugen­mör­tels. Um das Origi­nal­bild herzu­stellen, fertigten regionale Ziege­leien zunächst Muster­stücke, dann eine ganze Muster­wand und schließ­lich wurden die einzelnen Fassa­den­ele­mente nach­ge­brannt und hand­ver­lesen ausge­wählt.

Das Ergebnis, bereits Ende des letzten Jahres fertig geworden, besticht nicht nur durch hand­werk­liche, sondern auch plane­ri­sche Akku­ra­tesse, die der Origi­nal­pla­nung so nahe kommt, dass man dem Poel­zigbau heute wieder ansieht, warum Posener ob seiner Farbig­keit derart ins Schwärmen geriet.

David Kasparek

Hans Poelzig, Haus des Rundfunks, Berlin 1927–1931
Fassa­den­sa­nie­rung: Bräunlin + Kolb Archi­tekten Inge­nieure (Berlin/​Basel), 2010–2013
Fotos: Bräunlin + Kolb / Barbara Schmidt