Immer noch auf Sendung

Erneut suchen wir ein Bauwerk, das eine besondere Rolle in der Archi­tek­tur­ge­schichte der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigen­schaft, eine unge­wöhn­liche Geschichte oder eine spezi­fi­sche Merk­wür­dig­keit. Lösungs­vor­schläge können per Post, Fax oder E‑Mail an die Redaktion gesandt werden. Unter den Einsen­dern der richtigen Antwort verlosen wir wir ein Exemplar von „Elements of Archi­tec­ture“ (siehe der architekt 6/18, S.12). Einsen­de­schluss ist der 18. Januar 2019.

Der gesuchte „tatort“ liegt an der deutsch-fran­zö­si­schen Grenze. Erste Pläne für den Bau der Einrich­tung gab es bereits im Zweiten Weltkrieg. Erst die besondere poli­ti­sche Situation der Nach­kriegs­zeit, der die nationale Zuge­hö­rig­keit des Standorts in Frage stellte, gab den Ausschlag für den Bau des Gebäudes, das zu einer Sende­an­lage gehört, die zu den größten der Erde zählt und die stärkste auf dem Terri­to­rium der Bundes­re­pu­blik ist. Mit der Wahl des Platzes ergab sich für den Auftrag­geber, einen privaten Medi­en­kon­zern, der unter anderem Fürst Rainier von Monaco gehörte, die Möglich­keit, ein eigenes Radio­pro­gramm mit Werbe­sen­dungen auszu­strahlen, was in Frank­reich durch das staat­liche Sende-Monopol nicht möglich gewesen wäre. Damit konnte der Konzern in Konkur­renz zu einem in Luxemburg ansäs­sigen, ebenfalls fran­zö­sisch­spra­chigen Sender treten. Als Ausgleich für die Bau- und Betriebs­ge­neh­mi­gung lieferte die mone­gas­si­sche Produk­ti­ons­ge­sell­schaft einem unter fran­zö­si­scher Verwal­tung stehenden deutschen Sender kostenlos täglich ein drei­stün­diges Fern­seh­pro­gramm, das durch eine „péné­tra­tion cultu­relle“ die Stimmung der deutschen Bevöl­ke­rung im Sinne der fran­zö­si­schen Besat­zungs­macht und eines dauer­haften Anschlusses des Sende­ge­biets an Frank­reich beein­flussen sollte.

Foto: Zonk43

Der „tatort“ entstand als verglaste Spann­be­ton­halle mit frei tragendem Hängedach – als einer der ersten Bauten dieser Art weltweit. Der Architekt gliederte die Wände des muschel­för­migen Baus in regelmäßigen Abständen durch tragende Pfeiler, die mit einem Ringanker einge­fasst wurden. Nach der Ausscha­lung des Daches verformte sich der Anker jedoch so stark, dass das Dach einstürzte. Der Architekt nahm sich daraufhin das Leben. Während der Sende­be­trieb in Behelfs­ba­ra­cken aufge­nommen wurde, beauf­tragte man eine fran­zö­si­sche „Beton­ko­ry­phäe“ mit dem Weiterbau des Sende­ge­bäudes. Der Mann, der als erster vorge­spannten Beton entwi­ckelt und ange­wendet hatte, sicherte das Hallen­dach durch zusätzliche Zugbänder und neue Stahl­seile, die eine Heraklit-Schalung bekamen.

Darauf wurde eine Beton­decke ohne Dehnungs­fuge mit vier Zenti­me­tern Dicke gegossen, die auch den am Ort herr­schenden Wind­stärken genügte, wenn­gleich das Dach durch heftige Böen bis heute in Bewegung versetzt wird. Vor wenigen Jahren wurde das inzwi­schen unter Denk­mal­schutz stehende Gebäude restau­riert. Dabei zog man zusätz­liche Stahl­seile und einen neuen Ringanker ein. Obwohl inzwi­schen einer der bis zu 280 Meter hohen Sende­masten teilweise einge­stürzt ist und nebst einem weiteren Mast gesprengt wurde, dient die Anlage heute noch ihrem ursprüng­li­chen Zweck – auch wenn sie inzwi­schen von einer Tochter jener luxem­bur­gi­schen Sende­an­stalt betrieben wird, gegen die sie ursprüng­lich in Konkur­renz trat. Welches Gebäude suchen wir, wo liegt es, und wer sind die beiden Archi­tekten, die es gebaut haben?

Der „tatort“ der Ausgabe 5/18 war die Anna­kirche in Düren, die Rudolf Schwarz 1954 entworfen hat und die 1956 konse­kriert wurde. Gewinner des Buch­preises ist Hans Waechter aus Mühtal-Trautheim.

Foto: Zonk43