Blaue Fliesen
Gesucht wird wieder ein Bauwerk, das in der Architekturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine besondere Rolle spielt – sei es durch eine außergewöhnliche Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können per E‑Mail an redaktion[at]die-architekt.net eingereicht werden. Zu gewinnen gibt es ein Buch. Einsendeschluss ist der 31. Januar 2026.
In Anlehnung an die blauen Hundert-Mark-Scheine der Bundesrepublik waren „blaue Fliesen“ oder „blaue Kacheln“ in der DDR auch eine Tarnbezeichnung für Westgeld, das nicht selten als Schattenwährung eingesetzt wurde. Dass nun die Außenwände des bestimmenden Kubus’ unseres diesmaligen Tatorts unter der breiten, weißen Attikaverkleidung mit blauen Emaille-Kacheln ummantelt sind, die mit ihrer pyramidenförmigen Gestalt der Fassade Plastizität verleihen, ist zwar wahrscheinlich kein versteckter Hinweis – dennoch kann man es in Hinblick auf die zwei Institutionen amüsant finden, die in diesem Gebäude ansässig waren und sind. Beide sind im weitesten Sinne, wenngleich in sehr unterschiedlicher Weise, dem Staatsbetrieb zuzurechnen und nutz(t)en den Tatort in gleicher Funktion.

Zwischenzeitlich waren in den Räumlichkeiten ein Gästehaus und eine Fachhochschule untergebracht, es fanden Tagungen statt, Flohmärkte, Konzerte und Tanzveranstaltungen. Die Bausubstanz und opulente Inneneinrichtung blieben davon unberührt, sogar die originale baubezogene Kunst wurde all die Jahre bewahrt, wenn auch mitunter versteckt. Daran änderte auch die jüngste Instandsetzung und Erweiterung nichts, bei der von den Gebäudehüllen bis hin zu bestimmten Möbelstücken, Tapeten und Staffage ein großer Teil bis ins Detail saniert oder nachgebaut wurde. Damit ist die Architektur die einzige ihrer Art, an der sich das ursprüngliche Bauprogramm noch nachvollziehen lässt, da alle anderen Bauten dieser Typologie stark überformt oder verloren sind.
Vier funktional und morphologisch verschiedene Flügel umschließen einen begrünten Innenhof. Dieser geschlossene Grundriss provozierte den einstigen Spitznamen des von einem Architektenkollektiv entworfenen Komplexes. Der genannte Kubus ragt weit über seinen Unterbau hinaus und bildet zusammen mit seinen schmucklosen Stützen einen Portikus, der den Haupteingang überfängt. Durch diesen gelangt man in ein Foyer, über dem der zentrale Versammlungssaal liegt. Ein niedriger, großzügig durchfensterter Gebäuderiegel westlich davon verbindet das Volumen mit dem anderen markanten, weithin sichtbaren Flügel des Ensembles: eine Hochhausscheibe, dessen zwölf Geschosse durch gelbe Bänder voneinander abgesetzt sind. Die neue Dämmung an den Längsseiten ahmt dabei das ehemalige Fassadenrelief nach. Wie heißt der gesuchte Tatort, wann wurde er wo gebaut und wer waren seine Architekten?
Der Tatort aus Heft 4 / 2025 ist das Stadtbad Wuppertal, 1955 – 57 von Friedrich Hetzelt auf dem Johannisberg errichtet. Die Tragwerksplanung stammt von Fritz Leonhardt. Der volkstümliche Name „Schwimmoper“ hat sich schon in der Planungszeit eingebürgert, da auf diesem Grundstück ursprünglich der Neubau des Wuppertaler Opernhauses geplant war. Der Spitzname wird inzwischen vom Betreiber offiziell verwendet. Der Gewinner des Buchpreises ist Jan Oberfranc.
