The Dark Side of the Cloud

Die post­in­dus­tri­elle Zwischen­stadt der Daten­spei­cher­ge­bäude

Die dunklen und unver­ständ­li­chen Seiten der Cloud sind viel­fältig. Eine davon steht im Zusam­men­hang mit Über­wa­chungen durch Geheim­dienste, Enthül­lungen von Daten­miss­bräu­chen oder dem syste­ma­ti­schen Sammeln von Daten globaler Unter­nehmen. Eine andere dunkle Seite der Cloud zeigt sich deutlich darin, dass wir über die räum­li­chen Auswir­kungen und den damit verbun­denen Flächen­ver­brauch unserer Daten kaum etwas wissen. Aber die dunkelste Seite der Cloud sind die klima­ti­schen Auswir­kungen durch den konti­nu­ier­lich anstei­genden CO2-Fußab­druck von Rechen- und Spei­cher­ak­ti­vi­täten.

Daten und der Austausch von Infor­ma­tionen verlieren prin­zi­piell ihren räum­li­chen Bezug, der Spei­cherort als archi­tek­to­ni­scher Raum bleibt scheinbar irrele­vant. Digitale Daten unter­liegen einem ständigen Prozess, sie werden verschoben, kopiert, analy­siert, neupro­du­ziert; es handelt sich um eine fluide Masse. Der gebaute Raum für die digitalen Daten ist uns gegenüber entma­te­ria­li­siert – verdeut­licht durch das Bild der Cloud als etwas nicht Greif­bares, nicht Mate­ri­elles, sich Verflüch­ti­gendes. Die Cloud beschreibt eine orts­un­ab­hän­gige Dienst­leis­tung, wo Daten nicht mehr physisch auf unseren privaten Geräten gespei­chert werden, sondern ausge­la­gert sind. Für den Prozess der Ausla­ge­rung bietet die Cloud einen allge­gen­wär­tigen, unbe­grenzten und zunächst kosten­losen Raum zum Speichern. In unserem räum­li­chen Vorstel­lungs­ver­mögen gibt es keine konkreten geogra­fi­schen oder archi­tek­to­ni­schen Orte, die mit den notwen­digen raum­grei­fenden tech­ni­schen Struk­turen in Verbin­dung gebracht werden. Doch die ständig wachsende Daten­masse in der Cloud hat bauliche Folgen, immer mehr und größere technisch hoch­aus­ge­rüs­tete Daten­spei­cher­ge­bäude müssen gebaut und die bereits bestehenden erweitert werden. Die dunkle Seite der Cloud zeigt sich darin, dass die physische Infra­struktur der Daten­spei­che­rung für uns – die Nutzenden – so unzu­gäng­lich und ungreifbar ist wie eine Wolke selbst.

Wahr­neh­mung des Nicht-Wahr­nehm­baren

Die Cloud hat als gebaute Struktur eine schwer wahr­nehm­bare Form, was auch an der Form und Gestalt der Gebäude selbst liegt. Häufig werden die Bauten in ihrer räum­li­chen Dimension als abwesend empfunden, denn kaum jemand kennt oder entdeckt zufällig ein Daten­spei­cher­ge­bäude. Obwohl es sich häufig um gigan­ti­sche Gebäude handelt, bleibt der Maßstab vor Ort ungreifbar. Die Gebäude scheinen auf ihre Funktion beschränkt zu sein und nach Präsenz­lo­sig­keit – entgegen einer sicht­baren Anwe­sen­heit – zu streben. Daten­spei­cher­ge­bäude treten physisch nur in einem minimalen Maße in Erschei­nung und entziehen sich in ihrer flächigen Ausdeh­nung einer wahr­nehm­baren Form. Strengste Anfor­de­rungen der Dauer­haf­tig­keit, Sicher­heit und Effizienz bedingen die Gestalt. In der Regel gibt es dabei keinen ästhe­ti­schen Gestal­tungs­an­spruch, sondern vor allem ein Streben nach Unauf­fäl­lig­keit. Dies erinnert daran, wie Thomas Sieverts einen Gedan­ken­gang von Wolfgang Welsch zur „Wahr­neh­mung des Nicht-Wahr­nehm­baren“ auf die Zwischen­stadt überträgt und zu dem Schluss kommt, dass in der Zwischen­stadt „das Anäs­the­ti­sche, das norma­ler­weise nicht bewusst Wahr­ge­nom­mene, ein über­mä­ßiges Gewicht hat“1. In diesen Gedan­ken­gang reiht sich die Auffas­sung der vorherr­schenden Präsenz­lo­sig­keit von Daten­spei­cher­ge­bäuden lückenlos ein.Thomas Sieverts: Zwischen­stadt. Zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, Basel 2008 (1997), S. 110. ↩︎

Daten­spei­cher­ge­bäude als Antithese zur Cloud

Google Eemshaven, Nieder­lande, Foto: Katharina J. Neubauer

Die Wolken umgeben uns, aber sie bewegen sich nicht. Die Wolken sind massiv und dunkel­grau. Sie sind aus Beton und ihr Ressour­cen­ver­brauch ist extrem hoch. Die Verwen­dung des Begriffs „Cloud“ beein­flusst sowohl unsere Wahr­neh­mung als auch unsere räumliche Vorstel­lungs­kraft der digitalen Daten­spei­che­rung. Allein durch die Verwen­dung des Begriffs scheint sich unser digitales Handeln von der mate­ri­ellen Welt loszu­lösen. Wolken sind abstrakt, ephemer sowie unspe­zi­fisch in ihrem Auftreten und werden häufig mit etwas nicht real Vorhan­denem oder Fassbaren gleich­ge­setzt. „Aber die ‚Wolke‘ verbirgt, dass die Funda­mente keines­wegs aus imma­te­ri­ellen Bits und Bytes, sondern weiterhin mit Ziegel und Beton an bestimmten Orten im geogra­fi­schen Raum errichtet werden. Und während die Wolke leicht und frei am Himmel zu treiben scheint, vermehren sich die Daten­zen­tren oder Server­farmen, die die Dimen­sionen alter Indus­trie­an­lagen längst erreicht haben und zur Basis­in­fra­struktur der Wirt­schaft, aber auch des Staats geworden sind.“2 Während Florian Rötzer die Verschleie­rung der physi­schen Auswir­kungen durch den Begriff der Cloud bemerkt und dessen Hoch­si­cher­heits­an­lagen als „Antithese der Cloud“ bezeichnet, spricht Alexander Taylor der Cloud sogar ein ihr inne­woh­nendes Gefühl zu, das einen Lebens­stil zur Folge hat, der von nahtloser Konti­nuität und ständiger Konnek­ti­vität bestimmt ist. Durch den Begriff der Cloud als meta­pho­ri­sche Konzep­tion sowie als marke­ting­ge­trie­bene Bezeich­nung ließe sich der Schluss ziehen, dass ein öffent­li­ches Bewusst­sein für deren räumliche Auswir­kungen absicht­lich irre­füh­rend ist: „Perhaps the greatest trick tech companies ever pulled was convin­cing the world that their data doesn’t exist, in physical form, at least.“3 Eine andere Sicht­weise ist, dass es nicht das Konzept ist, das uns – die Nutzenden – irre­führen soll. Vielmehr entspreche die Cloud unserem Wunsch nach persön­li­cher Effizienz und Mini­mie­rung der eigenen Umwelt­be­las­tungen durch Mate­ri­elles. Die Cloud hat die Idee ihrer tech­no­lo­gi­schen Plattform längst über­schritten und ist zu einer Metapher geworden, die die gegen­wär­tige Welt orga­ni­siert.4Florian Rötzer: Wo wohnt das Internet?, in: Baumeister, Jg. 111, Heft 8, 2014, S. 74 – 85. ↩︎Alexander Taylor: The Infra­struc­tural Excess of the Data Centre Industry, in: Failed Archi­tec­ture, 2018, www.failedarchitecture.com/failover-­architectures-the-infrastructural-excess-of-the-data-centre-industry/, Seiten­aufruf: 22.03.2019. ↩︎Tung-Hui Hu: A prehistory of the cloud, Cambridge 2015, S. XIII, XVII. ↩︎

Maschi­nen­ge­prägte Land­schaft

Google Eemshaven, Nieder­lande, Foto: Katharina J. Neubauer

Zur dunklen Seite der Cloud gehört auch die Diskus­sion über die Entwick­lung einer voll­au­to­ma­ti­sierten Industrie im länd­li­chen Raum, der soge­nannten Machine Land­scapes.5 In diesem Zusam­men­hang spricht Rem Koolhaas über die Relevanz von post-human archi­tec­ture und thema­ti­siert damit die program­ma­ti­sche und räumliche Trennung von Bereichen, die für die Menschen, und Bereichen, die für die Maschinen vorge­sehen sind.6 Nach Rem Koolhaas besteht ein immer größer werdender Gegensatz zwischen Stadt und Land­schaft: Die Stadt hat eine hohe Dichte und ist von Menschen besetzt; das Land oder auch die Peri­pherie hat eine niedrige Dichte und ist von voll­au­to­ma­ti­sierten Maschinen besetzt.7 Es gibt Orte, an denen die Menschen leben, und Orte, an denen die Maschinen „leben“. Das tradi­tio­nelle Modell – Natur auf dem Land und Maschinen in der Stadt – kehrt sich um.8 Die program­ma­ti­sche Hier­ar­chi­sie­rung führt zu komple­men­tären Räumen: Auf der einen Seite die logische und voll­au­to­ma­ti­sierte Land­schaft, auf der anderen Seite die reprä­sen­ta­tive und lebhafte Stadt. Die Land­schaften sind mehr und mehr auf Maschinen und nicht auf Menschen ausge­richtet. Auch die Bewegung in diesen Gebieten erfolgt haupt­säch­lich mit dem Auto. Auf der Suche nach einem Zugang zu diesen neu entste­henden Räumen deutet Benjamin H. Bratton sie als Teil des Post-Anthro­pozän. Darunter fallen auch Daten­spei­cher­ge­bäude als neue Typologie, die nicht mehr Menschen, sondern Maschinen im Zentrum des Entwurfs haben. Die Gebiete, die für Daten­spei­cher­ge­bäude, Distributionszen­tren und eine auto­ma­ti­sierte Land­wirt­schaft vorge­sehen sind, klas­si­fi­ziert er als Human Exclusion Zones.9 Menschen sind aus diesen Bereichen nahezu ausge­schlossen, weil ein Großteil der dort vorhan­denen Gebäude auto­ma­ti­siert funk­tio­niert und nur eine sehr geringere Perso­nen­zahl zur Funktion benötigt wird. Diese Zonen werden ausschließ­lich von auto­ri­sierten oder invol­vierten Personen betreten, die dort ein spezi­elles Anliegen oder ihr Tätig­keits­feld haben. Nach Benjamin H. Bratton, wie in ähnlicher Weise von Koolhaas aufge­führt, kommt es hier zur Diffe­ren­zie­rung zwischen dem urbanen Kern als Fronts­tage Zone für Menschen zum Leben und zur Unter­hal­tung sowie der länd­li­chen Peri­pherie als Backstage Zone für die Energie, die Logistik und die auto­ma­ti­sierte Land­wirt­schaft.10 Es entsteht in einem kaum fassbaren Ausmaß Archi­tektur im Hinter­land, ohne notwen­dige Präsenz von Menschen. Dabei wird offenbar leicht vergessen, dass auch auto­ma­ti­sierte Bereiche nur mit mensch­li­cher Arbeits­kraft geführt werden können. Daten­spei­cher­ge­bäude sind Teil der tech­ni­schen Infra­struktur, die die Land­schaft immer mehr durch­dringt und über­la­gert. Dieser Wandel spiegelt die räumliche Dimension der globa­li­sierten und mobilen Gesell­schaft wider.Titel der 2019 erschie­nenen Ausgabe von Archi­tec­tural Design: „Machine Land­scapes. Archi­tec­tures of the Post-Anthro­po­cene“. ↩︎Vgl. Rem Koolhaas, 2017, www​.strel​kamag​.com/​e​n​/​a​r​t​i​c​l​e​/​k​o​o​l​h​a​a​s​-​a​n​d​-​b​r​a​t​ton, Seiten­aufruf: 17.09.2018. ↩︎Die Betrach­tung von Rem Koolhaas bezieht sich auf einen ameri­ka­ni­schen Kontext. Die Ausdeh­nung der ameri­ka­ni­schen Land­fläche ist auch im Zusam­men­hang zur Bevöl­ke­rungs­dichte wesent­lich größer als in Europa. Trotzdem lassen sich seine Über­le­gungen als globale Verän­de­rung verstehen, die sich auch auf einen euro­päi­schen Kontext über­tragen lassen. ↩︎Vgl. Koolhaas, Rem (wie Anm. 6) und: Ich würde gern Gebäude für Maschinen bauen, in: brand eins, Jg. 21, Heft 5, 2019, S. 32 – 39. ↩︎Vgl. Benjamin H. Bratton: Further Trace Effects of the Post-Anthro­pho­cene, in: Archi­tec­tural Design, Jg. 257, 2019, S. 15 – 19. ↩︎Ebd., S. 18. ↩︎

Daten­spei­cher­ge­bäude in der Zwischen­stadt

Google Eemshaven, Nieder­lande, Foto: Katharina J. Neubauer

Thomas Sieverts charak­te­ri­sierte unter anderem das Rhein-Main-Gebiet als Zwischen­stadt.11 Heute – 25 Jahre später – ist es genau diese Metro­pol­re­gion, die bekannt ist für ihre besonders hohe Dichte an Daten­spei­cher­ge­bäuden. Gemessen an der Menge des Daten­durch­flusses ist Frankfurt am Main der bedeu­tendste Standort innerhalb Deutsch­lands. Hier werden die weltweit wich­tigsten Glas­fa­ser­kabel von DE-CIX, dem deutschen Inter­net­knoten, mitein­ander verbunden. Ein weiterer Grund ist die räumliche Nähe zum Finanz­markt und das Bestreben, die benö­tigten Infra­struk­turen für den Handel zur Verfügung zu stellen. Schließ­lich sind hier verschie­dene inter­na­tio­nale Banken, die Deutsche Börse, die Euro­päi­sche Zentral­bank, die Messe und der größte Flughafen als wich­tigstes natio­nales Drehkreuz in Deutsch­land ange­sie­delt. Die Zwischen­stadt bietet auch deshalb besondere Vorteile für die Ansied­lung von Daten­spei­cher­ge­bäuden, da die Funktion gar nicht oder nur bedingt auf den urbanen Raum ange­wiesen ist. Für manche Betreiber ist eine Anbindung an das Stadt­zen­trum und zu guten Fach­kräften sowie räumliche Erwei­te­rungs­mög­lich­keiten und günstige Grund­stücks­preise viel wichtiger. Grund­sätz­lich ist die Wahl des Standorts durch eine Vielfalt von Faktoren bedingt, etwa konti­nu­ier­liche Inter­net­an­bin­dung, größt­mög­liche Risi­ko­mi­ni­mie­rung hinsicht­lich Natur­ka­ta­stro­phen und terro­ris­ti­schen Angriffen, sichere Ener­gie­ver­sor­gung und infra­struk­tu­relle Vorteile. Viele dieser Entschei­dungen auf geogra­fi­scher Ebene führen dazu, dass die Gebäude sich meist außerhalb der Städte in Randzonen, im logis­ti­schen Hinter­land oder in der Peri­pherie befinden. Für inter­na­tio­nale Tech-Unter­nehmen wie Google und Facebook spielen der vorteil­hafte klima­ti­sche und geopo­li­ti­sche Kontext sowie wirt­schaft­liche Aspekte eine große Rolle, deshalb lassen sich diese Daten­spei­cher­ge­bäude häufig im nörd­li­chen Europa finden, in deutlich isolierten Gebieten, abseits der Städte, tief in ausschließ­lich indus­triell und land­wirt­schaft­lich genutzten Land­schaften. Die Lage von Daten­spei­cher­ge­bäuden ist einer breiten Öffent­lich­keit oft nicht bekannt, wird aber auch nicht verheim­licht. Die Nicht-Loka­li­sie­rung der Gebäude bedingt sich durch die program­ma­ti­sche Ebene: Wir benötigen keinen physi­schen Bezug zu diesen Gebäuden.Sieverts (wie Anm. 1), S. 18. ↩︎

Symbio­ti­sche Stadt

Google Eemshaven, Nieder­lande, Luftbild: Google LLC, Image Landsat / Coper­nicus (Google Earth), 2022

Die dunklen Seiten der Cloud zeigen sich in der Unver­ständ­lich­keit und Undurch­dring­lich­keit der Vorgänge der Daten­spei­che­rung und den räum­li­chen Auswir­kungen. Hinzu kommen die großen Ener­gie­auf­wen­dungen, die für den Bau und den Betrieb von Daten­spei­cher­ge­bäuden nötig sind. Gleich­zeitig ist der globale Trend der immer weiter­wach­senden Daten­menge für den Moment unum­kehrbar, somit gilt es einen nach­hal­tigen und bewussten Umgang damit zu finden. Kann die Cloud in all ihren dunklen Facetten positive Begleit­erschei­nungen mit sich bringen? Kann der Leerraum zwischen dem Image der ortlosen Cloud und der Verkör­pe­rung der Cloud in massiven Daten­spei­cher­ge­bäuden gefüllt werden?

Ein gesell­schaft­li­ches Bewusst­sein für die Gebäude kann unter anderem durch hybride Nutzungen herge­stellt wer­den, beispiels­weise in Verbin­dung mit Schwimm­bä­dern oder Gewächs­häu­sern oder durch Nach­nut­zung bestehender Gebäude. Ein aktuelles Beispiel ist die Umnutzung des von Egon Eiermann entwor­fenen Haupt­ge­bäudes für den Versand­händler Necker­mann in Frankfurt am Main. Hier wird der denk­mal­ge­schützte Bau von der Waren- zur Daten-Logistik trans­for­miert. Es soll sogar ein kleines, privates Internet-Museum mit Café inte­griert werden.12 Einen wesent­li­chen Aspekt im zukünf­tigen und nach­hal­tigen Umgang mit Daten­spei­cher­ge­bäuden wird die Nutzung der erzeugten Abwärme einnehmen, wobei Daten­spei­cher­ge­bäude selbst als Ener­gie­quelle fungieren können. Eine räumliche Verbun­den­heit ist notwendig für die Abgabe der Abwärme an umgebende Wohn­ge­biete oder Indus­trie­ge­biete. Generell geht es bei der Posi­tio­nie­rung und Gestalt der Gebäude aber auch um die zukünf­tige Beziehung der Stadt zum länd­li­chen Raum, gerade im Hinblick auf die Vermei­dung von auto­ma­ti­sierten Gebieten, wo Menschen nahezu ausge­schlossen sind. Innerhalb der Frage nach einer nach­hal­tigen Entwick­lung sollten auch neue Planungs- und Gestal­tungs­an­sätze in Richtung einer symbio­ti­schen Stadt disku­tiert werden.13 Nur durch Archi­tektur kann die Cloud – und der gebaute Raum für die Spei­che­rung der Daten – ins Bewusst­sein der Gesell­schaft rücken. Es besteht ein wesent­lich größeres Potenzial, das weit über die mono­funk­tio­nale Betriebs­fä­hig­keit der Daten­spei­cher­ge­bäude hinaus­geht und zu den Ansprü­chen einer produk­tiven, gemischten und selbst­be­stimmten Zwischen­stadt passt.Vgl. Dennis Pfeiffer-Goldmann: Digi­tal­park in Frankfurt. Das sind die Pläne für die alte Necker­mann-Zentrale, in: Frank­furter Neue Presse, 29.08.2021, www.fnp.de/frankfurt/frankfurts-­alte-neckermann-zentrale-hat-eine-digitale-zukunft-90946723.html, Seiten­aufruf: 13.08.2022. ↩︎Thomas Sieverts: Die verstäd­terte Land­schaft – die verland­schaf­tete Stadt. Zu einem neuen Verhältnis von Stadt und Natur, in: Wolken­ku­ckucks­heim, Jg. 4, Heft 2, 2000, www​.cloud​-cuckoo​.net/​o​p​e​n​a​r​c​h​i​v​e​/​w​o​l​k​e​/​d​e​u​/​T​h​e​m​e​n​/​9​9​2​/​S​i​e​v​e​r​t​s​/​s​i​e​v​e​r​t​s​.​h​tml, Seiten­aufruf: 10.08.2022. ↩︎

Dr. Katharina Jeannie Neubauer studierte Archi­tektur an der RWTH Aachen und der TU Berlin. Nach dem Master 2014 arbeitete sie als Archi­tektin im Büro Max Dudler, ab 2018 war sie wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin am Fach­ge­biet für Entwerfen und Baukons­truktion der TU Berlin. 2020 schloss sie dort ihre Doktor­ar­beit zum Thema Daten­spei­cher­ge­bäude im Span­nungs­feld zwischen gesell­schaft­li­cher Bedeutung und räum­li­cher Präsenz­lo­sig­keit ab. Seit Anfang 2022 arbeitet sie als Archi­tektin im Büro Schneider & Schneider in Aarau, ab September 2022 ist sie Gast­do­zentin für Entwurf und Konstruk­tion an der Hoch­schule Luzern.

  1. Thomas Sieverts: Zwischen­stadt. Zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, Basel 2008 (1997), S. 110. ↩︎
  2. Florian Rötzer: Wo wohnt das Internet?, in: Baumeister, Jg. 111, Heft 8, 2014, S. 74 – 85. ↩︎
  3. Alexander Taylor: The Infra­struc­tural Excess of the Data Centre Industry, in: Failed Archi­tec­ture, 2018, www.failedarchitecture.com/failover-­architectures-the-infrastructural-excess-of-the-data-centre-industry/, Seiten­aufruf: 22.03.2019. ↩︎
  4. Tung-Hui Hu: A prehistory of the cloud, Cambridge 2015, S. XIII, XVII. ↩︎
  5. Titel der 2019 erschie­nenen Ausgabe von Archi­tec­tural Design: „Machine Land­scapes. Archi­tec­tures of the Post-Anthro­po­cene“. ↩︎
  6. Vgl. Rem Koolhaas, 2017, www​.strel​kamag​.com/​e​n​/​a​r​t​i​c​l​e​/​k​o​o​l​h​a​a​s​-​a​n​d​-​b​r​a​t​ton, Seiten­aufruf: 17.09.2018. ↩︎
  7. Die Betrach­tung von Rem Koolhaas bezieht sich auf einen ameri­ka­ni­schen Kontext. Die Ausdeh­nung der ameri­ka­ni­schen Land­fläche ist auch im Zusam­men­hang zur Bevöl­ke­rungs­dichte wesent­lich größer als in Europa. Trotzdem lassen sich seine Über­le­gungen als globale Verän­de­rung verstehen, die sich auch auf einen euro­päi­schen Kontext über­tragen lassen. ↩︎
  8. Vgl. Koolhaas, Rem (wie Anm. 6) und: Ich würde gern Gebäude für Maschinen bauen, in: brand eins, Jg. 21, Heft 5, 2019, S. 32 – 39. ↩︎
  9. Vgl. Benjamin H. Bratton: Further Trace Effects of the Post-Anthro­pho­cene, in: Archi­tec­tural Design, Jg. 257, 2019, S. 15 – 19. ↩︎
  10. Ebd., S. 18. ↩︎
  11. Sieverts (wie Anm. 1), S. 18. ↩︎
  12. Vgl. Dennis Pfeiffer-Goldmann: Digi­tal­park in Frankfurt. Das sind die Pläne für die alte Necker­mann-Zentrale, in: Frank­furter Neue Presse, 29.08.2021, www.fnp.de/frankfurt/frankfurts-­alte-neckermann-zentrale-hat-eine-digitale-zukunft-90946723.html, Seiten­aufruf: 13.08.2022. ↩︎
  13. Thomas Sieverts: Die verstäd­terte Land­schaft – die verland­schaf­tete Stadt. Zu einem neuen Verhältnis von Stadt und Natur, in: Wolken­ku­ckucks­heim, Jg. 4, Heft 2, 2000, www​.cloud​-cuckoo​.net/​o​p​e​n​a​r​c​h​i​v​e​/​w​o​l​k​e​/​d​e​u​/​T​h​e​m​e​n​/​9​9​2​/​S​i​e​v​e​r​t​s​/​s​i​e​v​e​r​t​s​.​h​tml, Seiten­aufruf: 10.08.2022. ↩︎
Google Eemshaven, Nieder­lande, Foto: Katharina J. Neubauer
Google Eemshaven, Nieder­lande, Foto: Katharina J. Neubauer
Google Eemshaven, Nieder­lande, Foto: Katharina J. Neubauer
Google Eemshaven, Nieder­lande, Luftbild: Google LLC, Image Landsat / Coper­nicus (Google Earth), 2022