Trans­for­ma­tionen

Krea­tiv­quar­tier München

Am 12. September eröffnet auf dem Gelände der ehema­ligen Luit­pold­ka­serne in München die Ausstel­lung UNDER (DE)CONSTRUCTION. Für die Show haben sich acht inter­na­tio­nale und nationale Künst­le­rinnen und Künstler mit den Bauten auf dem Gewer­be­areal und deren Geschichte sowie den anste­henden Restruk­tu­rie­rungs­pro­zessen ausein­an­der­ge­setzt – denn einige der Gebäude werden bald abge­rissen, andere saniert und erweitert. Im Rahmen der Ausstel­lung wird die ehemalige Kaserne mit Instal­la­tionen, Perfor­mances, Theater, Tanz und Video bespielt. Der Außenraum wird in Zusam­men­ar­beit mit Labor München für die Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht. Mit dem ausfalt­baren Contai­ner­modul COCOBELLO des Münchner Archi­tekten Peter Haimerl wird eine mobile Struktur aufgebaut, die als zentrales Infor­ma­ti­ons­portal für Besucher dient.

Schau­platz der Ausstel­lung ist das „Krea­tiv­quar­tier München“. Dass Kunst, Kultur und weitere unter dem Begriff Krea­tiv­wirt­schaft zusam­men­ge­fasste Gewerke zur Entwick­lung von Quar­tieren, mit Vorliebe brach liegenden Indus­trie­arealen, genutzt werden, ist ein alter Hut. Freiräume werden im Diskurs mitt­ler­weile nicht mehr als Makel wahr­ge­nommen, sondern – teils infla­tionär – als Möglich­keits- und Freiräume bezeichnet. Kaum eine größere deutsche Stadt, die nicht ihre unge­nutzten Über­bleibsel indus­tri­eller Struk­turen in Areale für Kunst und Kultur umformt oder zumindest umbenennt.

In der baye­ri­schen Landes­haupt­stadt ist es das 20 Hektar große „Krea­tiv­quar­tier München“, zwischen Dachauer‑, Loth‑, Schwere-Reiter‑, Heß- und Infan­te­rie­straße, auf das der Stadtrat seine Hoff­nungen setzt und das mittels Planungen und Entwürfen von Telein­ter­net­cafe und TH Treibhaus Land­schafts­ar­chi­tektur in ein urbanes Quartier umge­wan­delt werden soll, in dem Arbeit, Wohnen und Kunst eng verknüpft sind (siehe den Beitrag von Telein­ter­net­cafe in der architekt 2/14). Das Besondere im Münchner Krea­tiv­quar­tier ist der prozes­suale Ansatz der Plane­rinnen und Planer: Musiker, Tänzer und Male­rinnen haben das Gebiet schon längst für sich entdeckt und genutzt. Um diese gewach­senen Struk­turen nicht zu zerstören, soll der Entwick­lungs­pro­zess kein starrer, von oben über­ge­stülpter sein, sondern ein lang­fris­tiger und im Diskurs modi­fi­zier­barer. Verdrän­gungs­kon­flikte sollen auf diese Weise, so hoffen Archi­tekten und Stadträte, umgangen werden. Ein Expe­ri­ment also, das die Sache mit der Parti­zi­pa­tion ernst nehmen möchte – Ausgang noch offen.

Die von der Stiftung Federkiel geför­derte Ausstel­lung „Under (De)Construction“ will in beglei­tenden Diskus­sionen, Workshops und Formaten zur Kunst­ver­mitt­lung den Prozess der Trans­for­ma­tion spiegeln, mitge­stalten und Fragen zur Prozess­haf­tig­keit, Zeit­lich­keit und Lebens­zy­klen von Archi­tektur nachgehen.

Red.

Under (De)Construction
Krea­tiv­quar­tier München
12. September bis 18. Oktober 2014
ehema­ligen Luit­pold­ka­serne
Infan­te­rie­straße 17
80797 München
Voll­stän­diges Programm

Under (De)Construction, Abb.: Stiftung Federkiel

Abb., Foto: Stiftung Federkiel, Alexander Stumm

Under (De)Construction, Abb.: Stiftung Federkiel