Traum und Prozess

Utopie einer ganz­heit­li­chen Schönheit des Ortes

Das Motto des BDA-Tags „Die Stadt als Traum – Die Stadt als Prozess“ ist, so vermute ich, mit der Erwartung verbunden, Grund­sätz­li­ches über das Span­nungs­feld zwischen visio­nären Ideen des kreativen Archi­tekten und Mecha­nismen der Stadt­ent­wick­lungs­po­litik zu hören oder bestätigt zu bekommen. Der Einla­dungs­text ruft eine Dissonanz auf zwischen einem „Bild der Stadt, das als Ganzes erst werden soll“ und der „segmen­tierten Betrach­tungs­weise vorha­ben­be­zo­gener Stadt­ent­wick­lungs­pläne“. Um es vorweg­zu­nehmen: Nach meinen Erfah­rungen und meiner persön­li­chen Über­zeu­gung liegen die Ursachen des umschrie­benen Dilemmas nicht primär im „Span­nungs­feld von Ämtern, Archi­tekten und anderen Akteuren“, auch nicht in untaug­li­chen Prozessen oder Verfahren der Stadt­pla­nung – wir sind in Deutsch­land Meister in der Perfek­tio­nie­rung von Wett­be­werbs­ver­fahren, von Bürger­be­tei­li­gungs­ver­fahren, von Baupla­nungs­recht­li­chen Verfahren. Städ­te­bau­bei­räte, Gestal­tungs­bei­räte werden zunehmend Standard, Baukultur ist in der Kommu­nal­po­litik als Stand­ort­faktor „ange­kommen“.

Als Ergebnis dieser Verfahren können wir immer wieder heraus­ra­gende Einzel­pro­jekte auszeichnen – wir geben einander Bestä­ti­gung und Beispiel, zollen Bauherren und Auftrag­ge­bern Aner­ken­nung und hoffen auf moti­vie­rende Vorbild­wir­kung. In glück­haften Einzel­fällen finden wir diese Leucht­turm­pro­jekte auch auf städ­te­bau­li­cher Ebene.

Wir betreiben seit Jahr­zehnten einen zuneh­menden Aufwand in der Vermitt­lung „baulich mani­fes­tierter Geis­tes­hal­tung“ – aber dieser schon missio­na­risch zu nennende Anspruch prägt die allge­meine Qualität der in den vergan­genen Jahr­zehnten gebauten Lebens­räume in unseren Städten nur in erschre­ckend geringem Maße. Und wenn wir davon ausgehen, dass sich „die stadt­pla­ne­ri­schen Instru­mente der Planungs­ämter mit den entwer­fenden Kräften der Archi­tekten und Stadt­planer sowie mit den Erwar­tungen der Bürger und Inves­toren arran­gieren müssen“, wird sich an diesem Zustand nach meiner Über­zeu­gung auch nichts ändern.

In Stadt­pla­nungs­äm­tern sitzen nicht die schlech­teren Archi­tekten und Stadt­planer, Inves­toren und Bürger sind mehr als Erwar­tungs­träger und wenn alle städ­te­bau­li­chen Projekte von BDA-Archi­tekten verant­wortet würden, wäre die bessere Stadt­pla­nung noch lange nicht garan­tiert.

Foto: Andreas Bormann

Die Stadt als Traum
Träume haben etwas wunderbar Tiefen­schich­tiges, Unbe­stech­li­ches, aber auch Viel­di­men­sio­nales, nicht eindeutig zu Fassendes. Sie sind Spiegel der Seele und Botschafter der Sehnsucht. Aus welcher Basis speisen sich unsere Träume von Stadt? Ist es unan­ge­messen im Zusam­men­hang mit der „Stadt als Traum“ auch von der „Seele der Stadt“ zu sprechen? Vertrauter ist der Begriff Genius loci, der heute leider schon genauso abgenutzt ist wie die Begriffe Nach­hal­tig­keit und auch Baukultur.

In der römischen Antike widmeten sich Mili­tär­planer bei der Neugrün­dung von aus heutiger Sicht scheinbar muster­gültig ratio­nalen Städten diesem wörtlich übersetzt und auch so zu verste­henden „Geist des Ortes“. In tiefem Respekt vor diesem Genius loci tarierten Archi­tekten die Position ihrer Ideal­pla­nungen aus, die Notwen­dig­keit, ihre Eingriffe in den Ort mit dem Geist des Ortes zu versöhnen, war selbst­ver­ständ­lich. Mit der christ­li­chen Kultur verän­derte sich das Verständnis vom Genius loci hin zu einer unbe­stimmten Spiri­tua­lität und Prägung durch den Geist des Menschen. Aus alttes­ta­men­ta­ri­scher Weisheit wurde in redu­zierter Über­set­zung von „macht Euch die Erde untertan“ der Anspruch der Neuzeit auf umfas­sende Natur­be­herr­schung, der hebräi­sche Urtext hat dagegen die fürsorg­liche Konno­ta­tion einer Inbe­sitz­nahme der Erde durch Urbar­ma­chung als Kultur­land.

Der Genius loci verliert zunehmend seine respekt­ein­flö­ßende Vorbe­dingt­heit, er wird nicht mehr inter­pre­tiert, man nähert sich ihm nicht mehr an, er wird formbar, menschen­ge­macht und in mensch­li­cher Hybris austauschbar. Christian Norberg-Schulz schreibt 1976 in „Genius loci: Land­schaft-Lebens­raum-Baukunst“: „Personale Identität setzt Identität des Ortes voraus, Iden­ti­fi­ka­tion und Orien­tie­rung sind Grund­aspekte des mensch­li­chen In-der-Welt-Seins“.

Wer in Person träumt die Stadt heute? Träumen Jugend­liche, denen redu­zierte virtuelle Welten häufig die reale Umwelt ersetzen und die Stadtraum nur noch als Party­meile benutzen? Oder: Träumen temporäre Stadt­be­wohner, die dank gesell­schaft­lich gefor­derter Mobilität die urba­nis­ti­schen Segnungen der Trennung von Arbeiten und Schlafen – denn von Wohnen ist zeit­be­dingt oft nicht mehr zu sprechen – als Pendler zwischen den Städten auf den Auto­bahnen erleiden dürfen?

Oder: Träumen Bürger, die ihre persön­li­chen Rück­zugs­räume gegen die Zumu­tungen dyna­mi­scher Stadt­ent­wick­lung – und dazu gehören nicht nur Groß­pro­jekte, sondern auch Neubau­ge­biete in der Nach­bar­schaft – mit Zähnen und Klauen vertei­digen, wobei es keinen Unter­schied in den Grund-ängsten gibt zwischen den Bewohnern von indi­vi­du­ellen Archi­tek­ten­häu­sern und von Sied­lungen, in denen mit Surro­gaten aus den Baumärkten liebevoll Vorbil­dern aus heilen Fern­seh­welten nach­ge­ei­fert wird? Oder: Träumen Touristen, denen restau­rierte Fassaden vergan­gener Bürger­lich­keit eine nette Kulisse für Latte macchiato unter Sonnen­schirmen und Heiz­pilzen bieten?

Oder: Träumen Politiker, die bei klammen kommu­nalen Kassen innerhalb von wenigen Jahren sichtbare Nachweise ihres Anspruchs auf Wieder­wahl liefern müssen? Oder: Träumen die Entwickler großer Einzel­han­dels­zen­tren, die gerne ausge­wei­dete histo­ri­sche Fassaden als Verpa­ckung ihrer Stadt-Ersatz-Innen­welten nehmen und die gemeinsam mit den austausch­baren Filia­listen der Fußgän­ger­zonen und dem Inter­net­handel längst den Handel abgelöst haben, dem die euro­päi­sche Stadt wesent­lich ihre Entste­hung verdankt?

Oder: Träumen die großen Inves­toren und Immo­bi­li­en­fonds, die Städte nach Lage und Rendi­te­po­ten­tial „raten“, oder etwa die privaten Anleger, die ihr Kapital lieber mit Rendi­te­er­war­tung eben diesen Fonds anver­trauen statt selbst in ihrer Stadt zu inves­tieren, die dann aber gerne bei der Stadt die Besei­ti­gung von Schrott­im­mo­bi­lien einfor­dern?

Oder lassen wir zu, dass die EU-Verwal­tung eine Stadt­ent­wick­lung erträumt, bei der dank erfolg­rei­cher Lobby-Arbeit großer Indus­trie­kon­zerne technoide Normen-Werke zukünftig für die stan­dar­di­sierte Kate­go­ri­sie­rung von Lebens­be­din­gungen in den Städten sorgen und bei denen DIN-genormte Kriterien für förder­wür­dige Entwick­lungs­stra­te­gien diese Städte gefügig machen sollen?

Am Ende stehen dann die Hochglanz-geren­derten Wieder­gänger globaler tech­nik­gläu­biger Stadt­phan­ta­sien – Albträume ökolo­gisch korrekter, grün verpackter Smart Cities.

Die Stadt als Prozess
Wo finden sich die Partner, die gemeinsam daran gehen den Traum der Stadt im Alltag zu verankern? Natürlich gibt es auch den lokalen Investor, der sich dem örtlichen Gestal­tungs­beirat stellt und die Beratung auch noch dankbar annimmt, oder die Bürger­initia­tive, die für den kleinen Stadtpark kämpft und ihn später in Paten­schaften betreut, oder die ehren­amt­li­chen Kommu­nal­po­li­tiker, die sich immer wieder in Bürger­ver­samm­lungen die Sorgen und oft nur beschei­denen Wünsche der Menschen anhören, zu helfen versuchen, um in der Presse und in Leser­briefen unter den Gene­ral­ver­dacht der Profil­neu­rose oder der Käuf­lich­keit gestellt zu werden.

All diese sind die notwen­dige Hefe im Teig der Stadt­ge­sell­schaft, aber ohne den Schul­ter­schluss von Archi­tekten und Land­schafts­pla­nern, aber auch benach­barten Diszi­plinen der Inge­nieure und Umwelt­planer mit Stadt­ent­wick­lungs­pla­nung und Politik werden wir nicht weit kommen. Die Stiftung Baukultur schmiedet mit zuneh­mender Schlag­kraft an dieser Allianz. Aber diese Allianz kann nur tragen, wenn sie mit hoher Fach­lich­keit und zugleich Beschei­den­heit die Herzen der Menschen anspricht.

Die meisten Archi­tekten und Archi­tek­tinnen werden die Erfahrung gemacht haben, dass es nicht mehr ausreicht, als Architekt einen städ­te­bau­li­chen Wett­be­werb zu gewinnen – ….und dann beglückt man mit dem Segen der Jury die dankbare Stadt­ge­sell­schaft? Soweit öffent­li­ches Planungs­recht oder eigene Bautä­tig­keit der öffent­li­chen Hand überhaupt die Feder­füh­rung zuordnen, bereiten die meisten Stadt­ver­wal­tungen nach­haltig erfolg­reiche Wett­be­werbs- oder Planungs­ver­fahren in langen Vorlauf­zeiten vor, in denen möglichst umfassend alle Rahmen­be­din­gungen und Betrof­fen­heiten geklärt und der Dialog zwischen Bürger­schaft, Planern, Politik und / oder Bauherren vorbe­reitet wird.

Ich bin überzeugt davon, dass es in großen Planungs­ver­fahren nicht mehr ausreicht, sich auf den Dialog zwischen Planern und Fachjury zu beschränken, es ist durchaus möglich, ohne Verzicht auf klare Zustän­dig­keiten in der Fach­lich­keit die Bürger als Betrof­fene, als Orts­kun­dige, auch als Beden­ken­träger bereits im Verfahren einzu­be­ziehen. Empfeh­lungen der Fachleute können so mit Respekt auch vor abwei­chenden Bürger­voten begründet werden und die poli­ti­schen Mandats­träger erhalten früh­zeitig ein umfas­sendes Meinungs- und Argu­men­ta­ti­ons­bild für ihre Entschei­dungen. Die fachliche Kompetenz in städ­ti­schen Planungs­äm­tern ist in der Aufstel­lung städ­te­bau­li­cher Rahmen­pla­nungen und Entwick­lungs­kon­zepten ebenso unver­zichtbar wie im Einfor­dern von Spiel­re­geln, auf die sich die Stadt­ge­sell­schaft in der Gestal­tung ihres öffent­li­chen Raumes verstän­digt hat.

Bei privaten Bauvor­haben ermög­li­chen oft nur vorha­ben­be­zo­gene Bebau­ungs­pläne eine positiv steuernde Einfluss­nahme von Bürger­schaft, Politik und Stadt­ver­wal­tung. In vielen Standard-Bauan­trags­ver­fahren warten erfahrene Verwal­tungs­ju­risten nur darauf, gegen die vermeint­liche Bevor­mun­dung durch die Bauver­wal­tung mit recht­li­chen Schritten vorzu­gehen und das Recht des Eigen­tü­mers auf freie Entschei­dung einzu­for­dern – dass die Verpflich­tung, die mit Eigentum nach dem Geist unseres Grund­ge­setzes verbunden ist, auch für die Gestal­tung der Stadt einge­for­dert werden kann, ist in einer hedo­nis­ti­schen Gesell­schaft offen­sicht­lich eine Zumutung.

Städ­ti­sche Planungs­ämter kennen mehr als Regeln und Verhin­de­rungs­pa­ra­gra­phen, sie sind die Garanten für nach­hal­tige Verfol­gung von Planungs­zielen, sie bewahren das Gedächtnis der jüngeren Planungs­ge­schichte der Stadt und sollten gerade von freien Planern selbst­ver­ständ­li­cher als notwen­dige Spar­rings­partner auf Augenhöhe akzep­tiert werden. Wenn den Verwal­tungs­ein­heiten manchmal forma­lis­ti­sche Starrheit vorge­worfen wird, ist mein Eindruck eher, dass das eine Rück­zugs­re­ak­tion ange­sichts eines Auftre­tens von manchen freien Büros gegenüber der Verwal­tung ist, bei dem Anspruchs­hal­tung und fachliche Defizite nicht zusam­men­passen – sei es bei Antrags­ver­fahren oder bei komplexen Planungs­ko­or­di­na­tionen im öffent­li­chen Raum.

Ich plädiere für mehr wech­sel­sei­tige Durch­läs­sig­keit, für Offenheit und Koope­ra­tion zwischen freien Büros und Verwal­tung – sie könnte beiden Seiten gut tun. Wir sollten uns die Chance geben, uns als Verbün­dete kennen­zu­lernen.

Eine Erwartung muss ich aller­dings enttäu­schen: Die wenigsten Kommunen werden in den kommenden Jahren finan­ziell in der Lage sein, aus eigener Kraft große Grund­satz­un­ter­su­chungen oder Master­pla­nungen zu beauf­tragen. Auch in Saar­brü­cken wären die 2008 mit EU-Förderung erstellten Planungen zur neuen Stadt­mitte heute in dieser Gründ­lich­keit und mit den Betei­li­gungs­ver­fahren, die bundes­weit für Aufmerk­sam­keit gesorgt haben, nicht mehr finan­zierbar. In den meisten Bundes­län­dern wurde in den vergan­genen Jahren die Doppik einge­führt, die zwischen Ergeb­nis­haus­halt für Pflicht­auf­gaben und konsum­tive Ausgaben und dem Inves­ti­ti­ons­haus­halt streng unter­scheidet.

Ziel der Einfüh­rung war die wirt­schaft­liche Steuerung von Kommu­nal­haus­halten nach soge­nannten „Produkten“. Profi­tiert haben Bera­tungs­firmen und Soft­ware­häuser und in den Verwal­tungen wurden Control­lin­g­ab­tei­lungen ausgebaut, während gleich­zeitig operative Verwal­tungs­stellen einge­spart werden mussten. Fatal an der Anwendung dieser Betriebs­wirt­schafts­dok­trin auf die öffent­liche Verwal­tung ist, dass stra­te­gi­sche Planungen, die für lang­fris­tige Entwick­lungs­steue­rung einer Stadt wichtiger sind als Pseu­doop­ti­mie­rungen der Verwal­tungs­läufe, im Ergeb­nis­haus­halt veran­schlagt werden müssen. Damit treten sie in direkte Konkur­renz zu den Ausgaben für Kinder­gärten, Schwimm­bäder, Jugend­hilfe etc. Was das für die poli­ti­schen Entschei­dungs­träger bei knappen kommu­nalen Kassen bedeutet, kann man sich vorstellen.

Wir helfen uns in Saar­brü­cken, indem wir an Forschungs­pro­grammen des Bundes teil­nehmen, uns mit anderen Kommunen austau­schen oder Hoch­schulen für expe­ri­men­telle Studi­en­pro­jekte gewinnen. Neben der Alltags­ar­beit haben wir – aufbauend auf dem 2008 verab­schie­deten Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept – unser städ­te­bau­li­ches Entwick­lungs­kon­zept ämter­über­grei­fend selbst erar­beitet. Für vorha­ben­be­zo­gene Bebau­ungs­pläne schließen wir konse­quent Planungs­kos­ten­über­nah­me­ver­träge ab. Grund­sätz­lich macht Not erfin­de­risch und weckt kreative Ressourcen.

Wichtig für Städte wie Saar­brü­cken sind Planungen, die helfen, alltäg­liche und klein­tei­lige Verän­de­rungen durch Sanie­rungs- und Unter­halts­maß­nahmen und durch private Baumaß­nahmen schritt­weise wie Mosa­ik­stein­chen zu einem Gesamt­bild zusam­men­zu­fügen. Instru­men­ta­rien dazu sind Verkehrs­ent­wick­lungs­plan, Gestal­tungs­leit­li­nien und ‑satzungen für den öffent­li­chen Raum vom Boden­belag über Stadt­mö­blie­rung, die Beleuch­tung bis zu privaten Werbe­an­lagen und Farb­kon­zepten. Das bedeutet dann natürlich auch, dass nicht bei jeder Platz­ge­stal­tung der freie Planer neue Bank‑, Belags- und Leuch­ten­typen auswählen kann.

Für diese immer wieder zu ergän­zenden und weiter­zu­ent­wi­ckelnden Grund­lagen würde ich mir beispiels­weise die offensive Unter­stüt­zung der Berufs­ver­bände wünschen. Sie sind nicht Gängelung der Gestal­tungs­frei­heit, sondern wesent­li­ches Instru­men­ta­rium, um zu verhin­dern, dass der öffent­liche Raum weiter zum Ausstel­lungs- und Muster­ka­talog von Herstel­lern und Werbe­firmen verkommt. Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist die Farbe im öffent­li­chen Raum. Wie wohltuend und die Identität einer Stadt stärkend über Jahr­zehnte durch­ge­hal­tene Farb­leit­li­nien wirken können, lässt sich zum Beispiel in Stockholm genießen.

Gestal­tungs­bei­räte – vom BDA unter­stützt, aber von vielen Kollegen immer noch kritisch beäugt – sind ein weiteres unver­zicht­bares Instru­men­ta­rium, um Stadt­pla­nung, Archi­tekten und Inves­toren durch unab­hän­gige externe Gutachter unter­stützt, in den Dialog zu bringen und die Verant­wor­tung jedes einzelnen Akteurs für das Gesicht der Stadt öffent­lich zu machen.

Das Bild der Stadt entwi­ckelt sich in Projek­tion, Weiter­denken und Weiter­bauen. Es braucht die gemein­same Basis und den langen Atem, es braucht Zähigkeit in der Vertei­di­gung gegen Egoismen, es braucht die breite Vermitt­lungs­ar­beit, es braucht die Fähigkeit, Komple­xi­täten Synergien abzu­ringen und sie nicht zu Hinder­nissen werden zu lassen, vor allem aber braucht es den Mut, unseren Anspruch auf die Würde des Ortes zu vertei­digen. Ich gehe noch weiter: Ich glaube an die Utopie einer ganz­heit­li­chen Schönheit des Ortes, an das Ziel eines Genius loci, der jedem Stadt­be­wohner offen­steht und der nur gemeinsam und in Demut vor der Zeit gewonnen werden kann.

Dr.-Ing. Rena Wandel-Hoefer (*1959), studierte Archi­tektur an der TH Darmstadt, wo sie 1989 mit einer Arbeit über Richard Neutra promo­viert wurde. Gemeinsam mit Andrea Wandel, Andreas Hoefer und Wolfgang Lorch gründete sie 1994 in Saar­brü­cken das Büro Wandel Hoefer Lorch. Von 2001 bis 2008 war sie Vorsit­zende des Städ­te­bau­bei­rats in Saar­brü­cken, seit 2007 ist sie Mitglied der Sektion Baukunst der Akademie der Künste in Berlin. Seit Februar 2008 amtiert Rena Wandel-Hoefer, die inzwi­schen nicht mehr im Archi­tek­tur­büro tätig ist, als Saar­brü­ckens Baude­zer­nentin.

Foto: Andreas Bormann