Wirk­kräfte des Raums

Für eine archi­tek­tur­spe­zi­fi­sche Farben-Theorie

Farbe scheint in der Archi­tektur ursprüng­lich kein funda­men­tales, eigenes Problem gewesen zu sein, denn Farbe war immer schon – als Eigen­schaft der Mate­ria­lien – ein substan­ti­eller Bestand­teil des physi­schen Bauens. Erst mit den zuneh­menden Einfluss­mög­lich­keiten des Menschen auf Bauma­te­ria­lien wurde auch deren Eigen­far­big­keit (beispiels­weise durch das Brennen von Lehm) gestaltbar und konnte zur Glie­de­rung und zum Schmuck von Bauten einge­setzt werden. Nach­träg­lich aufge­tra­gene Farben wurden als Malerei, also als nicht-tekto­ni­sche Gestal­tungs­mittel von Bauteilen angesehen, die aus program­ma­ti­schen Gründen ‚nackt’ zu sein hatten. Aus der Sicht vieler Archi­tekten wirkten sie sprich­wört­lich an der Ober­fläche des Gebauten und tangierten den Bereich des „deko­ra­tiven Schleims“1, während Semper die Ober­flä­chen der Räume als Beklei­dungs­flä­chen auffasste und als die „wahren und legitimen Reprä­sen­tanten der räum­li­chen Idee“ verstand.2 Wenn sich also die allfäl­lige Debatte über den Stel­len­wert von Wand­ober­flä­chen wie ein roter Faden durch die Archi­tek­tur­ge­schichte zumindest der letzten beiden Jahr­hun­derte zieht, so ist es kein Wunder, dass auch dem Phänomen Farbe immer mit einer gewissen Ambi­va­lenz begegnet wurde.Giedion, Sigfried: Raum, Zeit, Archi­tektur, Basel 1996, S.189. ↩︎Semper, Gottfried: Der Stil in den tech­ni­schen und tekto­ni­schen Künsten, Bd. 1; Frankfurt / Main, 1860, S. 229. Sempers Gedanken wurden u.a. von A. Loos weiter entwi­ckelt (Ins Leere gespro­chen; 1921) ↩︎

Es ist eine Domäne der Malerei geblieben. So waren es in der Regel Maler, die den Diskurs über Farben bestimmten. Und diese nutzten unter anderem Farben mit größtem Raffi­ne­ment, um das Problem des Raumes in einer an sich flächigen Kunstform zur Darstel­lung bringen zu können. Aber spätes­tens seit der Mitte des 20. Jahr­hun­derts haben sich Methoden und Konzepte der verschie­denen Künste so aufein­ander hin entwi­ckelt, dass sich deren Schnitt­mengen erheblich vergrö­ßert haben. Wenn der Maler Francis Bacon betont, dass Farbe unmit­telbar ins Nerven­system dringt, dann trifft er damit einen Punkt, der auch die Archi­tektur angeht: Denn Farbe ist ein Aspekt von Räumen, der in basaler Weise zu deren Stimmung beiträgt. Die längst über­fäl­lige Thema­ti­sie­rung von Gebäuden als Atmo­sphären in ihrem Bezug auf die Befind­lich­keit von Menschen ist ein Teil der gegen­wär­tigen Archi­tek­tur­de­batte. Sie rückt damit Mate­ria­lität und Farben in den Fokus der Betrach­tung. Diese sind wirkende Kräfte im Raum, denn sie schaffen Bedin­gungen, die mit den Betrach­tern in eine Inter­ak­tion treten und deren Befind­lich­keit in einer spezi­fi­schen Form prägen. Gernot Böhme bezeichnet derartige Formen des Aus-sich-Heraus­tre­tens als „Ekstasen“, also als Äuße­rungs­formen von Dingen, im Unter­schied zu den eher passiv verstan­denen, metrisch fassbaren Eigen­schaften.3 Und nie waren die Möglich­keiten zur Erzeugung von Farbig­keit, neuen Mate­ria­lien und Mate­ri­al­ver­bünden besser als heute.Böhme hat zuletzt die Thematik mit dieser Termi­no­logie zusam­men­ge­fasst. Den Begriff der Ekstasen entwi­ckelt er ohne expli­ziten Bezug auf die Farben in dem Aufsatz: Die Kunst des Bühnen­bildes als Paradigma einer Ästhetik der Atmo­sphären, in: Böhme, Gernot: Atmo­sphäre. Essays zur neuen Ästhetik, erw. NA Frankfurt 2013 (1995), S. 105 ff. ↩︎

Repros: Thomas Schmitz
Erinnern und Auswählen von Farbtönen und ‑klängen: Semi­nar­ar­beit zum Thema „Farb­wahr­neh­mung“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Repros: Thomas Schmitz

Erziehung zur Farbe
Was aller­dings die theo­re­ti­sche und metho­di­sche Fundie­rung des Umgangs mit Farben angeht, so behilft man sich in der Regel mit den Lehren, die von Malern (Johannes Itten in der Tradition von Adolf Hölzel, Paul Klee und Josef Albers) am Bauhaus und an den ihnen nach­fol­genden Insti­tuten für Maler entwi­ckelt wurden. Man muss aus heutiger Sicht fest­stellen, dass die Hölzel-Ittensche Kontrast­lehre, die Farben­kreise und Farbraum-Modelle zwar immer noch ihre Gültig­keit haben, aber den tech­ni­schen Möglich­keiten heutiger Farb­ge­bung und den neuro­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nissen bei weitem nicht mehr entspre­chen. Farbe ist weit mehr als der Inhalt von Tuben oder von theo­re­ti­schen Systemen.

In der Klas­si­fi­zie­rung der Farben des Begrün­ders einer umfas­senden modernen Farben­theorie – Johann Wolfgang von Goethe – wären damit einzig die bei ihm so genannten „chemi­schen Farben“ abgedeckt. Was heutige Farben- und Licht­künstler aber mindes­tens in gleicher Weise beschäf­tigt – und was mitt­ler­weile auch technisch reali­sierbar ist – sind die „physio­lo­gi­schen“ und „physi­schen“ Farben, wie sie Goethe in seinem immer noch gültigen Grund­la­gen­werk beschrieben hatte.4 Gerade, weil sich in der Archi­tektur ein erkenn­bares Interesse an derar­tigen Phäno­menen zeigt, erscheint es geboten, dieses Thema aus einer zeit­ge­nös­si­schen und gene­ra­lis­ti­schen Perspek­tive der Archi­tektur wissen­schaft­lich neu zu bestimmen und zugleich als einen funda­men­talen Bestand­teil der univer­si­tären Ausbil­dung in die Lehre zu inte­grieren. Das ist über Jahr­zehnte eher halb­herzig und wenig entschieden betrieben worden.Goethe, Johann Wolfgang von: Zur Farben­lehre. 2 Bde. Tübingen 1810. Der Original-Text ist z. Zt. online verfügbar. ↩︎

Seminararbeit zum Thema „Farbwahrnehmung“ am Lehrstuhl für bildnerische Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Semi­nar­ar­beit zum Thema „Farb­wahr­neh­mung“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz

Kritische Erfahrung als Grad­messer
Ich möchte hier statt­dessen dafür plädieren, dass Farbe mit den anderen sinn­li­chen Quali­täten wie dem Klang oder der Haptik von Mate­ria­lien, Objekten und Räumen als Quer­schnitts­thema in den Archi­tek­tur­hoch­schulen inter­dis­zi­plinär behandelt werden sollte. Sinnliche Quali­täten sind die „Herz­stücke“ der Archi­tektur und zugleich zentrale Elemente zur ratio­nalen Herstel­lung von Atmo­sphären. Und sie sind keines­falls nur Themen der Gestal­tung: Als Bestand­teil beinahe aller Kulturen sind sie immer schon (wenn auch nur verein­zelt) Gegen­stand der Geschichte und der Theorie gewesen, aber auch einer funk­tio­nalen, physio­lo­gi­schen und tech­ni­schen Betrach­tung. Eine Vernet­zung der verschie­denen Fach­kom­pe­tenzen und Perspek­tiven eröffnet die Möglich­keit, dass sich eine spezi­fisch archi­tek­to­ni­sche Sicht auf dieses bei näherer Betrach­tung sehr komplexe und spannende Gebiet entwi­ckeln kann.

Farben (und seien es die unbunten) sind auch im Bauwesen allge­gen­wärtig und lassen sich kaum aus guten Gründen igno­rieren. Angehende Archi­tekten sollten gegenüber diesem Medium der Raum­ge­stal­tung eine zugleich offensive und profes­sio­nelle Haltung entwi­ckeln. Dies zu initi­ieren, ist die Aufgabe einer archi­tek­tur­spe­zi­fi­schen Farben­theorie. Die Eckpfeiler ihrer Vermitt­lung in der Lehre bestehen in der syste­ma­ti­schen Einord­nung bestehender Erkennt­nisse, vor allem aber im Erar­beiten senso­mo­to­ri­scher Fähig­keiten als Basis einer guten Intuition.5 Denn eine Theorie der archi­tek­to­ni­schen Farben begründet sich in beson­derer Weise in der persön­li­chen Erfahrung eines optischen Phänomens, das selbst zwar exakt quan­ti­fi­ziert werden kann, dessen Korre­la­tionen und Wirkungen aber in einem hohen Maß von subjek­tivem Charakter sind.Die nach­fol­genden Über­le­gungen sind Grundlage von Veran­stal­tungen zum Thema Farbe, die wir im Lehrstuhl für Bild­ne­ri­sche Gestal­tung der RWTH Aachen im Bachelor- und Master­stu­dium mit jeweils diffe­ren­zierten Ziel­set­zungen durch­führen. ↩︎

Seminararbeit zum Thema „Farbwahrnehmung“ am Lehrstuhl für bildnerische Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Semi­nar­ar­beit zum Thema „Farb­wahr­neh­mung“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz

Der Umgang mit Farben impli­ziert darum schon immer den nicht endenden Kreislauf von zahl­rei­chen prak­ti­schen Expe­ri­menten und deren kriti­scher Auswer­tung, aus denen im Lauf der Zeit Erfahrung entsteht. Eine Didaktik der Farbe enthält diverse hand­werk­liche Aspekte, denn eine Verin­ner­li­chung von Erkennt­nissen erfolgt in einer sinn­li­chen Disziplin vor allem durch ein ebenso sinnlich erlebtes Agieren: Die indi­vi­du­ellen Arbeiten bestehen aus Recher­chen, dem Erstellen von Samm­lungen flächiger farbiger Mate­ria­lien, Papiere und Drucke, aus hand­werk­li­chen Expe­ri­menten mit Farb­tech­niken, Unter­gründen und Binde­mit­teln, sowie aus raum­be­zo­genen Arbeiten am Modell und im realen Raum. So entsteht bei gebüh­render Inten­sität der Ausein­an­der­set­zung Tacit Knowledge, also die Fähigkeit, gewis­ser­maßen mit den Sinnen zu denken. Das ist ein leben­diger, spie­le­ri­scher Prozess, der vom indi­vi­du­ellen Expe­ri­ment und Enga­ge­ment bestimmt wird. Die Vermitt­lung an gesi­chertem und verall­ge­mei­ner­barem Wissen ist mit diesem Erkennt­nis­pro­zess so verwoben, dass sie ihn inhalt­lich struk­tu­riert und gezielt Fragen für eigene Studien formu­liert. Als Etappen einer archi­tek­tur­spe­zi­fi­schen Farben­theorie bieten sich folgende Themen an, die jeweils modular abge­schlossen sind und separat weiter vertieft werden können:

Das Spiel der Kräfte durch­schauen
Farben haben Bedeu­tungen und viel­fäl­tige Konno­ta­tionen, die durch eine farb­psy­cho­lo­gi­sche Betrach­tung entschlüs­selt werden können. Zum einen begründen sie sich auf unserer basalen Existenz als Natur­wesen, zum anderen auf den selbst geschaf­fenen kultu­rellen Kontext, der als ein diffe­ren­ziertes Kohä­renz­system für den Umgang mit Farben fungiert. Diese Kennt­nisse sind von zentraler Bedeutung, denn die oft diffus vermengten Wahr­neh­mungen und Erfah­rungen, die unsere Einschät­zung und Bewertung farb­li­cher Umge­bungen unbewusst prägen, können in der Archi­tektur gezielt zur Stimmung von Räumen einge­setzt werden. In der multi­mo­dalen Konver­genz des optischen Sinns mit hapti­schen und akus­ti­schen Reizen lassen sich deren Effekte sogar noch steigern. Wie im Bereich der Werbung, des Films und der Bühnen­kunst können derartige Kennt­nisse auch in der Archi­tektur syste­ma­tisch weiter­ent­wi­ckelt und präzise einge­setzt werden.

Seminararbeit zum Thema „Individuelle Archive“ am Lehrstuhl für bildnerische Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Semi­nar­ar­beit zum Thema „Indi­vi­du­elle Archive“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz

Statische und dyna­mi­sche Wirkungen
Eine umfas­sende Erkundung der Farben­phä­no­mene in Anlehnung an Goethe zeigt an Beispielen und Expe­ri­menten die Vielfalt auch an flüch­tigen und dyna­mi­schen Effekten, die gegen­wärtig eine zuneh­mende Beachtung erfahren: Neben den chemi­schen sind das physische und physio­lo­gi­sche Farben und so genannte Actual Facts 6 wie optische Mischung, optische Täuschung und Trans­pa­renz. Hand­werk­lich-tech­ni­sche Expe­ri­mente zur Mate­ria­lität von Farben holen auch die chemi­schen Farben in den Bereich des Künst­le­ri­schen und Gestalt­baren zurück. Es ist ein erwe­ckendes Erlebnis, wie meis­ter­liche Techniken Farb­wir­kungen verfei­nern, zum Beispiel durch besondere Unter­gründe, Binde­mittel, Glanz­grade und tradi­tio­nelle Pigmente.So bezeichnet Josef Albers so genannte „wirkliche (Bewußtseins-)Tatsachen“. S.: Albers, Josef: Inter­ac­tion of Color, Köln 1970. ↩︎

Farben kommu­ni­zieren
Der prak­ti­sche Umgang mit den heute gebräuch­li­chen Farb­sys­temen setzt in Korre­la­tion mit den Inhalten der klas­si­schen Farben­lehre auch das Verständnis für deren Herkunft und Syste­matik voraus: Dies umfasst die Dimen­sionen und die Ordnung des Farben­raums. In diesen Themen­kom­plex gehören auch die nach völlig anderen Gesichts­punkten entwi­ckelten Farb­samm­lungen wie Normen (beispiels­weise RAL-Farben) und indi­vi­du­elle Zusam­men­stel­lungen wie Le Corbu­siers Salubra-Coll­ec­tionen (aus tradi­tio­nellen Maler-Pigmenten) oder die indi­vi­du­ellen Kollek­tionen von Mendini, Foster oder Koolhaas für Sikkens.

Foto: BIG
Inter­ven­tionen, Winter­se­mester 2012, Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Foto: BIG

Kompo­si­ti­ons­stra­te­gien für dyna­mi­sche Archi­tek­tur­phä­no­mene
Farben werden immer in Abhän­gig­keit und relativ zu ihrer Umgebung wahr­ge­nommen. Das bedeutet, dass die Rezeption von Einzel­farben im Bezug auf ihren Kontext dynamisch ist, dass beispiels­weise eine Farbe in einem Kontext als hässlich, in einem anderen als passend angesehen wird (andere Beispiele: die immer relative Unter­schei­dung von kalt/​warm, Refle­xionen oder Brillanz-/Camou­flage-Stra­te­gien). Entschei­dend für das Gelingen farbiger Gestal­tungen ist ihr Zusam­men­wirken als Kompo­si­tion und die Kenntnis über die Varianzen in der Wahr­neh­mung. Dieses sehr komplexe wie hoch spannende Gebiet wird aufbauend auf der Hölzel­schen Kontrast­lehre und Goethes Über­le­gungen zur „sinnlich-sitt­li­chen Wirkung der Farben“ entwi­ckelt. Auch hier behalten Goethes syste­ma­ti­sche Über­le­gungen eine grund­sätz­liche Gültig­keit, vor allem, weil er sowohl Harmonien wie auch Disso­nanzen als „charak­te­ris­ti­sche Farben“ beschreibt, denen er explizit Eigen­schaften zuweist, die Atmo­sphären erzeugen können.

Die Kompo­si­ti­ons­lehre der Farben verändert sich noch einmal substan­tiell, wenn sie in Korre­la­tion mit dem Raum gebracht wird. Im Raum steht Farbe in perma­nenter Wech­sel­be­zie­hung mit den Ausrich­tungen der Flächen, mit ihrer Textur und mit dem natür­li­chen Licht, das sich seiner­seits über den Tag in Richtung, Inten­sität und Farbe verändert. Dieses Zusam­men­wirken von Zeit‑, Raum- und Flächen­ver­hält­nissen in ihren unter­schied­li­chen Wirkungs­weisen der propor­tio­nalen Gewich­tung erzeugt im Konzert mit den zuvor benannten dyna­mi­schen Farb­wir­kungen eine komplexe Klaviatur für das künst­le­ri­sche Expe­ri­ment oder für die para­me­trisch kalku­lierte Raum-Zeit-Insze­nie­rung. Als Instru­ment des Entwer­fens eröffnen sich hier neue Kate­go­rien für die Konzep­tion und Ordnung von Räumen, die über die Möglich­keiten der Geometrie weit hinaus führen.

Foto: BIG
Inter­ven­tionen, Winter­se­mester 2012, Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Foto: BIG

Innere Bewegung
Das alles ist ein Ausschnitt – und es ist der Anfang. Unsere Erfah­rungen zeigen, dass die in der Regel neugie­rigen Archi­tek­tur­stu­denten einschlä­gige Impulse intensiv rezi­pieren und die Faszi­na­tion und Tiefe dieses Kosmos’ schnells­tens begreifen. Dann beginnt das Eigent­liche: Eine packende Erfahrung ist ein guter Grund für die eigene oft auch anstren­gende Reise des Suchens als Recher­chieren, Sammeln, Probieren bei immer wacher und kundiger Beob­ach­tung. Im archi­tek­to­ni­schen Diskurs verlagert eine phäno­me­no­lo­gisch begrün­dete, archi­tek­tur­spe­zi­fi­sche Farben­theorie die Farbe als Licht und Material-Phänomen in den Kontext des Räum­li­chen und der Zeit. Sie erweitert den Kanon des Entwurfs um ein zentrales quali­ta­tives Kriterium und gibt neue Impulse für die Grund­kon­zep­tion von Bauten. Viele werden sich an diese Impulse erinnern, auch weil Farbe im Inneren bewegt.

Prof. Dipl.-Ing. Thomas Schmitz (*1956) studierte von 1976 bis 1985 Archi­tektur an der TH Darmstadt und war von 1985 bis 1987 wissen­schaft­li­cher Mitar­beiter am Lehrstuhl für Archi­tek­tur­zeichnen und Raum­ge­stal­tung der TU Braun­schweig. Er war als freier Mitar­beiter im Büro von Thomas Sieverts in Bonn und seit 1988 als freier Künstler und Architekt in Frankfurt am Main tätig. Von 1993 bis 2007 war Schmitz Professor für Frei­hand­zeichnen, künst­le­ri­sches Gestalten und Entwerfen im Fach­be­reich Bauen + Gestalten der FH Kaisers­lau­tern, 2007 folgte der Ruf an die RWTH Aachen und den Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung (BIG) der Fakultät Archi­tektur.

Abbil­dungen: Thomas Schmitz/​BIG

Foto: BIG
Semi­nar­ar­beit „Licht-Raum-Modell“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Foto: BIG
  1. Giedion, Sigfried: Raum, Zeit, Archi­tektur, Basel 1996, S.189. ↩︎
  2. Semper, Gottfried: Der Stil in den tech­ni­schen und tekto­ni­schen Künsten, Bd. 1; Frankfurt / Main, 1860, S. 229. Sempers Gedanken wurden u.a. von A. Loos weiter entwi­ckelt (Ins Leere gespro­chen; 1921) ↩︎
  3. Böhme hat zuletzt die Thematik mit dieser Termi­no­logie zusam­men­ge­fasst. Den Begriff der Ekstasen entwi­ckelt er ohne expli­ziten Bezug auf die Farben in dem Aufsatz: Die Kunst des Bühnen­bildes als Paradigma einer Ästhetik der Atmo­sphären, in: Böhme, Gernot: Atmo­sphäre. Essays zur neuen Ästhetik, erw. NA Frankfurt 2013 (1995), S. 105 ff. ↩︎
  4. Goethe, Johann Wolfgang von: Zur Farben­lehre. 2 Bde. Tübingen 1810. Der Original-Text ist z. Zt. online verfügbar. ↩︎
  5. Die nach­fol­genden Über­le­gungen sind Grundlage von Veran­stal­tungen zum Thema Farbe, die wir im Lehrstuhl für Bild­ne­ri­sche Gestal­tung der RWTH Aachen im Bachelor- und Master­stu­dium mit jeweils diffe­ren­zierten Ziel­set­zungen durch­führen. ↩︎
  6. So bezeichnet Josef Albers so genannte „wirkliche (Bewußtseins-)Tatsachen“. S.: Albers, Josef: Inter­ac­tion of Color, Köln 1970. ↩︎
Repros: Thomas Schmitz
Erinnern und Auswählen von Farbtönen und ‑klängen: Semi­nar­ar­beit zum Thema „Farb­wahr­neh­mung“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Repros: Thomas Schmitz
Seminararbeit zum Thema „Farbwahrnehmung“ am Lehrstuhl für bildnerische Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Semi­nar­ar­beit zum Thema „Farb­wahr­neh­mung“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Seminararbeit zum Thema „Farbwahrnehmung“ am Lehrstuhl für bildnerische Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Semi­nar­ar­beit zum Thema „Farb­wahr­neh­mung“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Seminararbeit zum Thema „Individuelle Archive“ am Lehrstuhl für bildnerische Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
Semi­nar­ar­beit zum Thema „Indi­vi­du­elle Archive“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Ge-staltung BIG, RWTH Aachen, Foto: Thomas Schmitz
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Inter­ven­tionen, Winter­se­mester 2012, Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Foto: BIG
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Inter­ven­tionen, Winter­se­mester 2012, Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Foto: BIG
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Semi­nar­ar­beit „Licht-Raum-Modell“ am Lehrstuhl für bild­ne­ri­sche Gestal­tung BIG, RWTH Aachen, Foto: BIG