Würde­voller Empfang

Schweizer Büro reali­siert Besu­cher­zen­trum am Bundestag

Seitdem die Sicher­heits­vor­keh­rungen für den Berliner Reichstag aufgrund von Terror­dro­hungen 2010 verschärft wurden, finden die Sicher­heits­kon­trollen für Besucher in einem Contai­nerbau vor dem Reichs­tags­ge­bäude statt. Der Ticket­ver­kauf erfolgt, ebenfalls in Contai­nern, auf der anderen Seite der anlie­genden Schei­de­mann­straße. Insgesamt erwartet einen also ein wenig reprä­sen­ta­bler Empfang am Sitz des Bundes­tags. 2015 wurde daher die Errich­tung eines Neubaus beschlossen, für dessen Umsetzung ein offener, zwei­pha­siger Planungs­wett­be­werb ausge­schrieben wurde. Das Preis­ge­richt hatte im November vergan­genen Jahres unter der Leitung des Stutt­garter Archi­tekten Arno Lederer zwei erste Preise mit Über­ar­bei­tungs­hin­weisen vergeben. Nun steht fest: die Zürcher Arbeits­ge­mein­schaft Markus Schietsch Archi­tekten mit Lorenz Eugster Land­schafts­ar­chi­tektur & Städtebau soll mit der weiteren Planung beauf­tragt werden.

Die Planungen sehen ein Empfangs­ge­bäude vor, das auf der Tier­gar­ten­seite der Schei­de­mann­straße platziert ist und über einen Tunnel mit dem Reichstag verbunden ist. Neben den Sicher­heits­kon­trollen soll es dort Räum­lich­keiten für Infor­ma­tion und Gastro­nomie geben. Als schwierig wird jedoch der Bau des Tunnels gesehen, der wegen der bereits bestehenden unter­ir­di­schen Infra­struktur, wie der soge­nannten Kanzler-U-Bahn, aufwen­dige Tief­bau­maß­nahmen erfordert.

Der Entwurf sieht einen längs zur Straße ausge­rich­teten Glas­pa­villon vor, der sich durch einen Umgang engste­hender, weißer Pfeiler auszeichnet. Über die Sicher­heits­kon­trollen im Erdge­schoss kann der Besucher die groß­zü­gi­gere obere Ebene mit Gastro­nomie und Ausstel­lungs- und Infor­ma­ti­ons­räumen oder über den Keller den Tunnel­zu­gang zum Reichs­tags­ge­bäude erreichen. Der Entwurf wirkt filigran, elegant und strahlt eine hier ange­messen würde­volle Lange­weile aus. Ange­sichts der zahl­rei­chen Berliner Bauten der letzten Jahre, deren Fassaden sich durch monotone und eng getaktete Reihung auszeichnen scheint er aller­dings etwas profillos. Man denke etwa an das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum von Max Dudler oder die Zentrale des Bundes­nach­rich­ten­dienstes von Kleihues+Kleihues. Man mag es gut finden oder nicht: der Bau wird als Kind seiner Zeit definitiv erkennbar bleiben. Die ange­strebte visuelle Zurück­hal­tung gegenüber dem Reichstag ist mit dem geplanten Erschei­nungs­bild aller­dings gelungen.

Elina Portatz

Markus Schietsch Archi­tekten mit Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur&Städtebau
Besucher- und Infor­ma­ti­ons­zen­trum Deutscher Bundestag
Berlin 2016ff.
Abbil­dungen: Markus Schietsch Archi­tekten