Zukunfts­wei­send

Aktuelle afri­ka­ni­sche Gestal­tung in Weil am Rhein

Das euro­päi­sche Interesse an Afrika hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Dem kolonial geprägten Blick voller Über­heb­lich­keit folgt seit Ende der neunziger Jahre der inter­es­sierte Blick auf die lokalen Kulturen und ihre Adaption euro­päi­scher und US-ameri­ka­ni­scher Einsprengsel. Sowohl musi­ka­lisch wie auch im bild­ne­risch-künst­le­ri­schen Bereich sind so einige erstaun­liche Kopro­duk­tionen entstanden, die deutlich machen, dass hiesige Kultur­schaf­fende längst mehr von den verschie­densten afri­ka­ni­schen Vorbil­dern profi­tieren als dass sie noch länger Entwick­lungs­helfer wären.

Tech­ni­scher und gesell­schaft­li­cher Wandel in vielen afri­ka­ni­schen Ländern haben zudem eine rasante Entwick­lung in Gang gesetzt, die das Alltags­leben grund­le­gend verändert hat und die Arbeit von Designern und Künstlern prägt. Allein die immer wieder ins Feld geführte Anzahl an regis­trierten Mobil­te­le­fonen auf dem afri­ka­ni­schen Kontinent macht diesen Wandel deutlich: Mit über 650 Millionen mobilen Telefonen sind es in Afrika mehr als in Europa oder den USA. Viele dieser Geräte wiederum ermög­li­chen durch ihren Inter­net­zu­gang jedem Einzelnen den Zugriff auf eine Infor­ma­ti­ons­fülle, von der noch vor 30 Jahren selbst ein US-Präsident nur hätte träumen können.

In der ab dem 14. März im Vitra Design Museum zu sehenden Ausstel­lung „Making Africa – A Continent of Contem­po­rary Design” steht dieser durch die vernetzte Welt möglich gewordene Perspek­ti­ven­wechsel im Zentrum. Der Fokus der Schau liegt auf einer neuen Gene­ra­tion, deren Mitglieder als digital natives ein globales Publikum anspre­chen und mit ihrer inter­dis­zi­pli­nären Arbeits­weise mit den west­li­chen Kate­go­ri­sie­rungen brechen.

Die Macher von „Making Africa“ haben eine Vielfalt an Arbeiten in verschie­denen Medien zusam­men­ge­tragen: die Bril­len­skulp­turen des kenia­ni­schen Künstlers Cyrus Kabiru, die Möbel des malischen Designers Cheick Diallo und die Foto­gra­fien von Mário Macilau aus Mosambik und J.D. ̓Okhai Ojeikere aus Nigeria. Die Ausstel­lung zeigt Archi­tektur von Francis Kéré, David Adjaye und Kunlé Adeyemi, markante Stadt­mo­delle aus Pappe von Bodys Isek Kingelez oder die animierten Kurzfilme des in Berlin lebenden Südafri­ka­ners Robin Rhode. Alle Werke verbindet die Fragen nach der mate­ri­ellen Kultur und Alltags­äs­thetik. Sie zeigen, dass Design in afri­ka­ni­schen Ländern oft umfas­sender, offen­kundig aber mindes­tens anders verstanden wird als in west­li­chen Kultur­kreisen und wie dieses Verständnis zukunfts­wei­sende Gestal­tungs­an­sätze hervor­bringt.

In der Vitra Design Museum Gallery läuft außerdem noch bis Ende Mai die Schau „Archi­tektur der Unab­hän­gig­keit. Afri­ka­ni­sche Moderne“, die über 80 Bauten in Kenia, der Elfen­bein­küste, Sambia, Ghana und Senegal doku­men­tiert.

David Kasparek

Making Africa – A Continent of Contem­po­rary Design
14. März – 13.September
Täglich 10.00 – 18.00 Uhr
10,– Euro / ermäßigt 8,– Euro
Kombi­ti­cket (Museum + Archi­tek­tur­füh­rung): 18,– Euro / ermäßigt 16,– Euro
Kinder unter 12 Jahren gratis
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Straße 2
79576 Weil am Rhein