Zur Sonne zur Freiheit

Neubau von Hertweck Devernois in Sinzig

Am Anfang einer Planungs­phase stehen immer Entschei­dungen. Beim Bau eines Einfa­mi­li­en­hauses für eine junge Familie in Sinzig am Rhein mussten die Archi­tekten des deutsch-fran­zö­si­schen Büros Hertweck Devernois Archi­tectes Urba­nistes abwägen zwischen der Logik des Ortes und dem Credo der Öffnung des Hauses gen Süden. „Das Hang­grund­stück bietet einen herr­li­chen Ausblick übers Rheintal, der jedoch exakt gen Norden gerichtet ist, wohin­gegen das Haus zum Süden hin, wo sich die Straße befindet, eher geschlossen werden sollte“, so der Architekt Florian Hertweck. Die meisten Häuser in der direkten Nach­bar­schaft schirmen sich zur südlichen Straße ab und öffnen sich nach Norden zum Flusstal hin.

Die Archi­tekten begegnen dieser wider­sprüch­li­chen Logik des Grund­stücks mit einem teils tief einge­schnitten Baukörper, der die Sonne durch ein auf der äußeren Umfas­sungs­mauer plat­ziertes acht Meter breites Fenster weit bis ins Innere des Hauses lässt. Von Herbst bis Frühling soll die Sonne so diagonal durch das Gebäude bis in den tiefer gelegenen Wohnraum fallen.

Das groß­zü­gige Wohnhaus folgt einem einfachen Prinzip: einem ersten schmalen Riegel, in dem die dienenden Funk­tionen unter­ge­bracht sind, folgt ein zweiter breiterer, der im Garten­ge­schoss den Wohn­be­reich und im Ober­ge­schoss die Schlaf­zimmer der Familie beher­bergt. Zwischen beiden Riegeln findet sich die Küche, die damit zum baulichen Mittel­punkt des Hauses wird. Kinder und Eltern gelangen über eigene Brücken im Luftraum oberhalb dieser Küche in den „dienenden“ Teil des Baus zu ihren Ankleiden und Bade­zim­mern. Die Einschnitte im Grundriss lassen dabei nicht nur Sonne optimiert einfallen, sondern geben immer wieder den Blick ins Tal frei.

David Kasparek

Hertweck Devernois Archi­tectes Urba­nistes, Haus UM, Sinzig am Rhein 2009 – 2014
Architekt (LPH 1–9):– Florian Hertweck, Baulei­tung: Peter Hertweck
Trag­werks­pla­nung: Stelio Berikaki, Sinzig
Bauherr: Privat
Fotos: Holger Jacobs